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Flächenbrand in Arizona : Auch die Schutzfolie bot keinen Schutz

  • -Aktualisiert am

Übung im vergangenen Jahr: Angehörige der Granite Mountain Hotshots erproben nahe Prescott den Umgang mit den Brandschutzfolien. Bild: AP

In Arizona kommen 19 Feuerwehrleute im Einsatz ums Leben. Der Südwesten Amerikas leidet unter Temperaturen von bis zu 48 Grad.

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          Bei dem Versuch, einen außer Kontrolle geratenen Waldbrand einzudämmen, sind im amerikanischen Arizona 19 Feuerwehrleute ums Leben gekommen. Wie die Forstbehörde des Bundesstaates im Südwesten des Landes mitteilte, wurden die Mitglieder der „Hotshot“-Spezialeinsatzgruppe vermutlich eingekesselt, als die von starken Windböen angefachten Flammen in der Nähe der früheren Goldgräberstadt Yarnell am Sonntag die Richtung änderten. „Sie müssen sich plötzlich in einer fürchterlichen Lage befunden haben“, sagte Mike Reichling, ein Sprecher der Arizona State Forestry Divison, dem Fernsehsender CBS.

          Hitzewelle in Amerika : Tote bei Buschfeuer

          Alle 19 Feuerwehrleute versuchten vermutlich noch, sich in Brandschutzhüllen zu retten, die sie bei sich trugen. Die Leichen einiger Männer wurden am Sonntagabend (Ortszeit) in den Schlafsack-artigen Folien gefunden, andere Opfer lagen neben den Folien. „Die Schutzfolien aus feuerbeständigem Material bieten einem Feuerwehrmann die letzte Möglichkeit, sich in Sicherheit zu bringen. Er drückt sich auf den Boden, zieht den Brandschutz über den Körper und hofft, dass das Feuer über ihn hinwegzieht“, sagte der Chef der Feuerwehr von Prescott, Dan Fraijo, bei der auch die 19 Toten Dienst taten.

          Überlebenschance bei 50 Prozent

          „Auf die Folien wird nur im äußersten Notfall zurückgegriffen. Die Überlebenschance liegt bei 50 Prozent“, sagte Fraijo. Laut der Ntionalen Koordinierungsstelle für Flächenbrände hält der Kleber, der die einzelnen Schichten der Brandschutzfolie zusammenhält, Temperaturen von etwa 260 Grad aus. „Es wird einige Tage dauern, bis wir ermittelt haben, wie es zu der Tragödie kommen konnte“, teilte Gouverneurin Jan Brewer mit.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama, der am Montag seine Afrika-Reise fortsetzte, sprach den Angehörigen der Toten inzwischen sein Beileid aus. Wie die „New York Times“ meldete, gehört das Yarnell Hill Fire zu den Buschbränden mit den meisten Todesopfern unter den Feuerwehrleuten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Nur beim Griffith-Park-Feuer in Los Angeles, bei dem im Oktober 1933 alles in allem 25 „fire fighter““ ums Leben kamen, gab es noch mehr Opfer.

          Verheerendste Brände seit 40 Jahren

          Die Feuerwehrleute der Granite Mountain Hotshots aus Prescott waren am Wochenende in den Bezirk Yavapai nordwestlich von Phoenix gekommen, um beim Löschen des verheerendsten Brandes in der Region seit 40 Jahren zu helfen. Die Flammen, die am Freitagabend vermutlich durch einen Blitz entfacht wurden, zerstörten bis zum Montag mehr als 250 Häuser. In dem Ort Yarnell (650 Einwohner) brannte jedes zweite Gebäude nieder. Etwa 2500 Hektar Wald und Grasland der ländlichen Region gingen in Flammen auf.

          Nach einem Aufruf der Behörden, die Gegend zu evakuieren, brachten sich am Wochenende Hunderte Menschen in Notunterkünften in Sicherheit, die das Rote Kreuz in Schulen eingerichtet hatte. „Als wir losfuhren, konnten wir noch keine Flammen sehen, aber sehr dichten Rauch“, sagte der 65 Jahre alte Jim Kellmann, der sein Haus in Peeples Valley innerhalb weniger Minuten mit seiner Ehefrau, fünf Katzen und zwei Hunden verlassen musste. Da die Behörden auch fast 40 Kilometer des Highway 89 schlossen, durfte die Straße nur noch von Personen auf dem Weg zu einer Notunterkunft befahren werden.

          Wind, Trockenheit und hohe Temperaturen

          Neben Wind und Trockenheit heizten auch die hohen Temperaturen das Feuer an, die den Südwesten der Vereinigten Staaten seit dem Wochenende heimsuchen. Der amerikanische Wetterdienst sprach für Teile Arizonas, Kaliforniens, Texas’ und Nevadas Warnungen aus, nachdem stellenweise Temperaturen von bis zu 48 Grad gemessen wurden. In der Wüstenstadt Las Vegas starb ein älterer Mann, als er bei 46 Grad in einer nicht klimatisierten Wohnung einen Herzinfarkt erlitt. In Phoenix, wo zum vierten Mal seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen 48,3 Grad registriert wurden, mussten 40 Personen wegen Flüssigkeitsmangels behandelt werden.

          Da der Fluggesellschaft US Airways für Regionalflugzeuge nur Leistungsstatistiken für Außentemperaturen von bis zu 47,7 Grad vorliegen, blieben bis Montag etwa 20 Flugzeuge am Boden. Im Death Valley, der heißesten Zone der Welt etwa 300 Kilometer nordöstlich von Los Angeles, ließen sich dagegen Dutzende Urlauber neben Thermometern fotografieren, die am Sonntag mehr als 53 Grad anzeigten. Nach Angaben der Meteorologen soll die Hitzewelle im Südwesten des Landes noch einige Tage anhalten.

          Wald- und Buschbrände in den Vereinigten Staaten

          In den Vereinigten Staaten verwüsten immer wieder verheerende Wald- und Buschbrände wie jetzt im Bundesstaat Arizona ganze Landstriche.

          Juni 2013: Rund 38.000 Bewohner der Region nordöstlich von Colorado Springs im Bundesstaat Colorado müssen wegen tagelanger Waldbrände ihre Häuser verlassen. Bilanz: Zwei Tote und fast 500 zerstörte Häuser.

          Mai/Juni 2013: Im Großraum Los Angeles in Kalifornien stehen bei mehreren Bränden mehr als 240 Quadratkilometer Wald- und Buschland in Flammen. 5000 Menschen werden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. In Malibu, wo viele Prominente und Multimillionäre wohnen, drohen zeitweise Luxusvillen zum Opfer der Flammen zu werden.

          März bis August 2012: In 13 Bundesstaaten westlich des Mississippis kämpfen Tausende Feuerwehrleute gegen mindestens 70 Feuer. Am stärksten betroffen ist Kalifornien. 8000 Feuerwehrleute sind wegen insgesamt 13 großer Brände im Einsatz. In Colorado müssen sich zeitweise 36 000 Menschen in Sicherheit bringen. Dort werden rund 1000 Häuser zerstört, allein in der Stadt Colorado Springs etwa 350. Nach offiziellen Angaben gibt es 2012 im Westen der Vereinigten Staaten mehr als 43.000 Wald- und Buschbrände.

          September 2010: In Colorado werden im Bezirk Boulder mehr als 3000 Menschen von schweren Waldbränden aus ihren Häusern vertrieben. Mindestens 54 Gebäude werden zerstört.

          Mai bis Oktober 2009: In Kalifornien zerstören im Mai Brände bei Santa Barbara 77 Häuser, darunter Luxusvillen. Im August sind 100 Kilometer südlich von San Francisco 2000 Menschen auf der Flucht vor den Flammen. Im September verwüsten Brände im Raum Los Angeles 600 Quadratkilometer Wald- und Buschland. Zwei Feuerwehrmänner sterben. Im Oktober brennen in der Bergregion östlich von Los Angeles weitere 30 Quadratkilometer Wald- und Buschland nieder.

          Juli bis November 2008: In Kalifornien vernichten mehr als 1700 Wald- und Buschfeuer eine Fläche von 3400 Quadratkilometern. Auch vor den Toren des Yosemite-Nationalparks toben Feuersbrünste, knapp 50 Gebäude brennen nieder.

          Oktober 2007: In Südkalifornien zerstören Flammen mindestens 1500 Häuser und legen etwa 1720 Quadratkilometer Wald und Buschland in Asche. Mindestens 17 Bewohner kommen ums Leben. Zeitweise sind etwa eine Million Betroffene auf der Flucht.

          März 2006: Nahe der texanischen Stadt Amarillo wüten auf 2840 Quadratkilometern Busch- und Waldbrände. Elf Menschen sterben. Seit Ende Dezember 2005 brannten in Texas schon 14.000 Quadratkilometer Land nieder.

          Oktober 2003: Ein Jäger löst mit seiner Signalpistole den bis dahin größten einzelnen Waldbrand in der Geschichte Kaliforniens aus. Im „Cedar“-Feuer nahe San Diego sterben 14 Menschen. Die drei Wochen lang wütenden Flammen zerstören mehr als 2200 Häuser und 1140 Quadratkilometer Land. (dpa)

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