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Urteil wegen Fast-Kindstod : Ein Kreißsaal braucht eine Klingel

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Nach dem Oberlandesgericht Celle ist eine fehlende Klingel im Kreißsaal als grober Behandlungsfehler einzustufen. Bild: dpa

Weil es im Kreißsaal keine Klingel gab, konnte eine Mutter keine Hilfe holen, als ihr Baby kurz nach der Geburt an einer Atemdepression litt. Das Oberlandesgericht Celle stufte den Vorfall nun als groben Behandlungsfehler ein.

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          Eine fehlende Klingel im Kreißsaal hat das Oberlandesgericht Celle in einem Rechtsstreit als groben Behandlungsfehler eingestuft. Damit bestätigten die Richter, dass ein heute acht Jahre altes, schwer hirngeschädigtes Kind Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadenersatz hat (AZ: 1 U 32/20).

          In dem Fall hatte eine Hebamme in einem Krankenhaus in Hannover die Mutter nach einer im wesentlichen komplikationsfreien Geburt mit dem Baby allein gelassen, um zu „bonden“, wie das Gericht am Mittwoch mitteilte. Beim sogenannten Bonding wird das Neugeborene der Mutter auf die Brust gelegt, um durch den Körperkontakt die Bindung zu stärken.

          Trotz Reanimation schwere Hirnschädigung

          Der Frau erschien das Baby nach eigener Darstellung kurze Zeit später als „zu ruhig“, sie konnte aber nicht aufstehen und auch niemanden alarmieren, weil es keine Klingel gab. Daher fiel der Hebamme der Zustand des Babys erst etwa 15 Minuten später auf – es litt zu diesem Zeitpunkt unter einer Atemdepression („Fast-Kindstod“) und erlitt trotz Reanimation eine schwere Hirnschädigung.

          Die Eltern verlangen von der Klinik und der Hebamme ein Schmerzensgeld in Höhe von 300.000 Euro sowie den Ersatz materieller Schäden. Dieser Klage hatte zunächst das Landgericht Hannover stattgegeben.

          Die eingelegte Berufung wies der 1. Zivilsenat des OLG Celle mit Urteil vom 20. September zurück. Er ist für Streitigkeiten aus dem Arzthaftungsrecht zuständig. Die Richter ließen keine Revision zum Bundesgerichtshof zu, weil es um keine Rechtsfragen von allgemeiner Bedeutung gehe. Dagegen legten die Beklagten Beschwerde ein. Das Urteil ist deshalb noch nicht rechtskräftig.

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