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Flutwelle in Istanbul : Hilfe kommt oft zu spät: mindestens 30 Tote

  • Aktualisiert am

Istanbul nach der Flutwelle Bild: AFP

Nach den heftigsten Regenfällen seit 80 Jahren ist am Mittwoch eine gewaltige Flutwelle über Istanbul eingebrochen und hat mindestens 30 Menschen in den Tod gerissen. Experten kritisieren die Instanbuler Behörden für ihre Planung der Infrastruktur.

          Menschen kämpfen in den Fluten ums Überleben; klettern auf Hausdächer, um den Wassermassen zu entkommen. Nach den heftigsten Regenfällen seit 80 Jahren sind in der türkischen Stadt Istanbul mindestens 30 Menschen ertrunken. Unter ihnen sind 20 Bewohner, die am Mittwoch von einer gewaltigen Flutwelle in den Tod gerissen wurden. Mehrere Autofahrer kamen in ihren Fahrzeugen ums Leben. Am Vortag waren bereits acht Menschen im Nordwesten des Landes ertrunken.

          In den Stadtteilen Ikitelli und Halkali wurden zahllose Autofahrer in den Wassermassen eingeschlossen, die mehr als einen Meter hoch in den Straßen standen. Viele Menschen kletterten auf die Dächer ihrer Autos und warteten auf Hilfe. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt. Oft kam die Hilfe zu spät. Ein Mädchen wurde von den Fluten weggespült, während sich ihre Mutter und ihre Schwester aus einem von den Fluten erfassten Auto retten konnten. „Es ist das größte Unglück der vergangenen Jahre“, sagte der Provinz- Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler. Medien berichteten, das Wasser sei „wie ein Tsunami“ gekommen.

          Verlassenen Autos geplündert

          Vier Hubschrauber und acht Boote seien im Einsatz, um gestrandete Autofahrer zu retten, sagte der Regierungsbeamte. In Ikitelli bargen Feuerwehrleute nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anatolia sieben Leichen auf einem Lkw-Parkplatz. Fernsehaufnahmen zeigten, wie die Gewalt des Wassers die schweren Fahrzeuge aufeinander geschoben hatte.

          Istanbul nach der Flutwelle Bilderstrecke

          Im Nachbarbezirk Halkali kamen sieben Arbeiterinnen einer Textilfabrik ums Leben, die beim Aussteigen aus einem Kleinbus von den Wassermassen erfasst und mitgerissen wurden. Die Fluten überraschten die Bewohner am frühen Morgen, als viele Istanbuler auf dem Weg zur Arbeit waren. Die Straße zum internationalen Flughafen war ebenso unpassierbar wie die Autobahnverbindungen nach Griechenland und Bulgarien. Polizisten waren in Bereitschaft, um die Plünderung von überschwemmten Geschäften zu verhindern. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP beobachtete aber, wie verlassene Autos nach Wertsachen durchsucht wurden.

          Infrastruktur hat mit Wachstum nicht Schritt gehalten

          In einigen Teilen der Nordwest-Türkei waren die stärksten Regenfälle seit Jahrzehnten gemessen worden. Seit Dienstag waren pro Quadratmeter 220 Liter Wasser niedergegangen, teilten die Behörden mit. Im ganzen September habe es im Schnitt der vergangenen Jahre jeweils 35 Liter pro Quadratmeter geregnet. Der türkische Meteorologe Mehmet Caglar sagte, solche ungewöhnlich heftigen Regenfälle seien eine Folge des Klimawandels.

          Experten kritisierten aber auch Istanbuler Behörden. Ihnen sei es nicht gelungen, Bauarbeiten in den Gebieten zu unterbinden, die von Überschwemmungen gefährdet seien. In Istanbul sollen in einigen Stadtteilen bis zu 90 Prozent der Gebäude illegal errichtet worden sein. Aus den ländlichen Gebieten der Türkei wandern nach wie vor viele Menschen in die Metropolen ab und haben die Bevölkerungszahl auf 15 Millionen anschwellen lassen. Es gebe schwere Schäden an der Infrastruktur, sagte der Minister für Öffentliche Arbeiten und Hausbau, Mustafa Demir. Es sei künftig größere Sorgfalt nötig, räumte er ein.
          In Teilen von Ikitelli ging die Flut am Mittag bereits wieder zurück. Für Donnerstag wurden aber weitere Niederschläge vorhergesagt.

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