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Bad Aibling : Fahrdienstleiter chattete kurz vor dem Unglück

  • -Aktualisiert am

Der Fahrdienstleiter mit seiner Anwältin. Bild: dpa

Ein Mitarbeiter der Firma, deren Spiel der Fahrdienstleiter am Morgen des Zugunglücks spielte, hat den Angeklagten belastet. Mehrmals habe der Mann vor dem Zusammenstoß der Züge mit Mitspielern gechattet.

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          In dem Online-Spiel „Dungeon Hunter 5“ geht es darum, durch mittelalterlich anmutende Fantasy-Welten zu marschieren und Monster zu töten. Man muss bestimmte „Missionen“ erfüllen und sich dabei möglichst gut bewaffnen. Die bis an die Augenbrauen gepanzerten „Krieger“ haben leuchtende, mehrzackige Schwerter und werfen sich auf Burgzinnen riesigen, buckligen und oft grünäugigen Dämonen entgegen. Das Spiel wird als das „intensivste und fesselndste Hack und Slash aller Zeiten für Mobilgeräte“ beworben. Der Fokus liegt also auf Hieb- und Stichwaffen im Gegensatz zu Feuerwaffen.

          Dieses Spiel spielte der Fahrdienstleiter in seiner Schicht am Morgen des 9. Februar, als bei Bad Aibling zwei Regionalzüge auf eingleisiger Strecke zusammenstießen. Bei dem Unglück kamen zwölf Menschen ums Leben, 89 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Dass er das Spiel an dem Morgen auf seinem Handy spielte, hat der angeklagte Fahrdienstleiter schon zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Traunstein gestanden. Am Montag sagte nun ein Mitarbeiter der Spiele-Firma aus, dass der Angeklagte an dem Morgen auch mehrmals mit Mitspielern gechattet habe.

          Die Polizei hatte nach dem Zugunglück das Handy zunächst im Landeskriminalamt auswerten lassen. Hinzugezogen wurden noch externe Spezialisten und die Spiele-Firma. Nach den Aussagen des Zeugen ist ein Chat rund zwölf Minuten vor dem Zusammenstoß der Züge protokolliert. Er habe, um online am Spiel teilnehmen zu können, das Spiel „aktiv“ bedienen müssen. So kann man bei dem Spiel online Waffen kaufen und „Krieger“ rekrutieren. Ein Ranking zeige an, welchen Platz man unter Millionen von Spielern einnehme.

          Die Nutzung privater Handys ist den Fahrdienstleitern verboten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fahrlässige Tötung vor. Er sei durch das Spiel so abgelenkt gewesen, dass er mehrere folgenschwere Fehler begangen habe. Zu dieser angenommenen Kausalität soll noch ein Gutachter gehört werden. Dabei wird es um die Frage gehen, ob und wie sehr ihn das Spiel von seiner Arbeit im Stellwerk abgelenkt hat. Auch zu Details der Handynutzung wird noch ein weiterer Sachverständiger als Zeuge gehört.

          Am Montag sagte zudem ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn aus. Der 57 Jahre alte Mann saß an dem 9. Februar in einem der Züge, die zusammenprallten. Beim Blick aus dem Fenster habe er zweimal hintereinander ein Sondersignal gesehen. Bei dem Zusammenstoß der Züge wurde er dann aus der Sitzbank geschleudert, wie er vor Gericht sagte. Er sei fünf Meter durch den Waggon geflogen und habe sich schwere Prellungen an der Brust zugezogen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Fahrdienstleiter vor, dass er zweimal das Sondersignal „Zs1“ gesetzt habe. Er hat demnach einem der Züge zweimal „freie Fahrt“ aus zwei Bahnhöfen heraus gewährt, obwohl er sich zuvor nicht versichert hatte, ob die eingleisige Strecke auch tatsächlich frei war. Er habe also vorschriftswidrig gehandelt. Für das Sondersignal musste der Fahrdienstleiter das Fahrverbot für den Zug „händisch“ aufheben.

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