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Flutkatastrophe : Tsunami-Länder noch jahrelang auf Hilfe angewiesen

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Am meisten wurde 2005 für die Tsunami-Opfer gespendet Bild: dpa/dpaweb

Die Katastrophenhilfe muß sich nach Angaben von Hilfsorganisationen mehr auf eine nachhaltige Arbeit statt auf spontane Hilfsbereitschaft stützen. 2005 seien angesichts zahlreicher Katastrophen Spenden für viele schwere Notlagen ausgeblieben.

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          Die vom Tsunami heimgesuchten Länder sind nach Einschätzung deutscher Hilfsorganisationen noch mehrere Jahre auf die Unterstützung anderer Staaten angewiesen. Ein Jahr nach der Flutkatastrophe in Südostasien zogen das Deutsche Rote Kreuz, Caritas, Diakonie und Unicef am Dienstag in Berlin Bilanz.

          „Die Bereitschaft zu helfen, war größer denn je. Aber viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn es eine bessere Katastrophenvorsorge gegeben hätte“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters. Er sprach sich dafür aus, staatliche Mittel künftig flexibler vorzuhalten, so daß im Falle von Katastrophen besser geholfen werden könne.

          Langfristige Armutsbekämpfung

          Die Organisationen forderten, die professionelle Nothilfe und langfristige Armutsbekämpfung besser zu verzahnen. „Die Erfahrung zeigt, daß Armut Katastrophen besonders katastrophal macht“, sagte Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes.

          Insgesamt spendeten die Deutschen für die Tsunami-Opfer 670 Millionen Euro, ein Großteil davon an DRK (124,6 Millionen), Unicef (99 Millionen), Caritas (52,1 Millionen) und Diakonie (44,2 Millionen). Das Gros dieser
          Gelder ist bereits ausgegeben oder fest verplant. „Kein Kind starb in den Flutgebieten an Seuchen oder Mangelernährung. Fast alle Kinder gehen heute wieder zur Schule und die Grundversorgung für Hunderttausende Menschen konnte aufrechterhalten werden“, berichtete Dietrich Garlichs (Unicef) erfreut. Doch der Kraftakt des Wiederaufbaus stehe erst noch bevor.

          Hurrikan „Stan“ - die vergessene Katastrophe

          Für effektive Hilfe seien Koordination, Kontakte zu Partnerorganisationen vor Ort und professionelle Standards wichtig gewesen, betonten die Organisationen. „Spontanes Mitgefühl und Solidarität sind etwas Großartiges. Doch sie stehen oft im Gegensatz zur Notwendigkeit von Koordination und Nachhaltigkeit“, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel (Diakonie) mit Blick auf die zahlreichen kleinen, privaten Initiativen. Für die meist ortsunkundigen Helfer sei auch die Gefahr besonders groß, Opfer von Korruption zu werden.

          Die immense Hilfsbereitschaft für die Tsunami-Opfer habe zudem zu geringeren Spenden für andere Notlagen geführt. Hurrikan Stan mit den dramatischen Erdrutschen in Mittelamerika sei die „vergessene Katastrophe des Jahres“. „Eingekeilt zwischen Hurrikan Katrina und dem Erdbeben in Pakistan machte das drei Katastrophen in drei Wochen: Das war zu viel fürs Portemonnaie und zu viel fürs Herz“, sagte Füllkrug-Weitzel.

          Aus diesem Grund müsse humanitäre Hilfe antizyklisch und nicht nur im medienwirksamen Katastrophenfall geleistet werden, forderte Neher: „Gerade wenn private Spenden durch mangelnde Öffentlichkeit fehlen, sollten staatliche Mittel flexibel eingesetzt werden können.“

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