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Flug MH370 : Der Chef-Pilot und sein Flugsimulator Marke Eigenbau

Der Pilot des vermissten Fluges MH370, Zaharie Shah, war ein Technikfreak Bild: Youtube/Zaharie Shah

Die Ermittlungen rund um den vermissten Flug MH370 konzentrieren sich auf Passagiere und Crew. Der Pilot präsentierte sich mit selbstgebauten Flugsimulatoren im Internet.

          Die malaysische „New Sunday Times“ schrieb am Sonntag drei Fragen groß auf ihre Titelseite: „Wer? Warum? Wo?“ Sie fassen die anhaltende Unsicherheit über das Schicksal der Boeing 777 gut zusammen. Dabei ist seit einer Pressekonferenz des malaysischen Regierungschefs am Samstag endlich klar, dass der Flug MH370 absichtlich von seinem planmäßigen Kurs in Richtung Nord- oder Südwesten gelenkt wurde und danach noch etwa sechseinhalb Stunden weitergeflogen war. Doch damit ist zwar ein Rätsel gelöst, und die frustrierende sowie teure Suche im Südchinesischen Meer, weit östlich des jetzigen Suchgebiets, hat endlich ein Ende. Aber nichts wird dadurch einfacher. Die neuen Suchgebiete sind gewaltig.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Gleichzeitig entwickelt sich die mögliche Flugkatastrophe immer mehr zu einem Kriminalfall. Denn zweifellos muss, wer auch immer das Flugzeug umlenkte, über bestimmte Fähigkeiten verfügt haben. Eine Entführung wollte der malaysische Ministerpräsident zwar nicht bestätigen. Er teilte jedoch mit, dass sich die Ermittlungen nun verstärkt auf die 227 Passagiere und die 12 Besatzungsmitglieder des Flugzeugs konzentriere. Am Samstag waren zum ersten Mal die Wohnungen des Piloten und seines Co-Piloten durchsucht worden. Den vorliegenden Angaben nach zu urteilen sind sie bisher die einzigen auf dem Flugzeug, die zu einem solchen Manöver die nötigen Kenntnisse besitzen. Zudem hatten ausländische Geheimdienste laut Polizeichef keine Auffälligkeiten bei den Passagieren gefunden.

          Jedoch gibt es bisher keinerlei Hinweise auf mögliche Motive, geschweige denn Beweise, dass die Piloten etwas mit dem Verschwinden der Maschine zu tun haben. Unmittelbar, nachdem der Ministerpräsident seine Pressekonferenz gegeben hatte, waren nach Angaben der „New Sunday Times“ drei Polizisten in Zivil in einem weißen Auto an der Wohnanlage in dem Ort Shah Alam, Bundesstaat Selangor eingetroffen. Dort wohnt der 52 Jahre alte Pilot Zaharie Ahmad Shah. Die Polizisten sollen etwa zwei Stunden in der Wohnanlage verbracht haben. Wie der Polizeichef am Sonntag bestätigte, wurde ein Flugsimulator, den der Pilot privat genutzt hatte, abgebaut und in den Büros der Ermittler für Tests wieder aufgebaut.

          Das Gerät war offenbar teilweise „Marke Eigenbau“. Videos, die Zaharie selbst im Internet veröffentlichte, zeigen den Heimsimulator, der aus drei Computerbildschirmen sowie einer Reihe elektrischer Geräte und Computerteile besteht. In einem sozialen Forum für Flugsimulatoren gab Zaharie die technischen Einzelheiten bekannt. Das Gerät ist auch auf einem auf Youtube offenbar von ihm selbst veröffentlichten Video zu sehen. Darin erklärt der Pilot als „Dienst an der Gemeinschaft“, wie sich eine Klimaanlage so optimieren lässt, dass der Besitzer Strom sparen kann. Zaharie sitzt am Anfang vor dem Simulator. Das Bild eines Flugzeugs auf einem virtuellen Rollfeld flimmert über die Schirme.

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