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Erdbeben : Zusammenstoß von Indien und Eurasien

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Bild: F.A.Z.

Obwohl das Erdbeben am Samstag von Experten erwartet worden war, sind Forderungen nach einer erdbebensicheren Bauweise in der Kaschmir-Region nicht in die Tat umgesetzt worden.

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          Selbst beim flüchtigen Blick auf eine physische Landkarte Asiens fällt ein eindrucksvoller, weit geschwungener Bogen auf. Von den Quellen des Indus im Westen zieht er sich über mehr als 2600 Kilometer Länge bis zum Brahmaputra-Knie im Osten.

          Nördlich dieses Bogens türmen sich die mächtigsten Gebirge der Erde: Pamir, Hindukusch, Karakorum und die gewaltige Kette des Himalaja. Südlich davon erstrecken sich die im Vergleich dazu flachen subtropischen Landschaften des Indischen Subkontinents mit den Ländern Indien, Pakistan und Bangladesh.

          Zwei riesige Platten stoßen frontal aufeinander

          Keine andere Gegend der Welt, nicht einmal der „Feuerring“ rund um den Pazifischen Ozean, ist derart konzentriert durch Erdbeben gefährdet. Unter dem südlichen Vorland des Himalaja stoßen nämlich zwei riesige Platten der Erdkruste frontal aufeinander.

          Das schwere Erdbeben, bei dem am Samstag in Kaschmir mehrere tausend Menschen ums Leben kamen, liegt genau in dieser tektonischen Kollisionszone. Das Epizentrum des Bebens befand sich knapp 100 Kilometer nordnordöstlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

          Ein geologisches Feuerwerk

          Nahezu alle bedeutenden Erdbeben ereignen sich an den Rändern der „Lithosphären-Platten“, jenen dicken, kontinentgroßen Fragmenten der Erdkruste, die auf dem darunterliegenden Erdmantel schwimmen. Wo solche Platten mit anderen zusammenstoßen oder wo sie zerbrechen, spielt sich normalerweise ein geologisches Feuerwerk ab.

          Dort brechen Vulkane aus, gibt es verheerende Erdbeben, entsteht neue Erdkruste, und in den Kollisionszonen der Platten türmen sich die gewaltigen Faltengebirge auf. Der Feuerring um den Pazifischen Ozean ist eine solche Zone, aber auch der Himalaja-Bogen, das östliche Ende jenes Erdbebengürtels, der sich vom Mittelmeer bis nach Asien erstreckt.

          Indien driftet nach Norden

          Zu dem Zusammenstoß zwischen der indischen Erdkrustenplatte und der eurasischen Platte kommt es, weil der indische Subkontinent mit einer Geschwindigkeit von etwa vier bis fünf Zentimetern pro Jahr langsam nach Norden driftet.

          Im Gegensatz zu anderen tektonischen Kollisionszonen, wie beispielsweise im Westen Mittel- und Südamerikas, wird dabei keine der beiden Platten zu einem Ausweichmanöver nach unten in den Erdmantel gezwungen. Indien stößt vielmehr frontal mit der viel größeren und massiveren eurasischen Platte zusammen.

          Durch die Verschiebung entstehen mächtige Gebirgsbogen

          Die Energie, die in dieser gewaltigen tektonischen Kollision steckt, läßt die Erdkruste bersten und zertrümmert die Grenzen der beiden Platten. Dabei schieben sich die entstehenden Fragmente allmählich auf- und übereinander - und der mächtigste Gebirgsbogen der Erde entsteht. Diese Bewegungen spielen sich aber nicht kontinuierlich und stetig ab, sondern ruckartig.

          Jeder Ruck ist ein Erdbeben, das in diesem Raum erhebliche Stärken erreichen kann. Das Beben von Samstag hatte einen Wert von mindestens 7,6 auf der Magnitudenskala. Entlang der Gebirgsfront ereigneten sich allein in den vergangenen 110 Jahren aber auch vier Beben, deren Magnituden jeweils den Wert 8 überschritten.

          Erdbeben wurde von Experten erwartet

          Die Stärke des Kangra-Bebens am 4. April 1905 wird mit 8,6 angegeben, das Beben von Bihar am 15. Januar 1934 erreichte den Wert 8,4. Im Bundesstaat Assam bebte es im Jahre 1897 mit 8,5 und schließlich am 15. August 1950 sogar mit 8,7. Dieses schwerste Erdbeben, das jemals auf dem indischen Subkontinent gemessen wurde, ließ den Brahmaputra-Damm brechen. In den Fluten ertranken 1500 Menschen.

          Wegen der Plattenkollision war es klar, daß es nun wieder zu einem Erdbeben kommen mußte. Bei der Messung der unterirdischen Spannungen hatten Geologen in den vergangenen Jahren eine Zunahme der seismischen Aktivitäten der Erdplatten unter Kaschmir registriert.

          Die daraufhin lautgewordenen Forderungen nach einer erdbebensicheren Bauweise in der Kaschmir-Region wurden jedoch nicht in die Tat umgesetzt. Weiterhin wurden vier- bis fünfgeschossige Häuser aus Lehmziegeln errichtet - was das Ausmaß des Bebens umso schrecklicher macht. Besonders verheerend war das Beben von Samstag auch deshalb, weil das Epizentrum nach Messungen japanischer und amerikanischer Forscher nicht sehr tief unter der Erdoberfläche lag.

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