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Buschbrände bedrohen Sydney : Nur noch das Leben retten

Autowrack in der Küstenstadt Old Bar in New South Wales: Die Flammen verbreiten sich mitunter so schnell, dass die Menschen ihre Habseligkeiten zurücklassen. Bild: AFP

Die Feuer in Australien wüten in diesem Jahr besonders früh und heftig. Sogar Sydney ist bedroht. Derweil entfachen die Feuer die Debatte um den Klimawandel von neuem.

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          Das Ehepaar Faith und Darren Gordon steht vor den Überresten seines Hauses. Es sind nur noch einige verkohlte Balken und Teile des Dachs übrig. Faith Gordon hält erschrocken ihre Hand vor den Mund. „Wir sind am Boden zerstört. Ich wusste, dass das Haus verloren war. Aber wir haben nicht geahnt, dass es so schlimm sein würde“, sagt die Frau aus dem Ort Yeppoon im Bundesstaat Queensland dem Sender ABC. Sie gehört zu mehreren sichtlich traumatisierten Anwohnern, mit denen der australische Sender am Dienstag gesprochen hat. Für das Ehepaar war es nicht die erste Naturkatastrophe, von der es betroffen ist. Zuvor hatten die beiden auch schon Überschwemmungen und einen Zyklon erlebt. Doch erst durch die jüngsten Buschfeuer haben sie ihr Heim verloren.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Flammen verbreiten sich mitunter so schnell, dass die Menschen nur noch ihr Leben retten können. Ihre Habseligkeiten lassen sie größtenteils zurück. Sie erleben Rauchwolken, die den Himmel verdunkeln. Flammen, die mehrere Meter in die Höhe schlagen. Farmen, auf denen die gesamte Ernte zerstört wird und auf denen das Vieh in letzter Minute vor den Flammen gerettet werden muss.

          Der Fernsehsender ABC zeigte am Dienstag auch Aufnahmen von einem Feuer, das in atemberaubender Geschwindigkeit eine Grasfläche auffrisst. Auf manchen Bildern ließ sich beobachten, wie der Wind die Glut durcheinanderwirbelte. „Es war unvorhersehbar, wie sich das Feuer ausbreiten würde“, berichtete ein Feuerwehrmann nach dem Ende einer achtzehnstündigen Schicht.

          Höchste Alarmstufe für New South Wales

          Der Mann gehört zu Tausenden Helfern, die derzeit im ganzen Land im Dauereinsatz sind. Für die betroffenen Bundesstaaten Queensland, South Australia und New South Wales gehören die Brände zu den schwersten, die sie je erlebt haben. Dutzende unterschiedliche Feuer werden aus den Regionen gemeldet. Dabei hat die warme Jahreszeit, in der es verstärkt zu Buschfeuern kommt, noch nicht einmal richtig begonnen.

          New South Wales hat nun sogar zum ersten Mal im Großraum Sydney eine „katastrophale Feuergefahr“ ausgerufen, die höchste Stufe in einem sechsstufigen Warnsystem. Dort nähern sich die Brände den Vororten im Norden der Millionenmetropole. Zwischenzeitlich erreichten sie den Ort South Turramurra, der nur etwa 15 Kilometer von Sydneys Stadtzentrum entfernt liegt. Dort prüfen Ermittler auch den Verdacht, dass es sich um Brandstiftung gehandelt haben könnte.

          Die Folgen der Brände sind in jedem Fall gewaltig. Mindestens drei Personen wurden seit dem Beginn der Buschfeuer getötet. Rund 150 Häuser und Wohnungen wurden zerstört oder beschädigt. Hunderte Schulen bleiben in diesen Tagen geschlossen. Dabei sind Buschfeuer im Osten des Landes ein bekanntes Phänomen. Aber ihre Intensität nimmt offenbar seit einigen Jahren zu. Viele Australier gehen deshalb auch davon aus, dass der Klimawandel zu einer Verschärfung der Lage beiträgt.

          Streit über Klimawandel entbrannt

          Die Frage, ob man sich dieser Sichtweise anschließt oder nicht, kommt in Australien heute allerdings schon fast einem Glaubensbekenntnis gleich. Sie sorgt für einen politischen Streit, über den die katastrophalen Ereignisse selbst fast in den Hintergrund treten. Auf der einen Seite stehen Konservative, die sich als Vertreter der „stillen“ Mehrheit der Australier verstehen und einen Zusammenhang mit dem Klimawandel herunterspielen. Einige Vertreter dieser Gruppe finden sich auch in der Regierung von Premierminister Scott Morrison und seiner Koalition aus Liberal und National Party.

          Auf der anderen Seite stehen die häufig urbanen und linken Befürworter einer weiterreichenden Klimapolitik, die das Verhalten der Morrison-Regierung für verwerflich halten. Sie finden Bestätigung darin, dass Hitzewellen und andere Wetterextreme in Australien nachweislich häufiger auftreten als früher. Sie schlagen aber auch bisweilen über die Stränge, wenn sie etwa eine direkte kausale Verbindung zwischen den Buschbränden und der Regierungspolitik der vergangenen Jahre suggerieren. Außerdem geben viele von ihnen Australien eine Mitverantwortung an den Emissionen anderer Länder wie China und Indien, in die Australien Kohle exportiert.

          Unumstritten ist, dass die Buschbrände verheerende Folge sowohl für Menschen als auch Tiere haben. So wird befürchtet, dass in einem Reservat in New South Wales 350 der bis zu 600 Koalas den Bränden zum Opfer gefallen sein könnten. Bei dem Feuer waren schon im Oktober zwei Drittel des Lebensraums im Lake Innes Nature Reserve zerstört worden. Dabei sind viele der Symboltiere Australiens in ihren Bäumen zu Asche verbrannt. Mit drastischen Worte beschrieb Koala-Schützerin Sue Ashton die Lage danach gegenüber dem „The Sydney Morning Herald“: „Es ist wie in einem Krematorium.“

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