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Zugunglück in Bayern : Fahrdienstleiter soll für Unfall verantwortlich sein

  • Aktualisiert am

Rettungskräfte arbeiten in Bad Aibling auch am Abend weiter. Bild: Reuters

Die Ursache für das Zugunglück mit zehn Toten ist angeblich gefunden. Ein Fahrdienstleiter soll einen verhängnisvollen Fehler gemacht haben: Er stellte demnach das automatische Signalsystem ab.

          Die Polizei hat die Ursache für das schwere Zugunglück bei Bad Aibling wahrscheinlich gefunden: Ein Fahrdienstleiter soll einem Zeitungsbericht zufolge das automatische Signalsystem abgestellt haben. Das erfuhr das Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet darüber.

          Auch die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass menschliches Versagen Ursache für das Unglück gewesen sei. Wer genau dafür verantwortlich ist, könne aber noch nicht gesagt werden. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wollte sich zur Schuldfrage nicht äußern. Die Ermittlungen würden noch viel Zeit in Anspruch nehmen, die Spezialisten hätten mit ihrer Ermittlungsarbeit „gerade erst begonnen“, sagte er. Am Mittwoch sollten die Ermittlungen „sehr aufwändig fortgesetzt“ werden. Dabei würden auch „verschiedene Gutachter“ und „Spezialisten von der Kriminalpolizei“ zum Einsatz kommen. Am Mittwoch soll auch damit begonnen werden, die Zugwracks mit schwerem Gerät zu entfernen.

          Nach dem Bericht des Redaktionsnetzwerkes hat ein Bahnbediensteter das Signalsystem ausnahmsweise ausgeschaltet, um einen verspäteten Triebwagen noch „quasi von Hand durchzuwinken“. Der Triebwagen hätte, um dem entgegenkommenden Zug auszuweichen, rechtzeitig einen sogenannten Begegnungspunkt erreichen müssen: Von dort an ist die eingleisige Strecke zweigleisig ausgebaut.

          Doch der Triebwagen schaffte es dem Bericht zufolge nicht rechtzeitig bis zu diesem Punkt. Dennoch bekam der entgegenkommende Zug vom Stellwerk die Erlaubnis, seinerseits durchzufahren. Ebenfalls von Hand, so der Bericht. Denn eigentlich stand das Signal für den zweiten Zug auf Rot.

          Diese Fehler sollen eines der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland verursacht haben. Bei Bad Aibling in Oberbayern sind zehn Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei sprach am frühen Dienstagabend außerdem von insgesamt 80 Verletzten, 17 davon schwer. Die mit etwa 150 Passagieren besetzten Regionalzüge waren am Morgen auf eingleisiger Strecke frontal zusammengeprallt und hatten sich ineinander verkeilt. Nach Angaben der Behörden waren insgesamt fast 700 Rettungs-  und Polizeikräfte aus der gesamten Region sowie aus Österreich im Einsatz.

          Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die die Züge waren offenbar mit „sehr hoher Geschwindigkeit“ unterwegs, als sie auf der Strecke in einer langgezogenen Kurve kollidierten. Laut Dobrindt war die Bahnstrecke mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das einen unberechtigt auf ihr fahrenden Zug per Zwangsbremsung automatisch stoppen soll.

          Rettungswagen in der Nähe der Unglücksstelle in Bad Aibling. Bilderstrecke

          Ein Mensch wird derzeit noch vermisst, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit. Es bestehe „leider wenig Hoffnung“, ihn noch lebend zu finden, hieß es.

          Die Unglücksstelle liegt in einem hügeligen und bewaldeten Gebiet direkt neben dem Fluss Mangfall und ist für die Hilfskräfte nur schwierig zu erreichen. Die Helfer mussten am Dienstag auf Boote und Hubschrauber zurückgreifen, um die Verletzten abtransportieren und Material zur Unfallstelle bringen zu können. Dobrindt zufolge waren etwa 15 Hubschrauber im Einsatz.

          Die Züge gehörten der Marke Medidian, die von der Bayerischen Oberlandbahn betrieben wird. Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen des französischen Transportriesens Transdev. Für die Infrastruktur der Strecke selbst ist aber weiterhin die Netztochter der Deutschen Bahn zuständig.

          In einer früheren Fassung dieses Textes hatte es geheißen, die Zahl der Toten sei auf elf gestiegen. Die Polizeistelle Rosenheim hat ihre Angabe laut dpa jedoch inzwischen wieder auf Zehn korrigiert.

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