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Flugzeugunglück in San Francisco : Verhängnisvoller „Bridge Approach“

  • -Aktualisiert am

Dank der schnellen Reaktion des Bordpersonals konnten sich 289 Passagiere über die Notrutschen in Sicherheit bringen konnten, bevor das Flugzeug Feuer fing. Bild: AFP

Der Pilot des in San Francisco verunglückten Flugzeugs hatte viel Erfahrung - allerdings nicht mit der Boeing 777. Er flog die Landebahn viel zu niedrig und zu langsam an. Untersucht wird nun auch, ob es Parallelen zu einem früheren Absturz in London gibt.

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          Wer nach dem Nonstop-Flug aus Europa oder Asien kommend bei schönem Wetter San Francisco anfliegt, dem bietet sich ein imposanter Anblick. Meist nehmen die Passagierflugzeuge die Route entlang der nordkalifornischen Küste in Richtung Süden. Zunächst kommt die Halbinsel Point Reyes in den Blick. Die wie mit dem Lineal gezogene Linie, die sie vom Festland trennt, ist die San-Andreas-Verwerfung, die „Mutter aller Erdbeben“. Wenig später sieht man das Goldene Tor, das grazil von der Golden Gate Brücke überspannt wird. Im Hintergrund liegt die Innenstadt von San Francisco, aus deren Häusermeer der Golden Gate Park als grünes Rechteck hervorsticht. Unspektakulär zieht das Silicon Valley unter einem vorbei. Südlich von San Jose schwenken die Flugzeuge dann in eine langgezogene Linkskurve, die sie über die große Bucht von San Francisco bringt. Kontrolliert an Höhe verlierend, steuern die Maschinen auf eine der beiden nach Westen gerichteten Landebahnen des Flughafens zu. Die extrem lange San-Mateo-Brücke ist dabei für Pilot wie Passagier der einzige Anhaltspunkt über dem flachen Wasser der Bucht.

          Auch die Piloten des Fluges „Asiana 214“ flogen am Sonntag kurz vor Mittag ihre Boeing 777 entlang der als „Bridge Approach“ bezeichneten Flugroute. Mehr als zehn Stunden war das mit 291 Passagieren fast vollbesetzte Flugzeug von Seoul aus unterwegs. Von der Flugaufsicht hatte die erfahrene Cockpit-Mannschaft die Genehmigung zur Landung auf Runway 28 Links erhalten. Mit einer Länge von 3465 Metern ist sie die längste Landebahn in San Francisco. Auf ihr landen gewöhnlich alle großen Jumbojets und auch der zweistöckige Airbus A380, mit dem die Lufthansa gelegentlich San Francisco ansteuert. Am Sonntag war das Wetter klar, die gefürchteten Scherwinde traten nicht auf. Mit seiner Geschwindigkeit von nur zwölf Kilometern pro Stunde konnte die westliche Brise dem Großraumflugzeug nichts anhaben.

          Die Landebahn des Flughafens von San Francisco und die brennende Maschine am Samstag
          Die Landebahn des Flughafens von San Francisco und die brennende Maschine am Samstag : Bild: AP

          Dennoch ging beim Anflug auf Bahn 28L irgendetwas fürchterlich schief. Im Vergleich zu den vielen anderen Flugzeugen, die am Sonntagmorgen auf der gleichen Route San Francisco erreichten, hatte die „Triple 7“ zu schnell an Höhe verloren: Sie flog viel niedriger. Außerdem, so ergab eine erste Auswertung des Flugdatenschreibers, war das Flugzeug viel zu langsam. Dem im Cockpit mitlaufenden Tonband war zu entnehmen, dass die Piloten mit etwa 253 Kilometern pro Stunde auf der Landbahn aufsetzen wollten. Nach dem Flugdatenschreiber flog Asiana 214 aber viel langsamer, so Deborah Hersman, die Leiterin der Kommission zur Untersuchung des Absturzes.

          Offenbar hatten auch die Piloten ihre hohe Sinkrate und die niedrige Geschwindigkeit bemerkt. Wer als Pilot in einer solchen Lage schnell an Höhe gewinnen will, darf nicht, wie es nahe läge, mit dem Steuerknüppel das Höhenruder verstellen. Das zöge zwar den Bug des Flugzeuges nach oben, man verlöre dabei aber noch mehr an Fahrt. Um die Geschwindigkeit und damit den Auftrieb zu erhöhen, muss man stattdessen mehr Schub geben. Dem Cockpit-Tonband ist zu entnehmen, dass der Kapitän sieben Sekunden vor dem Aufprall den Befehl gab, den Schub zu erhöhen. Auch einige Passagiere des Asiana-Fluges berichteten später, kurz vor der Landung habe der Pilot „noch einmal richtig Gas gegeben“.

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