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Surfside nahe Miami : „Wie ein Bombeneinschlag“: Noch 99 Vermisste nach Hauseinsturz in Florida

  • Aktualisiert am

Eine Luftaufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörung. Bild: AFP

Es geschah mitten in der Nacht, die Menschen wurden im Schlaf überrascht: Nahe Miami Beach ist ein Hochhaus teilweise in sich zusammengestürzt – „wie ein Pancake“, sagen Augenzeugen. Wie konnte so etwas bloß passieren?

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          Nächtlicher Großeinsatz im US-Sonnenstaat Florida: Beim Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses nahe Miami Beach ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. 99 Menschen gelten noch als vermisst. Das sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, am Donnerstag (Ortszeit) an dem Unglücksort in Surfside. Bei 102 Menschen aus dem Wohnkomplex sei der Aufenthaltsort geklärt – sie seien in Sicherheit. Levine Cava betonte, die Rettungskräfte arbeiteten unermüdlich, um nach möglichen Vermissten unter den Trümmern zu suchen. Die Ursache des Unglücks, das die Anwohner in Surfside unweit von Miami Beach im Schlaf überraschte, war zunächst nicht bekannt.

          „Ich kann es nicht in Worte fassen. Es sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag, das Gebäude brach wie ein Pancake in sich zusammen“, berichtete ein Augenzeuge dem Sender NBC 6 South Florida. Dieser veröffentlichte auch ein Video, das zeigt, wie Feuerwehrleute einen Jungen aus den Trümmern des Gebäudes retten und auf eine Trage legen.

          „Das Gebäude bebte, und als ich nach draußen schaute, konnte ich nichts sehen. Ich dachte es war ein Sturm. Doch als sich der Staub gelegt hatte, waren zwei Drittel des Hauses verschwunden“, erzählte ein anderer dem Sender CBS 4 Miami. Auf Fotos und Videos waren die abgebrochene Fassade und Möbelstücke aus dem Haus zu sehen. Zwischen den Gebäuderesten und einem Pool: nur Staub und Trümmer.

          Bei dem betroffenen Gebäude handelt es sich um ein Wohnhaus mit Meerblick nahe dem Strand, das als Champlain Towers bekannt ist. Es sei in den 1980er Jahren gebaut worden, schrieb die Zeitung „The Miami Herald“. Die Gegend wurde nach dem Unglück gegen 2.00 Uhr morgens Ortszeit weiträumig abgesperrt, die Polizei warnte, die Rettungsarbeiten nicht zu behindern. „Ich weise alle an, sich von dem Gebiet fernzuhalten, damit die Feuerwehr ihre Arbeit machen kann“, sagte ein Polizeisprecher laut Medienberichten.

          Gebäude soll „ziemlich voll“ gewesen sein

          Der Bürgermeister von Surfside, Charles Burkett, sagte, er jogge jeden Tag an dem Gebäude vorbei. Für Bauarbeiten an dem Haus sei ein Kran eingesetzt worden. Er zeigte sich fassungslos, in seinem Ort eine solche Tragödie zu erleben. „Es ist unwahrscheinlicher als ein Blitzschlag. Es passiert einfach nicht. Man sieht in Amerika keine Gebäude einstürzen“, sagte er Reportern. Beim Sender CNN war die Rede davon, dass das Gebäude schon Hurrikans standgehalten habe. Warum also jetzt der Zusammensturz?

          Unklar war zunächst auch, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Einsturzes im Gebäude aufhielten. Die Anwesenheit von Gästen werde protokolliert, die der Eigentümer nicht. „Der Gebäudemanager hat mir zu verstehen gegeben, dass das Gebäude ziemlich voll war“, sagte Burkett. Das Gebäude habe 12 Stockwerke und mehr als 130 Wohneinheiten, sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava. Die Hälfte davon sei vom Einsturz betroffen. Mit Blick auf die Suche nach möglichen Vermissten unter den Trümmern sagte Cava: „Jede Minute zählt.“

          Unter den Vermissten waren auch mindestens vier Argentinier, wie die Zeitung „La Nación“ unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtete. Viele wohlhabende Argentinier besitzen in der Region rund um Miami Ferienwohnungen oder kommen zum Einkaufen oder Urlaubmachen nach Florida. Angesichts der schleppend laufenden Impfkampagne in ihrer Heimat waren zuletzt auch viele Argentinier nach Miami gereist, um sich impfen zu lassen.

          Miami Beach mit seiner berühmten Promenade, dem Ocean Drive, sowie den weißen Sandstränden und Palmen ist ein beliebtes Touristenziel, auch wegen seiner Museen und Art-déco-Architektur.

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