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Flug MH370 : Per Autopilot in den Tod

Massengebet für die Passagiere von MH370 im April Bild: dpa

Die Suche nach dem verschollenen Flug MH370 stützt sich auf eine neue Theorie: Die Besatzung war wegen Sauerstoffmangels womöglich handlungsunfähig. Der Autopilot soll die Maschine so lange geradeaus gesteuert haben, bis der Treibstoff ausging.

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          Der seit März verschollene Flug MH370 flog nach Ansicht von Ermittlern offenbar auf Autopilot, bevor ihm der Sprit ausging und er in den südlichen Indischen Ozean stürzte. Der stellvertretende Premierminister Australiens, Warren Truss, sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Canberra, dies sei „sehr sehr wahrscheinlich“. Diese Schlussfolgerung lege die mutmaßliche Flugstrecke der malaysischen Boeing 777-200ER nahe, die anhand rudimentärer Radar- und Satellitendaten berechnet wurde. Das Flugzeug hätte nicht in einer solchen geraden Strecke fliegen können, wenn es nicht auf Autopilot gestellt gewesen wäre, sagte Truss.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Es sei davon auszugehen, dass jemand den Autopiloten eingeschaltet habe, sagte der Chef der australischen Verkehrssicherheitsbehörde, Martin Dolan. Laut einem Bericht geht seine Behörde für ihre Berechnungen des neuen Suchgebiets außerdem davon aus, dass die Besatzung des Flugzeugs mit 239 Personen an Bord am Ende womöglich „nicht ansprechbar“ war und möglicherweise unter einer Sauerstoffunterversorgung litt, als das Flugzeug über den Indischen Ozean flog und wegen Treibstoffmangels schließlich abstürzte. Diese Unterversorgung tritt auf, wenn in einem Flugzeug der Luftdruck sinkt. Sie kann dazu führen, dass die Besatzung nicht mehr in der Lage ist, auch nur einfachste manuelle Aufgaben zu erledigen.

          MH370 : Suche nach MH370 wird fortgesetzt

          Die Behörde hält dieses Szenario laut ihrem Bericht für am wahrscheinlichsten für die Endphase des wohl mehrstündigen Fluges in Richtung Süden. Dafür würden der Abbruch jedweder Kommunikation, eine lange Flugperiode ohne weitere Manöver des Flugzeugs, eine konstante Flughöhe sowie der Treibstoffverbrauch und das Absinken des Flugzeugs sprechen. Für ihre Hypothese hatte die Behörde die über den Flug MH370 bekannten Fakten mit früheren Flugzeugunglücken verglichen.

          Die Behörde weist in ihrem Bericht aber ausdrücklich darauf hin, dass diese Annahme allein für die Festlegung des neuen Suchgebiets gemacht wurde. Es liege bei den malaysischen Ermittlern, herauszufinden, was es mit dem Verschwinden des Flugzeugs auf sich hat, das am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking plötzlich den Kurs geändert hatte. Wie schon erwartet, wird die Unterwassersuche nach dem Flugzeug nun in ein Gebiet weiter südlich des Areals verlegt, in dem ein Schiff vermeintliche Blackbox-Signale empfangen hatte, die sich später jedoch als falsche Fährte herausgestellt hatten.

          Das neue Suchgebiet liege in etwa in der gleichen Region wie das Areal, das zuallererst als wahrscheinlichste Absturzstelle im südlichen Indischen Ozean identifiziert worden war. Es habe lediglich eine Verfeinerung bei der Analyse der Daten gegeben, die nun abgeschlossen sei, sagte der stellvertretende Regierungschef Warren Truss. In dem Gebiet hatten Militärflugzeuge schon erfolglos die Wasseroberfläche abgesucht. Nun steht eine Untersuchung von 60.000 Quadratkilometer Meeresboden an. Sie soll im August beginnen und kann bis zu ein Jahr lang dauern.

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