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Flugzeugkatastrophe : Fast jeder auf Martinique hat einen Angehörigen verloren

  • Aktualisiert am

Absturzstelle der MD-82 bei Maracibo Bild: REUTERS

Bei der über Venezuela abgestürzten kolumbianischen Passagiermaschine hat es offenbar schon eine Woche zuvor ernsthafte Probleme gegeben. Fast alle Opfer des Absturzes stammen von der Insel Martinique, wo fast jede Familie um Angehörige trauern muß.

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          Mit der Reise nach Panama wollten Paul Berisson und seine Frau George ihren 50. Hochzeitstag feiern. Ihre Kinder und Enkel kamen am Dienstag zum Flughafen von Martinique, um das Paar bei seiner Rückkehr in Empfang zu nehmen. Dort ereilte sie die furchtbare Nachricht: Paul und George, 79 und 70 Jahre alt, waren zusammen mit 158 weiteren Menschen bei dem Flugzeugabsturz in Venezuela ums Leben gekommen.

          Suchmannschaften haben inzwischen fast alle der Todesopfer des Flugunglücks in Venezuela geborgen. Es gebe 164 Plastiksäcke mit sterblichen Überresten, die in eine Leichenhalle der Stadt Maracaibo gebracht würden, sagte Alberto Márquez, der Bürgermeister der 40 Kilometer von der Absturzstelle entfernten Stadt Machiques. Nach seinen Angaben muß es sich bei den Reisenden um eine religiöse Gruppe gehandelt haben, da zwischen den Wrackteilen Dutzende von Bibeln gefunden worden seien.

          Identifizierung wird schwierig

          Die Identifizierung der 152 Urlauber von der zu Frankreich gehörenden Antilleninsel Martinique und der acht kolumbianischen Besatzungsmitglieder werde schwierig werden und in einigen Fällen vielleicht sogar unmöglich werden. Auch einer der beiden Flugschreiber der Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-82 der West Caribbean Airways sei gefunden worden. Ob er über die Unglücksursache erschöpfend Auskunft geben kann, ist noch fraglich.

          Fast jede Familie auf Matinique muß trauern
          Fast jede Familie auf Matinique muß trauern : Bild: AP

          Der kolumbianische Fernsehsender RCN berichtete inzwischen von Problemen, die es mit dem Unglücksjet schon in der vergangenen Woche gegeben habe. Am Mittwoch vergangener Woche habe sich der Abflug von Bogotá Richtung San Andrés wegen technischer Probleme um vier Stunden verzögert. Auch bei der Zwischenlandung in Medellín habe es erneut Probleme und stundenlanges Warten gegeben, hieß es. Der Pilot hatte am Dienstag morgen kurz vor dem Absturz Probleme mit beiden Triebwerken an die Behörden gemeldet. Ein Augenzeuge sagte im Fernsehen, das Flugzeug habe schon in der Luft gebrannt. Es war bereits das zweite Unglück eines Flugzeugs der verschuldeten Fluglinie in diesem Jahr. Im März starben bei einem mißglückten Start in Kolumbien acht Menschen an Bord einer kleineren Propellermaschine.

          Namen der Opfer verlesen

          All das beschäftigt Giselle Berisson, die Tochter von Paul und George, derzeit nur am Rande. Die Trauer um die verlorenen Angehörgen überwiegt. Ihr einziger Trost sei, daß ihre Eltern bis zum Schluß zusammen waren, sagt Giselle. Zahlreiche Menschen am Flughafen brachen in Tränen aus, als ein Abgeordneter die Namen der Opfer verlas. Es gab erschütternde Szenen. Alle Todesopfer stammen von Martinique.

          Die zu Frankreich gehörende Karibikinsel hat rund 380.000 Einwohner. „152 Tote, stellen Sie sich das vor - das bedeutet, daß fast jeder zumindest einen Cousin in diesem Flugzeug hatte“, sagt Regierungssprecherin Magalie Grivallier. Nach Angaben des panamaischen Außenministeriums besuchten die Gruppe auf ihrer Reise Nachfahren von Immigranten aus Martinique und anderen Karibikstaaten, die beim Bau des Panama-Kanals geholfen hatten.

          Ortschaft Ducos besonders betroffen

          Allein die Ortschaft Ducos hat mit dem Unglück auf einen Schlag 30 Einwohner verloren. Rund 150 Angehörige versammelten sich vor dem Rathaus, um ihren Schmerz zu teilen. „Ich kann es nicht begreifen. Es ist, als wäre heute der Himmel auf meinen Kopf gefallen“, sagt Claire Renette, deren Schwester in der Unglücksmaschine saß. Für Mittwoch war eine Trauerfeier für die Opfer geplant, an der auch der französische Minister für die Übersee-Departements, Francois Baroin, teilnehmen wollte.

          In Kolumbien eilten nach dem Unglück die Familien der acht verunglückten Besatzungsmitglieder zu den Büros der Fluggesellschaft West Caribbean Airways in Bogota. Fassungslos berichtete der Vater einer Stewardeß, seine 20 Jahre alte Tochter hätte normalerweise frei gehabt: „Sie hatte gestern abend eigentlich keinen Flug, aber man hat sie um Hilfe gebeten“, sagte Carlos Pena. „Und sie hat mit Freuden zugestimmt.“

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