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Großbrand auf Lesbos : Flüchtlingslager Moria fast völlig zerstört

Völlig zerstört: Das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos am Mittwoch Bild: Reuters

In und um das Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos waren in der Nacht zum Mittwoch zahlreiche Brände ausgebrochen. Die griechische Regierung spricht von Brandstiftung.

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          Nach dem Brand in dem Aufnahmelager Moria auf der Insel Lesbos hat Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis eine Krisensitzung der Regierung einberufen. An dem Treffen am Mittwoch in Athen sollten unter anderen die Minister für Inneres, Bürgerschutz und Gesundheit teilnehmen. Über die Hintergründe der offenbar umfassenden Zerstörung des Lagers Moria lagen derweil weiterhin widersprüchliche Angaben vor.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          In dem überfüllten Lager hatte es schon in der Vergangenheit mehrmals Brände gegeben. Einige waren aus Unachtsamkeit entstanden, andere offenbar in der Erwartung der Brandstifter, durch ein Abbrennen eine Verlegung auf das griechische Festland erzwingen zu können. Aussagen von Feuerwehrleuten, sie seien bei den Löscharbeiten behindert worden, schienen die Mutmaßung zu stützen, dass der Brand absichtlich gelegt wurde. Allerdings wurde von anderen Orten auf Lesbos von Waldbränden berichtet.

          Moria ist bei einer Aufnahmekapazität von höchstens 3000 Personen seit Jahren überfüllt. Zuletzt hielten sich in dem Lager und der unmittelbaren Umgebung etwa 12.600 Personen auf. Es gab schon Zeiten, als sich noch mehr Menschen dort drängten, doch zuletzt hatte die Regierung Mitsotakis damit begonnen, zur Entlastung des Lagers Asylbewerber, deren Antrag anerkannt worden war, auf das Festland zu bringen.

          Dies hatte allerdings dazu geführt, dass auf dem Viktoria-Platz in der Athener Innenstadt, der seit Jahren in wechselnder Intensität ein Anlaufzentrum für Migranten ist, ein „wildes Lager“ entstand und die Anwohner dort verärgerte. Die Spannungen in Moria hatten sich derweil erhöht, da Anfang September für die Dauer von zunächst zwei Wochen eine Ausgangssperre über das Lager verhängt worden war. Zuvor war ein Mann aus Somalia positiv auf Covid-19 getestet worden.

          Nach Darstellung des griechischen Migrationsministers Notis Mitarakis hatte der Mann Lesbos bereits verlassen, da sein Asylantrag anerkannt worden war. Da es ihm jedoch nicht gelungen sei, in Athen Arbeit und Unterkunft zu finden, sei er nach Moria zurückgekehrt und habe, da er sich offenbar auf der Reise angesteckt hatte, so das Virus in das Lager getragen. Nach mehr als 1500 Tests der Behörden wurde binnen weniger Tage in 35 weiteren Fällen in und um Moria eine Infektion nachgewiesen.

          Am Dienstag hatte das Migrationsministerium daraufhin mitgeteilt, den Transfer von anerkannten Flüchtlingen auf das Festland einstweilen auszusetzen. Zudem hatte der zuständige Minister Mitarakis Pläne bekräftigt, auf Lesbos ein „geschlossenes Lager“ zu errichten, das Migranten grundsätzlich nicht verlassen dürften, solange ihr Asylantrag bearbeitet werde, jedoch verlassen müssten, sobald darüber entschieden sei.

          Mitarakis hatte dieser Tage auch mitgeteilt, dass in diesem Sommer erstmals seit Jahren die Zahl der Migranten in Griechenland sinke, da mehr Personen das Land verließen als neu ankämen. „Die Wahrheit ist, dass unser Land kein attraktives Ziel für Migranten und Flüchtlinge ist, was den Arbeitsmarkt betrifft“, stelle Mitarakis fest.

          Laut Angaben der Vereinten Nationen wurden in diesem Jahr bisher 12.000 irreguläre Ankünfte in Griechenland gezählt. Im vergangenen Jahr waren es noch 75.000 gewesen.

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