https://www.faz.net/-gum-aejrm

Brände in Griechenland : Mindestens 60.000 Hektar sind schon verbrannt

  • Aktualisiert am

Ein Mann steht im Meer und muss zusehen, wie das Feuer weite Teile des Landes vernichtet. Bild: AP

In Griechenland und der Türkei gibt es wegen der zahlreichen Waldbrände weiter keine Entwarnung. Auf Athen regnet es am dritten Tag in Folge Asche. Deutschland schickt Feuerwehrkräfte in die Katastrophengebiete.

          3 Min.

          Bei den Feuern in Griechenland sind nach ersten Schätzungen bisher mindestens 60.000 Hektar oder 600 Quadratkilometer Fläche verbrannt. Das berichtete am Samstag der staatliche Sender ERT unter Berufung auf das Nationale Observatorium Athen. Es wurde darauf verwiesen, dass es sich lediglich um vorläufige Schätzungen handelt, weil viele Brände vor allem auf der Halbinsel Peloponnes und der Insel Euböa weiterhin unkontrolliert wüten.

          Zum Vergleich: In Deutschland verbrannten laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im vergangenen Jahr durch Waldbrände 368 Hektar Fläche. Im Dürresommer 2018, der durch verheerende Waldbrände vor allem in Ostdeutschland in Erinnerung blieb, waren es 2350 Hektar.

          „Dämmen wir die Brände nicht ein, haben wir ein Riesenproblem“

          Derweil dauert die Brandkatastrophe an und bringt der Millionenmetropole Athen gefährliche Luft. Wegen der starken Rauchbildung stinkt die ganze Stadt und Asche geht am dritten Tag in Folge nieder. „Schließen Sie alle Fenster und gehen Sie nicht aus dem Haus“, riefen die Behörden die Einwohner auf. Die ganze Nacht durch loderten im Norden der griechischen Hauptstadt die Flammen. „Wenn wir es heute nicht schaffen, die Brände einzudämmen, dann werden wir ein Riesenproblem haben“, sagte der für den Zivilschutz zuständige Vizegouverneur des Großraums Athens, Wassilis Kokkalis, am Samstagmorgen im Staatsfernsehen.

          Auf den täglich von der NASA veröffentlichten Satellitenbildern sind die aktuellen Brandherde markiert (Durchblättern mit den Pfeiltasten unten links).

          Weil die Winde in der Nacht und am frühen Morgen nachließen, gebe es ein „Zeitfenster“ für die Feuerwehr, die Brände im Norden Athens in den Griff zu bekommen, hieß es. Unterdessen bestätigte Kokkalis, dass es drei Festnahmen mutmaßlicher Brandstifter gegeben habe.  Generell gibt es für die zahlreichen Großbrände in Griechenland und der Türkei weiterhin keine Entwarnung. In der Nacht zum Samstag kämpften die Feuerwehrleute in beiden Ländern weiterhin gegen die Flammen. Immer wieder wurden Menschen aufgerufen, betroffene Regionen zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

          Im Norden Athens loderten die Flammen in der Nacht zum Samstag entlang vieler Kilometer und tauchten den Nachthimmel feuerrot. Noch am Abend wurden Orte evakuiert und die Menschen in Hotels, bei Verwandten und Bekannten untergebracht. Auf der Insel Euböa mussten die rund 2000 Bewohner des Ortes Limni per Fähre evakuiert werden, weil der Landweg von den Flammen abgeschnitten war. Auch die Halbinsel Peloponnes, Kreta weit im Süden des Landes und Städte wie Grevena hoch im Norden sind von den seit Tagen nach langer Hitze und Trockenheit ausgebrochenen Bränden betroffen.

          Am Samstag treten dem griechischen Zivilschutz zufolge die ersten internationalen Helfer in Aktion. Erwartet wurden bisher 16 israelische und 100 ukrainische Feuerwehrleute ebenso wie 82 Rettungskräfte und zwei Löschflugzeuge aus Frankreich. Aus Zypern kommen 40 Feuerwehrleute und zwei Flieger. Die Schweiz schickte drei Löschhelikopter, Schweden ist mit zwei Löschfliegern dabei, ebenso Rumänien mit 112 Feuerwehrleuten und 23 Fahrzeugen.

          Auch Deutschland schickt Feuerwehrkräfte nach Griechenland. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Samstag der Deutschen Presse-Agentur, Deutschland habe in der vergangenen Nacht aktiv Hilfe angeboten, die Griechenland inzwischen angenommen habe. „Derzeit bereiten sich Feuerwehrkräfte aus NRW, Hessen sowie das Technische Hilfswerk darauf vor, sich zügig mit Einsatzfahrzeugen nach Griechenland zu begeben, um dort die Waldbrandbekämpfung zu unterstützen.“ Details zu Einsatzort, Abmarschzeitpunkt und Fahrtroute würde derzeit mit Griechenland abgestimmt, hieß es.

          Deutschland habe zusätzlich angeboten, die Waldbrandbekämpfung mit der Anmietung von geeigneten Hubschraubern mit der erforderlichen Traglast zu unterstützen. Ob der Einsatz der Hubschraubern von Griechenland angefordert werde, sei derzeit noch unklar. Oppositionsparteien im Bundestag hatten kritisiert, dass Deutschland angesichts zahlreicher Waldbrände bisher keine Hilfe nach Griechenland geschickt hat. Zahlreiche EU- und andere europäische Staaten hatten bereits etwa Löschhubschrauber für den Kampf gegen die Flammen nach Griechenland geschickt.

          Auch in der Türkei, in der besonders die Küstenregionen im Süden und Westen seit Tagen schwer betroffen sind, bedrohen Brände weiterhin zahlreiche Orte. Im westtürkischen Mugla kamen die Einsatzkräfte nicht zur Ruhe, im Bezirk Köycegiz wurden lokalen Behörden zufolge am Freitagabend die ersten Menschen in Sicherheit gebracht. Erneut mussten Feuerwehrkräfte ein Kraftwerk vor den Flammen schützen und brennbares Material wegschaffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

          Im südtürkischen Antalya hat sich die Lage inzwischen beruhigt. Dort haben die Brände jedoch große Zerstörung hinterlassen. Ganze Dörfer wurden in Asche gelegt. Die Katastrophenschutzbehörde Afad stellte Container als Notunterkünfte auf. Zugleich wächst die Wut auf die Regierung. Seit Beginn der Brände vergangene Woche wird immer wieder Kritik an deren Krisenmanagement laut.

          Topmeldungen

          Joints in einer Marihuana-Apotheke in Montana im November 2020

          Legalisierung in den USA : Millionen Steuern aus dem Marihuana-Geschäft

          Fast die Hälfte der amerikanischen Bundesstaaten erlaubt das Kiffen. Das konnte zwar nicht alle Probleme lösen. Doch einige Staaten profitieren von der Legalisierung – etwa indem sie mehr Geld für Schulen einnehmen.
          Sankt Moritz ist einer der Hotspots für Immobilienkäufe in Skigebieten.

          Hohe Nachfrage : Sankt Moritz wird noch teurer

          Auch in Skigebieten wird gern Eigentum gekauft. Die Preise wurden auch durch Corona getrieben, besonders die Schweiz steht hoch im Kurs. Das sind die Trends der Reichen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.