https://www.faz.net/-gum-7y9pj

Flugunfälle in 2014 : Fast 1000 Tote im Luftverkehr

  • Aktualisiert am

Flug MH17 stürzte wahrscheinlich nach Raketenbeschuss in der Ukraine ab. An Bord waren 298 Menschen. Bild: AFP

Die Zahl der Toten im Luftverkehr hat sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht. Grund dafür sind eine Reihe schwerer Unglücke. Die brachten auch die Liste der sichersten Fluggesellschaften kräftig durcheinander.

          Eine Reihe schwerer Flugzeugunglücke hat 2014 die Zahl der Toten im kommerziellen Luftverkehr nach oben schnellen lassen. Flugunfallforschern zufolge kamen weltweit 970 Menschen ums Leben.

          „Dies ist der zweithöchste Wert im Zehnjahresvergleich“, betont Jan-Arwed Richter, Mitbegründer des Hamburger Flugunfallbüros „Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre“ (JACDEC). Die Zahl liege nahezu viermal so hoch wie im Vorjahr, als 251 Menschen bei Flugunfällen ums Leben gekommen seien. Dies schreibt Richter in einem vorab veröffentlichten Beitrag für das Luftfahrtmagazin „Aero International“. Obwohl Fliegen weiter extrem sicher sei, bremse die Negativbilanz eine Serie von Jahren mit fallenden Opferzahlen.

          Die Unfälle wirbelten auch die JACDEC-Sicherheitsliste der 60 größten Fluggesellschaften durcheinander. So fiel die von zwei schweren Unglücken betroffene Malaysia Airlines von Platz 34 auf Rang 57. Während die Lufthansa unverändert ihren zwölften Platz behauptete, rückte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin vom 26. auf den 20. Platz vor.

          Als weltweit sicherste Airline gilt nach dieser neuen Liste Cathay Pacific aus Hongkong, vor den arabischen Emirates, der EVA Air aus Taiwan sowie Air Canada. Als sicherste europäische Fluggesellschaft folgt demnach nun die niederländische KLM auf Rang fünf – vor Air New Zealand und Australiens Qantas auf den Plätzen sechs und sieben.

          Zwei Katastrophen bei Malaysia Airlines

          Gleich zwei Katastrophen trafen die Fluggesellschaft Malaysia Airlines. Flug MH370 verschwand im März 2014 mit 239 Menschen an Bord – die Maschine ist bis heute verschollen. Flug MH17 stürzte wahrscheinlich nach Raketenbeschuss in der Ukraine ab, an Bord waren 298 Menschen. Kurz vor Jahresende traf es ein weiteres Flugzeug aus Asien: In Indonesien stürzte eine AirAsia-Maschine mit 162 Menschen in die Javasee.

          „Von den betrachteten 60 größten Airlines mussten mehr als ein halbes Dutzend (Flugzeug-)Totalverluste hinnehmen“, heißt es in dem Beitrag für „Aero International“. Die JACDEC-Unfallforscher rechnen bei ihrer Wertung die Verkehrsleistung der Airlines gegen die Zahl der Zwischenfälle und Totalverluste der vergangenen 30 Jahre. Im deutschsprachigen Raum blieben die großen Fluglinien laut dem Bericht von ernsteren Vorfällen verschont.

          Von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hieß es, die hohe Zahl der Toten zeige, dass vor allem die weitere Verbesserung der Aus- und Weiterbildung enorm wichtig sei. „Gerade bei der weltweit steigenden Anzahl an Flügen appellieren wir an die Airlines, noch mehr Energie in das Crewtraining und die Sicherheit zu stecken“, sagte Martin Locher, Vorstandsmitglied der VC. Die Sicherheitskultur aller großen deutschen Airlines lobte Locher ausdrücklich: „Hier haben Sicherheit und Pilotentraining oberste Priorität und man braucht sich überhaupt keine Sorgen zu machen.“

          Bei der Zahl der Unfallopfer ragen Nordamerika und die Region Eurasia (inklusive Russland) positiv heraus: Dort gab es 2014 keine Flugunfall-Toten, die in der Statistik erfasst wurden. Für Lateinamerika kamen die Analytiker auf zehn Tote bei verunglückten Regionalflügen mit älteren Maschinen, für die Region Mittlerer Osten und Vorderasien auf 57. Afrika blieb mit 18 Flugzeug-Totalverlusten und 134 Unfalltoten zwar ein Schwerpunkt, wurde aber von Europa abgehängt. Inklusive der über der Ukraine abgestürzten malaysischen Boeing 777 belegt die Region mit insgesamt 300 Unfalltoten nun den vorletzten Platz – vor dem asiatisch-pazifischen Raum, in dem sich im vergangenen Jahr zwei der vier schwersten Unglücke ereigneten.

          Topmeldungen

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.