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Katastrophe in der Oder : Mehr als hundert Tonnen toter Fisch

  • -Aktualisiert am

An der Westoder: Ein Ranger der Naturwacht Brandenburg holt mit einem Kescher tote Fische aus dem Wasser. Bild: dpa

Noch immer ist unklar, was das Fischsterben in der Oder verursacht hat. Naturschützer tun, was sie können. Anwohner sind irritiert – und die Verunsicherung wächst.

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          So richtig weiß Gernot Preschel nicht, was er machen soll. Außer, alles zu dokumentieren. „Das ist auch eine Form von Hilflosigkeit“, sagt er. „Man steht dem ohnmächtig gegenüber.“ Vor Preschel liegt die Oder, in seiner Hand hält er eine Kamera. Der Fluss sieht auf den ersten Blick normal aus. Hier in der Kleinstadt Lebus nur wenige Kilometer oberhalb von Frankfurt (Oder) kann man normalerweise von der Straße direkt ins Wasser gehen. Doch seit ein paar Tagen ist an und in der Oder nichts mehr normal.

          Kim Maurus
          Volontärin.

          Die kleine Bucht sieht wegen des Niedrigwassers aus wie ein dreckiger Tümpel. Preschel fotografiert ein paar tote Fische, die noch da liegen, groß, mit weißen Bauch. Einer ist vollständig zerfleddert, seine Schuppen liegen auf dem Sand verteilt. An der Wasseroberfläche schwimmt helles Muschelfleisch, die leeren Muschelschalen liegen am Ufer.

          Die Umweltkatastrophe an der Oder er­streckt sich auf etwa 500 Kilometer Flusslauf. Preschel, Mitte Fünfzig, ist nach seinem Feierabend hergekommen, eigentlich arbeitet er als Haustechniker für den Großhandel. Seit 30 Jahren engagiert er sich im BUND Kreisverband Frankfurt (Oder). „Innerhalb der EU darf sowas nicht mehr passieren“, sagt er. „Das ist ein Fluss, der ständiger Kontrolle unterliegen müsste. Dass man erst reagiert, wenn die Fische tot mit dem Bauch nach oben schwimmen, das verstehe ich nicht.“

          Es gibt nur wenige Dinge, die sicher sind, geht es um dieses Fischsterben. Jedenfalls war es massenhaft. Nach Schätzungen des BUND wurden bis zu 100 Tonnen toter Fisch aus der Oder geholt, örtliche Medien berichten am Dienstag sogar von 300 Tonnen. Auch ist erwiesen, dass polnische Behörden bereits Ende Juli Hinweise hatten, dass mit der Oder etwas nicht stimmt. Nahe Breslau wurden schon damals verendete Fische gesichtet. Im Stadtgebiet von Frankfurt (Oder) tauchten die toten Fische in Mengen am 9. August auf. Schon einen Tag vorher hatten Angler berichtet, die Oder stinke, erzählt Umweltschützer Preschel.

          Gernot Preschel dokumentiert vor Ort, was er auffindet.
          Gernot Preschel dokumentiert vor Ort, was er auffindet. : Bild: Kim Maurus

          Laut dem Brandenburger Umweltministerium gibt es in den neuen Laborergebnissen vom Dienstag keine Hinweise auf besonders hohe Werte für Schwermetalle wie Quecksilber. Die Untersuchungen zu den Nährstoffen seien noch nicht vollständig und noch nicht abgeschlossen, teilt Sprecher Sebastian Arnold mit: „Sie lassen bisher keine Hinweise auf eine singuläre Ursache für das Fischsterben in der Oder zu. Die Daten werden fortlaufend übermittelt und bewertet.“

          Den Menschen an der Oder kommt es komisch vor, dass man bislang so wenige Erkenntnisse dazu hat, um welchen Giftstoff es sich handeln soll. Die Unwissenheit nährt Gerüchte. „Als würde man etwas vertuschen wollen“, sagt der Busfahrer auf dem Weg zurück von Lebus nach Frankfurt (Oder). „Die Spekulationen schießen ins Kraut“, meint ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Wir wissen einfach nicht, wogegen wir kämpfen“, sagt Preschel. „Und das ist natürlich unbefriedigend.“ Angeln, Baden, das Schöpfen von Wasser: All das hat die Stadt Frankfurt (Oder) aus Sicherheitsgründen mittels Allgemeinverfügung am vergangenen Freitag verboten.

          Auch Gerd Giese vom Frankfurter Katastrophenschutz zeigt wenig Verständnis: „Mit dem heutigen Stand der Technik nicht feststellen zu können, woran irgendein Lebewesen gestorben ist oder welche Schadstoffe in welchen Gewässern sind, überfordert meine Phantasie.“ Mark Langhammer, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks, geht davon aus, dass die Untersuchungen so lange dauern, weil es sich um ein unbekanntes Gift handele. „Man muss berücksichtigen, dass viele Stoffe untersucht werden.“

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