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Versorgung nach dem Hochwasser : Pizzasuppe aus der Feldküche

  • -Aktualisiert am

Essen für Unterstützer: Auch Helfer werden im Verpflegungszentrum versorgt. Bild: Michael Braunschädel

Noch immer sind einige Teile in den Katastrophengebieten ohne Strom. Kochen ist entsprechend schwierig. In einem neuen Versorgungszentrum versorgt das Rote Kreuz nun täglich die Flutopfer mit 10.000 warmen Mahlzeiten.

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          Als Jürgen Christmann, der heute Vizepräsident des Landesverbands Hessen ist, im Jahr 1972 beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) anfing, da berichteten die Älteren immer von der Sturmflut in Hamburg, wenn sie von einer Geschichte eines Großeinsatzes erzählen wollten. Die Katastrophe aus dem Frühjahr 1962 war damals gerade erst zehn Jahre her. Es gab seitdem einige Einsätze – das Hochwasser in Dresden 2002 und in Havelberg 2013, aber auch die Flüchtlingskrise 2015 und 2016. „Ohne unserer eigenen Statistik vorgreifen zu wollen“, sagt Christmann, „ich kann mir vorstellen, dieser Einsatz könnte der größte werden.“

          Jürgen Christmann steht auf einem Parkplatz in einem Gewerbegebiet in der Gemeinde Grafschaft im Landkreis Ahrweiler. Der Parkplatz gehört zu einer Niederlassung der Firma Haribo, aber gerade parkt hier kein Unternehmensmitarbeiter. In den vergangenen Tagen wurde der Parkplatz zu einer Zeltstadt, am Montag ging das neue Versorgungszentrum in Betrieb: der nächste Schritt im Großeinsatz des Roten Kreuzes nach der Hochwasserkatastrophe.

          Seit die Flut im Ahrtal Häuser und Straßen zerstörte, die Strom- oder Wasserversorgung lahmlegte, sorgen Organisationen wie das DRK für das Nötigste. Die zeitweise etwa 3500 Helfer aus dem ganzen Bundesgebiet stellten Duschcontainer und Ersatzstromerzeuger auf, sie kümmerten sich um die psychosoziale Versorgung der Betroffenen, sie errichteten mobile Arztpraxen und Trinkwasserausgabestellen, durch die am Tag rund 140.000 Liter Wasser fließen.

          Gut 10.000 warme Mahlzeiten täglich

          Und sie kochten in Feldküchen für die Menschen, die sonst keine warme Mahlzeit bekommen hätten. Auch drei Wochen nach der Flut ist absehbar, dass diese Versorgung noch eine Weile nötig sein wird. Also sollte eine Einrichtung geschaffen werden, die auch längerfristig noch für mehrere Wochen tragen würde. „Am Donnerstag bekamen wir den Einsatzbefehl vom Bundesverband“, sagt Norbert Gerlach, der Sprecher des DRK-Landesverbands Hessen, „und am Freitagnachmittag standen hier schon die ersten Zelte.“ Etwa zwei Dutzend sind es nun, nachdem am Wochenende auf Hochtouren aufgebaut wurde. Gut 10.000 warme Mahlzeiten sollen hier täglich produziert werden, Lieferfahrzeuge bringen sie dann zu den Ausgabestellen in den von den Fluten betroffenen Ortschaften.

          Kiloweise Vorräte: Helfer sortieren Lebensmittel, meist sind es Großspenden.
          Kiloweise Vorräte: Helfer sortieren Lebensmittel, meist sind es Großspenden. : Bild: Michael Braunschädel

          In den Kühllastern und Lagerzelten stehen Paletten mit Lebensmittelmengen, wie man sie in keinem gewöhnlichen Haushalt findet: Rapsöl in Zehn-Liter-Kanistern, mehrere Paletten mit Spätzle in Fünf-Kilogramm-Kisten, geschnittene Tomaten-Paprika in Vier-Kilogramm-Dosen. Tüten über Tüten mit Basilikum-, Paprika- und Knoblauchgewürzen. Vieles davon sind Großspenden. Wie lange diese Vorräte halten? „Zwei Tage vielleicht“, sagt Jürgen Christmann.

          Die Beschriftungen der anderen Zelte, „FKH6“ für „Feldkochherd 6 – Vegetarische Küche 2“, verraten, wo hier das Essen zubereitet wird. Für den ersten Tag kochten die Helfer mehr als 13 Stunden, erzählen sie: von 14 Uhr am Sonntagnachmittag bis drei oder halb vier in der Nacht am frühen Montagmorgen, teilweise hätten sie nicht mehr als drei Stunden geschlafen. Kochdurchgang für Kochdurchgang schnitten sie Gemüse und brutzelten Fleisch. Pizzasuppe gab es am ersten Tag, mit Pilzen und Mais, Hackfleisch oder Tofu. Auch dafür wurden beeindruckende Mengen an Zutaten verbraucht und produziert: Rechnet man für eine Portion Suppe mit 500 Millilitern, dann sind tausend Portionen 500 Liter und zehntausend Portionen 5000 Liter Suppe.

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