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Lubitz allein Schuld : Ermittlungen in Deutschland nach Germanwings-Absturz eingestellt

  • Aktualisiert am

Eine Gedenkstätte für die Opfer im März 2016 im französischen Le Vernet – in Deutschland wird wegen des Flugzeugabsturzes nicht mehr ermittelt. Bild: dpa

Am Absturz der Germanwings-Maschine im März 2015 mit 150 Todesopfern trägt ausschließlich der deutsche Copilot Andreas Lubitz die Schuld. Deshalb wird nicht mehr ermittelt.

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          Die Todesermittlungen deutscher Behörden nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich sind eingestellt. Demnach trägt der Copilot der Maschine, Andreas Lubitz, die Alleinschuld an dem Unglück mit 150 Todesopfern im März 2015. „Die Ermittlungen haben keinen Anlass gegeben, strafrechtlich gegen eine lebende Person zu ermitteln“, sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe einen entsprechenden Abschlussvermerk.

          So habe keiner der behandelnden Ärzte in den Monaten vor dem Absturz Anhaltspunkte für eine Suizidgefahr bei Lubitz festgestellt. Auch der Arbeitgeber und die Angehörigen hätten davon keine Kenntnis gehabt. Bei den regelmäßigen flugmedizinischen Untersuchungen hätten sich ebenfalls keine entsprechenden Verdachtsmomente ergeben.

          Die Symptome, mit denen sich Lubitz zahlreichen Ärzten vorgestellt hatte, seien andere gewesen als 2008, als er während seiner Flugausbildung an einer Depression erkrankt war. Entsprechend sei ihm auch unabhängig von zwei Ärzten eine andere psychische Störung diagnostiziert worden. Lubitz soll in den Monaten vor dem Absturz von der Angst geplagt gewesen sein, zu erblinden.

          Maschine absichtlich gegen den Berg gesteuert

          Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Montag berichtet, dass die Ermittlungen unmittelbar vor dem Abschluss stehen und eingestellt werden. Nach WDR-Informationen hatte die Staatsanwaltschaft in den vergangenen Tagen zahlreiche Beweisanträge zurückgewiesen, die die Anwälte von mehr als 50 Opferfamilien gestellt hatten. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft kann noch angegriffen werden – über Dienstaufsichtsbeschwerden oder ein Klageerzwingungsverfahren.

          Die Germanwings-Maschine war am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Nach Überzeugung der französischen Ermittler hatte der Copilot die Maschine absichtlich gegen den Berg gesteuert. Alle 150 Insassen starben. Die meisten von ihnen stammten aus Deutschland, darunter auch 16 Schüler und 2 Lehrerinnen eines Gymnasiums in Haltern.

          Das Flugzeug zerschellte in Tausende Trümmerteile: Rettungskräfte im März 2015 am Unglücksort

          Lubitz soll den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt und den Sinkflug der Maschine über den französischen Alpen bewusst eingeleitet haben. Auf dem Stimmenrekorder, der in den Bergen zwischen Wracktrümmern geborgen werden konnte, ist zu hören, wie der Pilot verzweifelt versuchte, zurück ins Cockpit zu gelangen.

          In Amerika läuft eine Zivilklage von Opferfamilien

          Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft führte nach dem Absturz der Passagiermaschine vom Typ Airbus A320 in Frankreich knapp zwei Jahre lang die Ermittlungen in Deutschland. Das sogenannte Todesermittlungsverfahren war nicht gegen eine bestimmte Person gerichtet. Hätten sich dabei aber Verdachtsmomente gegen lebende Personen ergeben, wären strafrechtliche Ermittlungen, etwa wegen fahrlässiger Tötung, gegen diese eingeleitet worden.

          Nach dem Absturz war bei den Ermittlern eine Flut von Strafanzeigen gegen zahlreiche vermeintliche Mitverantwortliche des Absturzes eingegangen. Anwälte von Opferfamilien versuchen mit einer Zivilklage in den Vereinigten Staaten, höhere Entschädigungssummen des Lufthansa-Konzerns zu erzwingen. Die angebotenen Summen hatten sie als unzureichend zurückgewiesen.

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