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Flug MH370 : Suche am Ende der Welt

An Bord einer australischen AP-3C Orion Bild: AFP

Das Gebiet, in dem nach möglichen Trümmern von Flug MH370 gesucht wird, ist der „so ziemlich am schwierigsten zu erreichende Flecken auf der Erde, den man sich vorstellen kann“. Doch nicht nur deswegen gestaltet sich die Mission weiter schwierig.

          Das Meeresgebiet, in dem Rettungskräfte Australiens und anderer Länder nach der verschollenen Boeing 777 suchen, könnte in einem Roman von Jules Verne geschildert sein. Es liegt näher an der Antarktis als an Australien, und so nannte es der australische Ministerpräsident Tony Abbott am Freitag den „so ziemlich am schwierigsten zu erreichenden Flecken auf der Erde, den man sich vorstellen kann“. Der Ort, an dem nach der Auswertung von Satellitenbildern zwei mögliche Trümmerteile vermutet werden, liegt weit im Indischen Ozean, etwa 2350 Kilometer südwestlich von der westaustralischen Stadt Perth. Starke Westwinde, wirbelnde Strömungen und schnelle Wetterumschwünge könnten die Suche behindern.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Hinzu kommt, dass der Ozean hier mehrere tausend Meter tief ist. Am Donnerstag hatten Wolken und Regen die Suche erschwert. Obwohl das Wetter am Freitag viel besser war, beendete die australische Seesicherheitsbehörde (Australian Maritime Safety Authority, Amsa) den Einsatz wieder ohne Ergebnis. Es habe keine Sichtungen gegeben, teilte der Dienst kurz vor 22 Uhr Ortszeit mit. Insgesamt hatten die australischen, amerikanischen und neuseeländischen Einsatzkräfte am Freitag fünf Aufklärungsflugzeuge des Typs P3 Orion im Einsatz, die mit Radar, Sonar und Infrarot-Sensoren ausgerüstet sind.

          Rauhes Wetter, kräftiger Wind und hohe Wellen

          Hinzu kam eine P8 Poseidon der amerikanischen Marine. Weil die Radar-Suche am Donnerstag kein Ergebnis gebracht hatte, wurde nach Angaben des Amsa-Sprechers John Young am Freitag mit bloßem Auge nach Trümmern gesucht. Das Suchgebiet wird von Beobachtern als „trostloser und unzugänglicher“ Ort beschrieben. Schiffe von Australien brauchen mehrere Tage, bis sie dort sind. Mehrere Schiffe der australischen Marine sind auf dem Weg, zwei private Frachtschiffe schon an ort und Stelle. Die Nähe zur Antarktis bringt nach Angaben von Ozeanographen rauhes Wetter mit kräftigem Wind und hohen Wellen mit sich. Auch der nun auf der Südhalbkugel beginnende Herbst mache sich bemerkbar.

          Das Suchgebiet ist Teil der bei Seeleuten bekannten „Roaring Forties“, einer Region mit heftiger Westwinddrift zwischen dem 40. und 50. südlichen Breitengrad. Am Freitag wurde ein 23.000 Quadratkilometer großes Areal abgesucht, etwa so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Das Gesamtsuchgebiet sei zwar viel kleiner als die noch vor drei Tagen abgegrenzten beiden Korridore, die von Kasachstan bis zum südlichen Indischen Ozean reichten, „aber es ist immer noch ein großes Areal, wenn du aus dem Fenster schaust und mit bloßem Auge etwas erkennen willst“, sagte John Young von Amsa.

          „Es könnte auch ein Container sein, der von einem Schiff gefallen ist“

          Die Arbeit wird nicht einfacher dadurch, dass die in Australien startenden Militärflugzeuge jeweils nur etwa zwei Stunden auf die Suche verwenden können. Sie brauchen mehr als drei Stunden, um das Gebiet überhaupt zu erreichen. Auf die Frage, ob die Suchzeit nicht mit dem Einsatz von Betankungsflugzeugen verlängert werden könnte, sagte der malaysische Verkehrsminister am Freitag, er werde die Frage bei einem geplanten Telefonat dem amerikanischen Verteidigungsminister Chuck Hagel stellen. Zwar scheinen sich die Australier ihrer Sache ziemlich sicher zu sein, aber noch immer ist nicht klar, ob es sich bei den auf den Satellitenaufnahmen entdeckten Objekten mit 24 und fünf Metern Länge überhaupt um Teile der verschollenen Boeing 777-200ER handelt.

          „Es könnte auch ein Container sein, der von einem Schiff gefallen ist“, sagte Tony Abbott am Freitag. In dem Meeresgebiet gibt es nach Angaben des amerikanischen Fernsehsenders CNN großräumige Wirbel, in denen sich viel Müll ansammelt. Da die veröffentlichten Satellitenbilder auf den 16. März datiert sind, könnte es auch sein, dass die Objekte sich längst Hunderte Kilometer weiter weg befinden oder auf den Meeresgrund gesunken sind. Wenn das Flugzeug ins Meer gestürzt ist, gibt die Blackbox mit den Flugdaten 30 Tage lang Signale ab.

          Das Meer in dem Gebiet ist bis zu 4000 Meter tief

          Wohl nur mit ihnen ließe sich ermitteln, was an Bord des verschollenen Flugzeugs tatsächlich passiert ist. Das Meer ist in dem Gebiet 2500 bis 4000 Meter tief. Der Meeresboden ist gebirgig zerklüftet. Die Blackbox des 2009 über dem Atlantik abgestürzten Air-France-Flugzeugs wurde erst zwei Jahre nach dem Unglück geborgen. Damals gab es aber viel genauere Kenntnisse über die Route des Flugzeugs als jetzt im Fall der malaysischen Boeing. Malaysia wird derzeit von einem französischen Team von Fachleuten beraten, die damals im Atlantik an der Bergung beteiligt waren.

          Nach Angaben des malaysischen Verkehrsministers haben nur wenige Länder die Gerätschaften zur Verfügung, die zum Auffinden und Bergen der Blackbox aus solchen Tiefen nötig sind. Er sei gerade dabei zu prüfen, welches Land Malaysia im Fall des Falles unterstützen könnte. Man stelle sich darauf ein, dass sich die Sache „lange hinziehen“ wird, sagte der Minister.

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