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Feuer in Südeuropa : „Hinter uns ist die Hölle“

  • Aktualisiert am

„Albtraumbrand“: Ein Feuerwehrmann kämpft gegen einen Waldbrand in Varybobi. Bild: dpa

Seit Tagen wüten verheerende Brände in Griechenland, Italien, Bulgarien und der Türkei. In Athen war am Mittwochmorgen wegen starker Rauchentwicklung die Sicht auf wenige Hundert Meter beschränkt.

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          Meterhohe Flammen fressen sich an den Hängen der türkischen Riviera durch Wälder und Büsche, schwarze Rauchschwaden verdunkeln den blauen Himmel. An der Mittelmeerküste des Landes – eigentlich um die Jahreszeit beliebtes Urlaubsziel für einheimische wie ausländische Touristen – wüten seit Tagen verheerende Brände. Auch in Italien und Griechenland, wo auch die Hauptstadt Athen betroffen ist, hinterlassen Flammen ganze Landstriche verkohlt. Im Süden von Bulgarien gibt es ebenfalls Wald- und Flächenbrände.

          Die Feuerwehr in Griechenland spricht von einem Teufelskreis: Der Wind in der Brandregion im Norden Athens ließ am Mittwoch nach, so dass das Feuer weitgehend eingedämmt werden konnte. Dafür steckt die ganze Stadt jetzt unter einer gewaltigen Rauchglocke, die sich mangels Wind auch nicht verflüchtigt. Wer auf den Balkon tritt, merkt das sofort: Die Augen tränen, die Luft kratzt im Hals, das Atmen fällt schwer. Helfen würden nur frische Böen, doch die könnten das Feuer neu entflammen. Die vorläufige Ruhe ist momentan also nur das: vorläufig.

          Mehr als 80 Häuser in der Region sind den Flammen bisher zum Opfer gefallen, seit der Brand am Dienstag seinen Lauf nahm. Einwohner hatten in Panik die betroffenen Gebiete verlassen. „Hinter uns ist die Hölle“, rief ein Einwohner aus seinem Auto heraus Reportern vor Ort zu.

          Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis sprach bei einem Besuch in der Region am Mittwochmorgen von einem „Alptraumbrand“. Gleichzeitig herrscht große Erleichterung, weil der Brand nach jetzigem Stand keine Menschenleben gefordert hat. Die Bewohner der evakuierten Orte wurden vorerst auf Staatskosten in Hotels untergebracht, Mitsotakis versprach den Wiederaufbau der Häuser.

          Feuer gab es auch auf der Halbinsel Peloponnes und den Urlaubsinseln Rhodos und Kos sowie auf der Insel Euböa. Insgesamt kämpfte die Feuerwehr in Griechenland gegen 40 größere Brände, wie der Zivilschutz am Dienstagabend mitgeteilt hatte. Landesweit sind ersten Schätzungen zufolge Hunderte Häuser verbrannt oder beschädigt worden.

          Auch in Italien kämpfte die Feuerwehr weiter gegen Flammen. Die Einsatzkräfte sprachen von landesweit 530 Waldbrandeinsätzen am Dienstag. Mehr als die Hälfte davon gab es in Sizilien, Kalabrien und Apulien. Die Flammen loderten an Ständen, Ferienorten, in Wäldern und um Wohngebiete. Die Zivilschutzbehörde stufte die gesamte Insel Sizilien in die höchste Brandrisikostufe ein. Zudem sagte sie für Palermo und Catania Hitzewellen mit Temperaturen um 40 Grad Celsius voraus.

          150 Brände binnen sieben Tagen in der Türkei

          In der Türkei sind seit vergangenem Mittwoch über 150 Brände ausgebrochen. Für acht Menschen kam dort jede Hilfe zu spät. Unter den Toten war auch ein deutsch-türkisches Ehepaar, wie türkische Medien berichteten. Der Mann und die Frau seien leblos auf einem Weg in der Nähe ihres Hauses in Manavgat in der Region Antalya gefunden worden. Das Auswärtige Amt bestätigte die Berichte am Dienstag vorerst nicht. Der regierungsnahen türkischen Nachrichtenagentur Demirören Haber Ajansi (DHA) zufolge hatte das in Deutschland geborene Paar versucht, zu einem nahe gelegenen Brunnen zu fliehen. Die Brände in der Türkei toben vornehmlich an der Mittelmeerküste, besonders betroffen sind die Regionen Antalya, Mugla aber auch Adana. Vieh wie Kühe und Hühner sowie in den Wäldern lebende Tiere sind in großer Zahl in der Flammen verendet.

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