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Kältewelle in Europa : Flüchtlinge und Obdachlose erfrieren

  • Aktualisiert am

In Ungarn und Serbien sind die Temperaturen auf minus 20 Grad Celsius gefallen, trotzdem schlafen insgesamt rund 2000 Flüchtlinge und Migranten in Belgrad unter freien Himmel oder in Zelten. Bild: dpa

Nicht nur in Deutschland leiden die Menschen unter der Kälte. In Polen sind mindestens zehn Menschen erfroren, an der bulgarisch-türkischen Grenzen starben Flüchtlinge. Und in Italien kamen Obdachlose ums Leben.

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          Mindestens zehn Menschen sind nach einem Kälteeinbruch in Polen binnen zwei Tagen erfroren. Wie die polnischen Behörden am Samstag mitteilten, starben allein am Freitag sieben Menschen an Unterkühlung, drei weitere kamen am Vortag um.

          Der Freitag sei bislang „der tragischste Tag in diesem Winter", sagte die Sprecherin des Regierungszentrums für nationale Sicherheit (RCB), Bozena Wysocka. Die Zahl der Kältetoten seit 1. November stieg demnach auf 53.

          Verkehrschaos überall: Feuerwehrleute in Babice (Polen) neben einem im Graben liegenden Fahrzeug.
          Verkehrschaos überall: Feuerwehrleute in Babice (Polen) neben einem im Graben liegenden Fahrzeug. : Bild: dpa

          In Polen liegen die Temperaturen seit Donnerstag bei minus 20 Grad und darunter. Nach Angaben der Wetterexperten dürfte sich die Kältewelle am Wochenende fortsetzen. Die Polizei bat die Bevölkerung, auf besonders gefährdete Menschen wie etwa Obdachlose zu achten. Im vergangenen Winter waren trotz der ungewöhnlich milden Temperaturen 77 Menschen an Unterkühlung gestorben.

          In Italien kamen zwei Obdachlose ums Leben

          Auch in Russland sprechen Behörden von „ungewöhnlich kaltem Wetter“. Die Temperaturen lägen bei bis zu minus 30 Grad und damit im Mittel bis zu zwölf Grad niedriger als üblich, teilte die Stadt mit. Auch einen Rat für die Bevölkerung gab es: „lange Aufenthalte auf der Straße dringlichst vermeiden“. Am Samstag, wenn die Russen das orthodoxe Weihnachtsfest feiern, soll es sogar bis zu minus 40 Grad kalt werden.

          Der schneebedeckte Vesuv, aufgenommen durch die Ausgrabungsstätte von Pompeii.
          Der schneebedeckte Vesuv, aufgenommen durch die Ausgrabungsstätte von Pompeii. : Bild: dpa

          In Ungarn erfroren in diesem Winter bereits mindestens 80 Menschen – doppelt so viele wie im Jahr zuvor, die aktuelle Kältewelle noch nicht eingerechnet. Betroffen waren den Daten des Ungarischen Sozialforums zufolge viele Obdachlose. Rund 30 Menschen seien in ihren Häusern und Wohnungen erfroren, weil sie sich wegen ihrer Armut keine Heizung mehr leisten konnten. In Lettland starben seit Silvester elf Menschen an den Folgen der eisigen Kälte, wie das staatliche forensisch-medizinische Institut mitteilte.

          Flüchtlinge sitzen in einer provisorischen Unterkunft in Belgrad (Serbien) um ein Feuer. Sie leben bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad in provisorischen Unterkünften.
          Flüchtlinge sitzen in einer provisorischen Unterkunft in Belgrad (Serbien) um ein Feuer. Sie leben bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad in provisorischen Unterkünften. : Bild: dpa

          In Bulgarien legten Sturm und Schneefall vielerorts das öffentliche Leben lahm. Am schwersten betroffen war der Nordosten des Balkanlandes. Im Raum Blagoewgrad im Südwesten des Balkanlandes erfror ein Mann im Freien. Teile der beiden West-Ost-Autobahnen seien geschlossen. Die Regierung appellierte, auf Autofahrten zu verzichten. Die Winterferien an den Schulen wurden verlängert. Der Seehafen und der Flughafen der Schwarzmeerstadt Warna wurden wegen Sturm und schlechter Sicht geschlossen. In Hunderten Orten im Nordosten mussten die Menschen ohne Strom auskommen, weil viele Leitungen beschädigt wurden. Vielerorts gab es auch kein Leitungswasser – ohne Strom waren die Pumpen funktionsunfähig.

          Flüchtlinge bei minus 20 Grad unter freiem Himmel

          Die Kältewelle verschärft auch die Lage vieler Flüchtlinge in Osteuropa. In Ungarn und Serbien seien die Temperaturen zum Teil auf minus 20 Grad Celsius gefallen, trotzdem schliefen insgesamt rund 2000 Flüchtlinge und Migranten in Belgrad, vor den ungarischen Transitzonen an der serbischen Grenze und in ungarischen Lagern unter freien Himmel oder in Zelten, kritisiert die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

          Den Regierungen in den beiden Ländern werfen die Menschenrechtler vor, bei der angemessenen Unterbringung der Flüchtlinge versagt und zudem Hilfsorganisationen an entsprechenden Maßnahmen gehindert zu haben. In einer alten Lagerhalle in Serbiens Hauptstadt Belgrad lebten rund 1000 Menschen ohne Heizung, Toiletten und Duschen. Eine einzige Hilfsorganisation verteile warme Mahlzeiten an die Menschen.

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