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Erdrutsch in Afghanistan : Überlebende suchen weiter nach ihren Familien

  • Aktualisiert am

Bild: Reiters

Die afghanische Regierung hat die Suche nach Überlebenden des Erdrutsches im Nordosten des Landes eingestellt, aber die Menschen in der Region graben weiter. Inzwischen sind erste Hilfsgüter angekommen - doch die Opfer sind wütend auf die Behörden.

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          Trotz des offiziellen Endes der Bergungsarbeiten im afghanischen Katastrophengebiet suchen die Überlebenden der verheerenden Schlammlawine weiter nach vermissten Angehörigen. „Die Menschen würden alles darum geben, ihre Liebsten noch einmal zu sehen“, berichtete der Stammesälteste Abdul Dschan per Telefon aus dem Katastrophengebiet in der Provinz Badachschan.

          „Deshalb suchen sie einzeln oder in kleinen Gruppen nach ihnen“, sagte Dschan, der auch selbst mithalf. Meldungen über die Bergung von Überlebenden unter den Schlamm- und Geröllmassen gab es am Montag nicht.

          Opfer kritisieren die Behörden

          Die Hilfe für die Überlebenden der Katastrophe vom vergangenen Freitag verläuft indes schleppend. Betroffene äußerten Kritik an den Behörden. „Sie sagen, dass sie genug Material für die Opfer geliefert haben, aber die Menschen sagen, dass es nicht ausreicht“, erklärte Dschan. „Drei Tage nach der Katastrophe warten Menschen immer noch auf Lebensmittel, Medizin und warme Kleidung, während sie im Freien leben.“

          Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA erschwert der Andrang der Überlebenden die Verteilung der Hilfsgüter. Dschan sagte, auch Besuche von Politikern im Katastrophengebiet bremsten die Hilfe.

          Caritas organisiert Hilfe über Tadschikistan

          Die Caritas hat nach eigenen Angaben inzwischen erste Hilfslieferungen über das Nachbarland Tadschikistan organisiert. Derzeit würden Medikamente, Zelte und Nahrungsmittel in die schwer zugängliche Unglücksregion gebracht und an die Betroffenen verteilt, teilte die Organisation in Freiburg mit.

          „Nur mit Hilfe unserer tadschikischen Partner konnten wir von Norden her das entlegene Unglücksgebiet so schnell erreichen“, sagte die Afghanistan-Expertin von Caritas, Julia Gietmann.

          Regierung sucht nach neuen Grundstücken für Überlebende

          Die Behörden bemühen sich derweil in der betroffenen Provinz Badachschan um neue dauerhafte Unterkünften für die Überlebenden der Katastrophe. Eine Kommission sei eingerichtet worden, die nach Grundstücken für neue Häuser für die betroffenen Menschen suche, sagte der Chef des regionalen Katastrophenschutzes. Präsidentschaftskandidat Aschraf Ghani besuchte den Katastrophenort am Montag, später wurde sein Stichwahl-Herausforderer Abdullah Abdullah ebenfalls im Dorf Ab-e-Barik erwartet.

          Die Kommission habe bereits Kontakt zu Grundbesitzern in Nachbardörfern aufgenommen, so der Katastrophenschutz. Die Regierung wolle Land ankaufen, auf dem sich die Opfer eine neue Existenz aufbauen könnten. Ghani forderte die Behörden zu „sofortigem Handeln“ auf. In sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter wurden Hilfsaufrufe gestartet.

          Überflutungen in anderen Teilen des Landes

          Neben dem Erdrutsch in der Provinz Badachschan mit vermutlich mehr als 2000 Toten habe es auch in anderen Teilen Afghanistans Überflutungen, Hang- und Erdrutsche gegeben. Vor allem der Norden des Landes sei betroffen. „Beispielsweise sind bei einer Flut in der Provinz Ghor drei Menschen, in der Provinz Fariab mehr als 40 Menschen gestorben“, sagte Julia Gietmann von der Caritas.

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