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Flugzeugunglück : Neue Zweifel an Sicherheit der ägyptischen Unglücks-Airline

  • Aktualisiert am

Abschied von den Opfern Bild: AP

Das Flugzeugunglück am Roten Meer mit 148 zumeist französischen Opfern hat eine Debatte um die Sicherheit von Chartermaschinen ausgelöst. In einem anonymen Anruf bekannte eine bislang unbekannte islamische Extremistengruppe ein „Attentat“.

          Das Flugzeugunglück am Roten Meer mit 148 zumeist französischen Opfern hat eine Debatte um die Sicherheit von Chartermaschinen ausgelöst. Die Pariser Behörden betonten am Montag, sie hätten Boeing-Jets der ägyptischen Flash Airlines im Herbst zwei Mal ohne Beanstandungen überprüft. Wegen technischer Probleme hatten Flash-Jets Ende 2002 und Anfang 2003 in Athen und Genf notlanden müssen.

          Das Wrack der Unglücksmaschine in Ägypten wurde in rund 400 Metern Tiefe geortet. In einem anonymen Anruf, dessen Echtheit zunächst nicht feststand, bekannte sich eine bislang unbekannte islamische Extremistengruppe zu einem „Attentats“ auf die Boeing 737. Die Ermittlungen zur Unfallursache konzentrierten sich allerdings weiter auf technische Mängel der elf Jahre alten Boeing.

          Technische Probleme als Ursache

          Schon wenige Stunden nach dem Absturz ins Rote Meer hatten die ägyptischen Behörden einen Terroranschlag als Ursache ausgeschlossen und auf mögliche technische Probleme der Boeing verwiesen. Der Pariser Verkehrsstaatsekretär Dominique Bussereau betonte am Montag, der Verlauf der Katastrophe von Scharm el Scheich ähnele dem eines typischen Unglücks nach dem Start eines Flugzeuges. Die Schweizer Luftfahrtbehörden hatten die ägyptische Flash Airlines wegen technischer Mängel im Oktober 2002 mit einem Überflugverbot belegt, wie eine Behördensprecherin bekräftigte. Ägyptens Zivilluftfahrtminister Ahmed Schafik dementierte dies.

          Der Chef des Flughafens im mittelfranzösischen Angers, Gilles Darriau, berichtete, als Passagier habe er die Airline nicht in bester Erinnerung. Sein Flug von Ägypten nach Paris sei wegen Treibstoffmangels nach Mailand umgeleitet worden. Ein ehemaliger Flugbegleiter der Swiss berichtete in der Zeitung „Le Matin“ ebenfalls, er habe im Oktober 2002 als Passagier auf einem Flug der Flash Airlines mehrere Mängel festgestellt.

          Flash-Airlines-Chef Mohamed Nour beteuerte, die zwei Tage zuvor abgestürzte Boeing 737 sei „hundertprozentig sicher“ gewesen. „Ich versichere Ihnen dies zu hundert Prozent“, sagte Nour im französischen Nachrichtensender LCI. Der Absturz sei „keinesfalls“ auf Fehler seiner Gesellschaft zurückzuführen. „Unfälle kommen vor. Ich kann auch nicht sagen, daß Air France wegen des Concorde-Unfalls kein zuverlässiges oder glaubwürdiges Unternehmen ist“, sagte Nour, „Unfälle passieren. Wir bedauern den Verlust von Menschenleben, aber man sollte keine voreiligen Spekulationen anstellen“.

          Anonymer Anrufer bekennt sich zu Attentat

          In einem anonymen Anruf bei der Nachrichtenagentur AFP in Kairo übernahm eine bislang unbekannte Gruppe namens Ansar al Haq („Streiter der Gerechtigkeit“) die Verantwortung für den Absturz. Es habe sich um ein „Attentat“ der in Jemen ansässigen Gruppe gehandelt, sagte ein Mann am Telefon und drohte mit einem Anschlag auch auf eine Air-France-Maschine, wenn Frankreich nicht seinen Plan aufgebe, das moslemische Kopftuch an öffentlichen Schulen zu verbieten. Die Echtheit des Anrufes konnte zunächst nicht überprüft werden,.

          Fortschritte bei der Bergung

          Bergungskräfte meldeten Fortschritte bei der Suche nach dem versunkenen Wrack der Unglücksmaschine. Eine französische Fregatte, 16 Taucher, ein Hubschrauber und ein Spezialflugzeug unterstützten am Montag die ägyptischen Helfer. Der Rumpf sei „in etwa lokalisiert“ worden; er befinde sich in rund 400 Metern Meerestiefe und nicht wie befürchtet in einem Tiefseegraben, sagte ein französischer Ermittler. In Frankreich brachen sechs Polizei-Experten auf, um bei der Identifizierung der zunächst geborgenen Leichenteile per Gen-Analyse zu helfen.

          Der Einsatz des Unterwasserroboters verzögerte sich nach französischen Angaben wegen Formalitäten am Flughafen. Außenstaatssekretär Renaud Muselier sagte dem Fernsehen France-2, die bislang geborgenen sterblichen Überreste der Opfer wiesen keine Brandspuren auf. Dies deute ebenso wie die Augenzeugenberichte darauf hin, daß es keine Explosion an Bord gegeben habe. Derzeit deute nichts auf einen Attentat, sondern alles auf eine technische Unglücksursache hin.

          Vermutlich am Mittwoch sollten Angehörige der 133 französischen Opfer nach Scharm el Scheich reisen, um dort Abschied von den Toten zu nehmen. Rund 2.000 Menschen waren am Sonntagabend zu einem Gedenkgottesdienst für die Opfer in die Pariser Kathedrale Notre-Dame gekommen. Bei dem Unglück waren ganze Familien ausgelöscht worden, unter anderem elf Mitglieder aus drei Generationen einer Juristenfamilie aus Dijon.

          Schwer zugängliches Gebiet

          Nach einer Sondersitzung der französischen Regierung hielt sich Außenstaatssekretär Renaud Muselier weiter in Scharm el Scheich auf. Am Sonntag hatte er dort Kränze in der Nähe der Unglücksstelle ins Rote Meer geworfen. Das Gebiet ist wegen starker Strömungen, Tiefseegräben und Haien nur schwer zugänglich.

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