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Viele Tote in Indonesien : Die ungeahnte Wucht der Welle

In Palu hat die Welle die Moschee und das Einkaufszentrum komplett zerstört. Bild: Reuters

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Indonesien steigt die Zahl der Toten jeden Tag an. Ein Fluglotse wurde zum Helden in diesem Unglück.

          Wieder einmal hat das Meer seine Macht bewiesen. Es war eine unheimliche, braune Brühe, die sich über die Küste in die Stadt Palu ergoss. Amateuraufnahmen von dem Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi zeigen, wie das Meerwasser in die Stadt über die Ufer strömt. Die bis zu sechs Meter hohen Wellen räumten fast alles weg, was ihnen im Wege stand: Häuser, Autos, Bäume. Auf einem Amateurvideo, das mittlerweile Millionen Menschen gesehen haben, sind Anwohner zu sehen, die auf dem Parkdeck eines Einkaufszentrums schreiend davonlaufen. Nach einigen erschreckenden Momenten der Dunkelheit zeigt das Video dann ein anderes Bild. Um die von dem Erdbeben schon zerstörte Moschee wirbelt ein wilder Strom aus Wasser und Geröll.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Zahl der Toten wird von den Behörden am Sonntag mit 832 angegeben. Das waren schon doppelt so viele wie am Tag zuvor. Es dürften aber noch wesentlich mehr werden. Denn es werden noch viele Leichen in den Trümmern der Häuser und im Schlamm vermutet. Die meisten sind wohl in dem Tsunami umgekommen, der auf das Hauptbeben der Stärke 7,4 gefolgt war. Es könnten sogar Tausende Todesopfer sein, sagte Vizepräsident Jusuf Kalla, der selbst von der Insel Sulawesi stammt. Er verglich die langsam ansteigenden Totenzahlen mit dem verheerenden Tsunami nach dem Sumatra-Andamanen-Beben am zweiten Weihnachtstag im Jahr 2004. Allein in der indonesischen Provinz Aceh waren damals 160.000 Menschen getötet worden. Danach hatte Indonesien ein ausgefeiltes Frühwarnsystem aufgebaut, unter anderem mit deutscher Hilfe. In vielen Küstengebieten sind Tsunami-Fluchtwege ausgeschildert.

          Aber es gibt immer wieder Zweifel daran, wie verlässlich das System im Notfall ist. So hatte es schon in der Vergangenheit Berichte über Sensorbojen gegeben, die nicht funktionierten, oder unbenutzt am Strand herumlagen. Am Freitag hatten die Menschen in Zentral-Sulawesi offensichtlich auch nicht mit einer Flutwelle dieser Größe gerechnet. Eine Tsunami-Warnung war zwar ausgegeben, aber nach nur etwas mehr als 30 Minuten wieder aufgehoben worden. „Wir haben die Warnung rund 15 Minuten nach dem Erdbeben ausgegeben. Nachdem das Wasser zurückgegangen war, haben wir sie aufgehoben. Das ist das normale Vorgehen“, sagt Dwikorita Karnawati von der Behörde für Meteorologie und Geophysik in Indonesien.

          Doch viele Indonesier zweifeln an dieser Version. Es gibt unterschiedliche Angaben über die Zeitabläufe, die sich teilweise stark widersprechen. In den sozialen Netzwerken vermuten viele, dass der Tsunami erst nach dem Ende der Warnung seine ganze Kraft entfaltet habe. Und selbst wenn nicht, habe die Warnung zu viele Menschen nicht erreicht. „Es waren immer noch viele Leute am Strand, als der Tsunami in die Stadt Palu einbrach“, sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho. „Es gab kein Warnsignal. Viele Menschen wussten nichts von der Bedrohung, sie gingen weiter ihren Aktivitäten an der Küste nach.“ Der australische Sender ABC berichtete, dass die Behörden sich bei ihrer Warnung auf die Messungen eines Sensorsystems in der Stadt Mamuju verlassen hätten. Aber in Palu habe es kein entsprechendes Gerät gegeben.

          Die Stadt Palu mit 350.000 Einwohnern wurde womöglich wegen ihrer ungewöhnlichen Lage am Ende einer schmalen Bucht besonders schwer getroffen. Einkaufszentren waren beschädigt und eine 250 Meter lange Brücke komplett eingestürzt. Aus der Katastrophenregion gibt es Bilder von Leichen, die unter Plastikplanen an der Küste liegen, von zu Schutt zusammengefallenen Häusern und eingestürzten Moscheen. Aufnahmen von Plünderungen machen ebenfalls die Runde. Aus einem Gefängnis sollen in dem Chaos Häftlinge entflohen sein. Aus Gebieten wie dem Ort Donggala gelangen erst langsam Nachrichten an die Außenwelt. Dort wurde mit dem Zählen der Toten gerade erst begonnen.

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