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Forscher Johann Westhauser : Ein Arzt erreicht den Verunglückten

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Langfristiges Unterfangen: Mit einer schnellen Rettung von Johann Westhauser ist nicht zu rechnen. Bild: AP

Die Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser könnte womöglich doch noch diese Woche abgeschlossen werden. Zumindest ist nun erstmals ein Arzt zu dem Verunglückten vorgedrungen.

          Die Rettung des am Pfingstsonntag in der Riesending-Höhle am Untersberg bei Berchtesgaden verunglückten Höhlenforschers Johann Westhauser wird unermüdlich vorangetrieben. Am Mittwoch sah es zwar lange Zeit nicht so aus, als werde sie noch in dieser Woche abgeschlossen, doch am frühen Abend erreichte nun zum ersten Mal ein Arzt den schwer verletzten Forscher in einem Kilometer Tiefe.

          In einer Textnachricht, den die Helfer über das eigens installierte Funksystem aus der Tiefe an die Rettungskräfte an der Erdoberfläche absetzten, hieß es: “Der österreichische Arzt und die Italiener haben den Patienten erreicht“. Darüber hinaus sei ein weiterer Arzt aus Italien auf dem Weg zu dem Verunglückten. Gemeinsam werde dann entschieden, wann und wie eine Bergung beginnen könnte.

          Unverändert stabiler Zustand

          Nach Angaben der Bergwacht Bayern sind zurzeit etwa 60 Rettungskräfte im Einsatz. Weil Balkone an manchen Stellen der Höhle so schmal oder Stollen so eng sind, dass zwei Teams nicht aneinander vorbeikommen, sind höchstens 20 Retter in der Höhle. Sie bauen den 6,5 Kilometer langen Weg zu dem am Kopf schwer verletzten Höhlenforscher mit Fixseilen und Steigmöglichkeiten weiter aus, um seine Rettung überhaupt erst möglich zu machen oder zu erleichtern.

          Bis zum Mittwoch wurden rund vier Kilometer Seilstrecke verlegt, an absturzgefährdeten Stellen Bohrhaken gesetzt und Stahlstifte in den Fels getrieben, wie man sie auch aus Klettersteigen kennt. Zudem waren am Mittwoch zwei Ärzte auf dem Weg zu dem Verletzten. Einer von ihnen soll eine medikamentöse Therapie einleiten und feststellen, ob und auf welche Weise Westhauser ins Freie geschafft werden kann. Der Zustand des Verletzten soll unverändert stabil sein. Wäre der Unfall außerhalb einer Höhle passiert, würde er jedoch auf einer Intensivstation behandelt, wie der Neurochirurg und Höhlenforscher Michael Petermeyer sagte, der in der Einsatzleitung mitarbeitet.

          Geleitet wird der Rettungseinsatz von der Bergwacht Bayern, die dazu den gesetzlichen Auftrag hat. Im Extrembereich der 1148 Meter tiefen Riesending-Schachthöhle können sich aber nur erfahrene Fachleute gefahrlos bewegen. Unterstützt wird die Bergwacht Bayern deshalb von Höhlenrettern aus Österreich, Italien und der Schweiz. „Höhlenforscher sind ein kleiner Kreis von Experten. Der Zusammenhalt ist sehr groß. So wie in den Anfängen des Alpinismus Bergsteiger anderen Bergsteiger zu Hilfe kamen, retten Höhlenforscher andere aus Notlagen“, sagte Bergwacht-Sprecher Roland Ampenberger gegenüber dieser Zeitung.

          Die Kosten für Einsätze der Bergwacht übernimmt im Fall eines verletzten Bergsteigers normalerweise die Krankenkasse. Ob die Versicherung des Verunglückten das in diesem Fall aber auch macht, ist wegen der Besonderheit der Situation noch nicht abzusehen. Der Aufwand überschreitet die üblichen Kosten für Rettungseinsätze um ein Vielfaches. Laut Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher (VdHK) sind in der Vergangenheit bei Rettungseinsätzen Kosten in Höhe von jeweils bis zu 40 000 Euro aufgelaufen. Für diese Fälle hat der VdHK 1995 einen Bergungskosten-Solidaritätsfonds eingerichtet. Ist ein Höhlenforscher nicht versichert oder zahlt die Versicherung nicht, dann springt dieser Fonds ein.

          20 Kilogramm Material und Ausrüstung

          Auch wenn der Höhlenforscher Johann Westhauser als erfahren und besonnen gilt - gegen Steinschlag war auch er nicht gefeit. Bei der Erforschung von Höhlen gehen die Fachleute behutsam vor. Sie wissen, dass eine Bergung aus großer Tiefe und durch Engstellen, Canyons und Schächte mit erheblichen Schwierigkeiten und großem Aufwand verbunden ist. Sicherheit wird bei Befahrungen deshalb groß geschrieben. Neben Sicherungstechnik und Seilen haben die Höhlenforscher LED-Stirnlampen, Neoprenanzüge, Schutzfolien, Trinkwasser und Schlafsäcke dabei. Weil Obst und Gemüse zu schwer sind, ernähren sich die Höhlenforscher mit Trockennahrung, die mit Wasser angerührt wird. Insgesamt kommt ein Höhlenforscher auf 20 Kilogramm Material und Ausrüstung. Bei einer Befahrung sind die Forscher mindestens zu dritt, oft sogar zu fünft unterwegs.

          Dennoch geraten Höhlenforscher immer wieder in Notlagen. Im August vergangenen Jahres wurden in Nordspanien vier von ihnen gerettet, die sich in einem System unterirdischer Gänge verirrt hatten und drei Tage vermisst waren. In eine ähnliche Tiefe wie jetzt am Untersberg führte die Retter im Dezember 2009 ein Einsatz in den Pyrenäen. In 700 Metern Tiefe saßen drei Forscher fest, denen ein durch Schneeschmelze angeschwollener unterirdischer Fluss den Weg abgeschnitten hatte. Auch am Untersberg könnten anschwellende unterirdische Bäche und Flüsse die Rettung verzögern. Entladen sich die für Mittwoch angekündigten Gewitter über dem Plateau, wird das Wasser in manchen Abschnitten der Riesending-Höhle steigen. Es soll aber Rückzugsmöglichkeiten geben, in denen der verletzte Höhlenforscher und die Retter vor den Wassermassen sicher sind.

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