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Erdrutsch in Afghanistan : Keine Hoffnung mehr

  • Aktualisiert am

Afghanische Einwohner beten für die Opfer der Schlammlawine Bild: dpa

Afghanistans Regierung hat die Suche nach Überlebenden nach dem schweren Erdrutsch im Nordosten des Landes für beendet erklärt. Damit ist von mehr als 2000 getöteten Dorfbewohnern auszugehen.

          Nach dem Schlammlawinen-Unglück im Nordosten des Landes hat Afghanistans Regierung die Suche nach Überlebenden für beendet erklärt. Die Behörden gingen damit von mehr als 2000 getöteten Dorfbewohnern aus. Zunächst lag die angegebene Zahl der Toten noch bei 277. Doch es werden insgesamt bis zu 2100 Menschen in den Erdmassen vermutet. Die Suche sei sinnlos, man werde keine Überlebenden mehr finden können, sagte Vizepräsident Karim Chalili, nachdem er am Samstag, einen Tag nach der Katastrophe, Betroffene des Unglücks von Ab-e-Barik besucht hatte. „Alle unsere Brüder und Schwestern unter den Tonnen von Schlamm sind tot, und wir beten für sie“, sagte auch der Gouverneur der Provinz Badachschan, Schah Waljullah Adib.

          Etwa 2000 Menschen seien aus dem Katastrophengebiet geflohen, sagte Fazluddin Ayyar, Polizeichef der Provinz, der Nachrichtenagentur dpa. Von 700 Häusern im Dorf Ab-e-Barik seien 120 zerstört worden, teilten die Vereinten Nationen mit. 580 weiteren Familien drohte, von möglichen weiteren Schlammlawinen nach schwerem Regen mitgerissen zu werden. Die Polizei evakuierte am Samstag gefährdete Häuser in dem Gebiet.

          Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier haben unterdessen ihr Beileid bekundet. „Die Bilder der verheerenden Zerstörungen durch die Schlammlawinen im Nordosten Afghanistan haben mich sehr betroffen gemacht“, schrieb Gauck dem Präsidenten Hamid Karsai in einem Kondolenztelegramm laut Präsidialamt. Minister Steinmeier (SPD) sagte laut Mitteilung: „Die Bundesregierung steht in Kontakt zu den afghanischen Behörden und wird helfen, wo immer ihr dies möglich ist, um das Leid der Betroffenen zu lindern.“

          „Jeder hat Familienmitglieder oder Freunde verloren“

          Die Erd- und Geröllmassen hatten am Freitag auch eine ganze Hochzeitsgesellschaft mit sich gerissen. „Die Schlammlawine hat als erstes eine Hochzeitsfeier getroffen“, sagte der Gouverneur des Distrikts Argu, Hadschi Abdul Wadud Saidi. „Dabei sind 250 Menschen gestorben.“ Danach habe die Lawine fast das gesamte Dorf unter sich begraben.

          „Jeder hat Familienmitglieder oder Freunde verloren“, sagte Abdul Maroof Rasekh, ein Dorfbewohner, am Telefon. „Ich habe eine Tragödie miterlebt.“ Schlamm und Geröll hatten sich in zwei einzelnen Erdrutschen gelöst, so dass viele Menschen verschüttet worden seien, als sie den ersten Opfern helfen wollten. Die Überlebenden harrten nun in der Kälte aus.

          Häuser in der Gegend sind in der Regel aus Lehm gebaut. Wasserfluten bringen sie relativ leicht zum Einsturz. In der Region hatte es in den vergangenen Tagen wie jedes Jahr im Frühjahr stark geregnet. Die heftigen Niederschläge verursachen regelmäßig Überschwemmungen und Schlammlawinen.

          Auch Obama bietet Unterstützung an

          Bereits in der vergangenen Woche hatten Überschwemmungen in vier nordafghanischen Provinzen mehr als 100 Menschen das Leben gekostet. „In den vergangenen sieben Tagen sind mehr Afghanen bei Naturkatastrophen getötet worden als im ganzen Jahr 2013“, sagte der UN-Nothilfekoordinator in Afghanistan, Mark Bowden.

          Der afghanische Präsident Hamid Karsai äußerte sich einer Mitteilung zufolge „zutiefst traurig“ über die Katastrophe. Der amerikanische Präsident Barack Obama bot Afghanistan Unterstützung an. Die Nato-Schutztruppe Isaf bot der Regierung in Kabul ihre Hilfe an.

          Im Distrikt Argu waren im vergangenen Jahr die Taliban aktiv. Es ist unklar, wie unsicher der Distrikt derzeit ist. Die Bundeswehr war 2012 aus der Provinz Badachschan abgezogen. Das zerstörte Dorf Ab-e-Barik ist abgelegen und nur schwer zu erreichen.

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