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Fukushima : Der Kampf gegen den Gau ist noch nicht gewonnen

  • -Aktualisiert am

Rauchwolke über Reaktor 3 Bild: dapd

Nun wurde eine stark erhöhte radioaktive Belastung des Meerwassers vor dem Kernkraftwerk gemessen. Die Werte für radioaktives Jod betragen das 127-Fache des Normalwerts, die für radioaktives Cäsium das 25-Fache.

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          Die Bemühungen um eine Kühlung der beschädigten Reaktoren des Kernkraftwerkes Fukushima Daiichi sind auch am Montag fortgesetzt worden. Aus dem als besonders gefährdet geltenden Block 3 stieg am Montag zeitweise grauer Rauch auf, dessen Ursache unklar war. Obwohl die Radioaktivität nach Angaben des Kraftwerksbetreibers Tepco nicht stieg, wurden die Mannschaften vorübergehend abgezogen. Der Druck im Reaktorkern des Blocks, der am Wochenende stark gestiegen war, soll sich wieder normalisiert haben.

          Später stieg aus Block zwei vermutlich Wasserdampf auf. Nach Angaben von Tepco ist an allen sechs Reaktorblöcken des Kraftwerks die Stromversorgung von außen wieder hergestellt worden. Bis tatsächlich Strom zu Reaktorblock 2, dessen Kernhülle beschädigt ist, fließen könne, dauere es aber noch einige Zeit. Es würden einige Ersatzteile in der elektrischen Ausstattung benötigt.

          Spuren von Radioaktivität in Gemüse

          Dagegen wurde eine stark erhöhte radioaktive Belastung des Meerwasser vor dem Kernkraftwerk gemessen. Nach Angaben des Betreibers Tokyo Electric (Tepco) vom Montag betrugen die Werte für radioaktives Jod das 127-Fache des Normalwerts. Für radioaktives Cäsium war der Wert 25 Mal so hoch wie sonst üblich.

          Löscharbeiten am Atomkraftwerk Fukushima

          Spuren von Radioaktivität wurden auch in mehreren Gemüsesorten und im Trinkwasser gemessen. Betroffen war unter anderem die Hauptstadt Tokio. Das Gesundheitsministerium riet zudem den etwa 6000 Bewohnern des Dorfes Iitate wegen erhöhter Werte radioaktiven Jods im Wasser davon ab, Leitungswasser zu trinken. Iitate liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich des Atomkraftwerks Fukushima.

          Hohe Strahlung auch außerhalb der Evakuierungszone

          Die Strahlungswerte in Fukushima sind nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA auch außerhalb der Evakuierungszone hoch. Nach Messwerten von Sonntag, auf die sich die IAEA am MOntag berief, lagen die Werte außerhalb der 20-Kilometer-Zone teils erheblich über der natürlichen Strahlung. „Da muss man sich etwas überlegen“, sagte ein hochrangiger IAEA-Beamter auf die Frage, ob eine Erweiterung der Evakuierungszone notwendig sei.

          Am Sonntag wurde nach IAEA-Informationen beispielsweise 58 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt eine Strahlung von 5,7 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Der von der IAEA empfohlene Strahlengrenzwert für einen normalen Erwachsenen liegt bei 1 Millisievert (1000 Mikrosievert) pro Jahr. Demnach könnten sich die Menschen, die 58 Kilometer von den Reaktoren entfernt leben, rund sieben Tage dort aufhalten, ohne langfristig gesundheitliche Schäden wie Krebs zu riskieren.

          Es gibt Licht am Ende des Tunnels

          Feuerwehrwagen besprühten am Montag weiter das Abklingbecken des Reaktors 4 mit Wasser. Verteidigungsminister Kitazawa vermeldete am Montag, dass die Temperatur an der Oberfläche um alle sechs Reaktoren nun an zwei Tagen in Folge weniger als 100 Grad betragen habe. Dies sei ein Anzeichen dafür, dass es Wasser in den Abklingbecken gebe. Hubschrauber der Streitkräfte hatten die Temperatur aus der Luft gemessen.

          Während Regierungssprecher Edano am Montag vor Rückschlägen bei den Bemühungen um eine Stabilisierung der Anlage warnte, äußerte sich der japanische Ministerpräsident Kan am Montag erstmals vorsichtig optimistisch. Ein Weg aus der Krise am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi sei in Sicht, sagte Kan vor dem Krisenstab der Regierung. Es müsse noch mehr getan werden, aber es gebe Licht am Ende des Tunnels, sagte Kan laut einem Bericht des japanischen Fernsehsenders NHK. Kan musste einen geplanten Besuch im Katastrophengebiet am Montag wegen schlechten Wetters absagen. Der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Amano, sprach von einer anhaltend ernsten Lage.

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