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Flutwelle in China : In der U-Bahn ertrunken

Ein Mann trägt eine Frau durch die Straßen von Zhengzhou. Bild: Reuters

In der chinesischen Provinzhauptstadt Zhengzhou hat Starkregen zu einer „Jahrtausendflut“ geführt: Es gibt zahlreiche Todesopfer, viele Staudämme sind in Gefahr.

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          Es gibt nicht viele Orte in China, in denen je innerhalb einer Stunde so viel Niederschlag gemessen wurde wie am Dienstag in der Hauptstadt der Provinz Henan. Zwischen vier und fünf Uhr nachmittags erreichte die Regenmenge in Zhengzhou 202 Millimeter, also 202 Liter pro Quadratmeter. Das ist ein Drittel dessen, was in der Millionenstadt normalerweise in einem ganzen Jahr niedergeht. Es ist zudem mehr Niederschlag als in den am schlimmsten betroffenen deutschen Hochwassergebieten innerhalb eines Tages. Auf den Straßen und in der U-Bahn von Zhengzhou führte der Starkregen zu dramatischen Szenen. Hunderte Fahrgäste steckten vier Stunden lang im Tunnel fest, während das Wasser in ihrem Waggon weiter stieg. Videos von Menschen, denen die braune Brühe bis zur Schulter steht und die sich verängstigt an den Haltegriffen in der U-Bahn festklammern, kursierten am Dienstagabend im Internet und schreckten das ganze Land auf. Die meisten Eingeschlossenen konnten in der Nacht befreit werden. Für mindestens zwölf Fahrgäste kam aber jede Hilfe zu spät.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Manche Straßen in Zhengzhou und umliegenden Städten verwandelten sich innerhalb kurzer Zeit in reißende Flüsse, die Autos und Menschen mit sich rissen. Die Zahl der Todesopfer wurde am Mittwochabend mit 25 angegeben, könnte aber weiter steigen. Chinesische Meteorologen sprechen von einer Jahrtausendflut. Das Militär warnte, dass ein Staudamm in Zhengzhous Nachbarstadt Luoyang „jederzeit“ brechen könne. Zuvor hatte sich eine 20 Meter lange Bruchstelle gebildet. Eine Militäreinheit sei dabei, stromaufwärts Sprengungen vorzunehmen, um Flutwasser abzulassen und den Druck auf den Staudamm zu verringern. Mehr als 100.000 Bewohner wurden in Notunterkünften einquartiert.

          Staats- und Parteichef Xi Jinping nannte die Lage am Mittwoch „sehr ernst“. Mehrere Staudämme und Wasserreservoire seien beschädigt. Das Wichtigste sei nun, die Sicherheit und den Besitz der Bürger zu schützen, sagte Xi und rief die lokalen Verantwortlichen auf, sich „strikt“ an die Vorgaben der Flut- und Nothilfeverordnungen zu halten. Darüber hinaus gab Xi Jinping, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, die Anordnung, dass Soldaten bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten helfen sollten.

          Zahllose Hilferufe im Internet

          Es ist ungewöhnlich für China, dass sich der Staats- und Parteichef so schnell und umfassend zu einer Katastrophenlage äußert. In den Staatsmedien wurde ausschließlich über die offiziellen Rettungsarbeiten der Feuerwehr, Sanitäter und Soldaten berichtet, während sich im Internet die Zivilgesellschaft organisierte. Private Helfer und Firmen boten Unterkünfte, Fahrdienste und Nahrungsmittel an. Sie reagierten auf zahllose Hilferufe im Internet von Menschen, die vom Wasser eingeschlossen wurden oder nach Vermissten suchten. Beiträge mit dem Hashtag #Henan-Unwetter-Selbsthilfe wurden mehr als 2,8 Milliarden Mal angesehen. Stark betroffen war auch die Kleinstadt Gongyi vor den Toren Zhengzhous, wo zahlreiche Häuser einstürzten. Mindestens vier Menschen kamen dort ums Leben. In lokalen Medien berichteten Augenzeugen über die beängstigenden Stunden, die sie in der U-Bahn von Zhengzhou verbracht hatten.

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