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Feuer in Australien : Brände zwingen Premier Morrison zur Heimkehr

Demonstranten protestieren vor der Residenz des australischen Premierministers Scott Morrison gegen dessen Untätigkeit angesichts der verheerenden Buschbrände. Bild: AFP

Im Umkreis von Sydney lodern rund 100 Feuer und auch Canberra ist von Rauch eingehüllt – doch Premier Morrison macht mit seiner Familie auf Hawaii Urlaub. Nach dem Tod von zwei Feuerwehrleuten will er nun zurückkehren. Zuhause erwarten ihn Proteste.

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          Nach dem Tod zweier Feuerwehrleute über Nacht bei den verheerenden Buschbränden in Australien muss sich Ministerpräsident Scott Morrison dem Druck seiner Landsleute beugen und bricht seinen Familienurlaub auf Hawaii ab. Morrison hatte erst kürzlich gesagt, freiwillige Feuerwehrleute „wollen da draußen“ sein – was ihm einen Sturm der Entrüstung entgegenbrachte. Am Freitag kämpften mehr als 2500 Feuerwehrmänner und –frauen gegen die Flammen. Die australische Hauptstadt Canberra stöhnt unter einer dicken, weißen Rauchwolke, und Sydney ist je nach Windrichtung im Umkreis von rund einhundert Kilometern von beißendem Rauch eingehüllt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In der Nacht gelang es, einen der außer Kontrolle geratenen Brände einzugrenzen. Ein weiterer lodert weiterhin unkontrolliert. Insgesamt wurden gut hundert Feuer im Umkreis der Metropole gemeldet. Am Donnerstag hatte Gladys Berejiklian, die Ministerpräsidenten von New South Wales und eine Parteifreundin Morrisons, für sieben Tagen den Notstand ausgerufen und den Ministerpräsidenten damit weiter unter Druck gesetzt. Er hatte die Feuer mehrfach herabgespielt und – anders als eine wachsende Zahl seiner Landsleute – keinen Zusammenhang zum Klimawandel erkannt.

          Meteorologen warnen vor noch heißeren und windigeren Tagen an diesem Wochenende. Morrison erklärte am Freitagmorgen von seinem Urlaubsort, er wisse nicht, wie lange es dauern werde, bis die „notwendigen Arrangements“ getroffen seien, um seine Rückkehr an seinen Wohnort Sydney oder in die Hauptstadt Canberra sicherzustellen. Vor seinem Haus war es am Donnerstag zu Protesten gekommen. Er entschuldigte sich für seine Abwesenheit bei den Australiern, fügte aber mit Bick auf seine Frau und seine Töchter an: „Die Mädchen und Jen lieben es, auf Hawaii Urlaub zu machen und wir hatten ein paar schöne Tage hier.“

          Sein Amtsvorgänger und Parteifreund, Malcolm Turnbull, vermerkte unterdessen auf Twitter: „Unser weiterhin hoher Ausstoß von Kohlendioxid hat unser Klima verschlimmert. Wir müssen die Emissionen dringend verringern und zugleich mehr in den Kampf gegen die Feuer pumpen.“

          Den haben ein 32-jähriger und ein 36-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann aus dem Westen Sydneys, beide junge Familienväter, verloren: Sie starben bei einem Einsatz in Buxton rund hundert Kilometer südwestlich von Sydney in ihrem Fahrzeug, das von einem brennenden Baum getroffen worden war. Ihre drei Kollegen kämpften gegen die Flammen, bis Sanitäter die Unfallstelle erreichen konnten. Sie kamen mit leichteren Verletzungen davon. Drei weitere Feuerwehrmänner liegen mit schwersten Verbrennungen, die sie an einem anderen Brandort erlitten, in Krankenhäusern.

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