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Erdbeben und Tsunami in Japan : Mehr als tausend Menschen getötet

Chiba: Brennende Gasbehälter nach dem Erdbeben Bild: REUTERS

Japan ist geschockt von den stärksten Erschütterungen, die das Land bisher erlebt hat. Häuser stürzten ein, Autos und Boote wurden von Flutwellen mitgerissen. Im Atomkraftwerk Fukushima ist die Kühlung ausgefallen, die Regierung rief den atomaren Notstand aus.

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          Der Nordosten Japans ist am Freitag vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte erschüttert und anschließend von einem Tsunami heimgesucht worden. Durch das Beben der Stärke 8,8 bis 8,9 und die anschließende etwa zehn Meter hohe Flutwelle wurden am Freitag nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo mehr als tauschend Menschen getötet und viele verletzt. Die Tsunami-Warnung wurde auf weite Teile des Pazifik-Raums ausgeweitet, in der Nacht zum Samstag gab die japanische Regierung neue Tsunami-Warnungen heraus.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          In einer Atomanlage in Miyagi im Nordosten von Honshu brach ein Feuer in einem Maschinenraum im nichtnuklearen Teil aus. Es konnte nach offiziellen Angaben bald gelöscht werden. Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi fiel dagegen die Kühlung der Brennstäbe aus. Die Regierung rief deshalb den atomaren Notstand aus und brachte Tausende Anwohner in Sicherheit.

          In der Nacht zum Samstag stieg im Turbinengebäude des AKW Fukushima der Druck kräftig an. Dadurch droht im schlimmsten Fall eine Kernschmelze. Der Druck überstieg nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde das 1,5fache dessen, wofür das Turbinengebäude ausgelegt ist. Die Betreiberfirma Tepco erwäge, den Druck abzulassen, wisse aber nicht, wie stark die radioaktive Strahlung im Inneren sei. Der japanische Kabinettschef Yukio Edano sagte, durch Ablassen des Drucks könne Radioaktivität in geringem Umfang in die Umwelt gelangen (siehe: Japan: Radioaktivität steigt im Umkreis von japanischem Reaktor).

          Feuer und Zerstörung in Iwaki
          Feuer und Zerstörung in Iwaki : Bild: dapd

          Der Fernsehsender Nippon TV berichtete, das Kühlwasser sei auf einen beunruhigend niedrigen Stand gesunken. Die Behörden versicherten indes, dass aus keiner Anlage im Land radioaktives Material ausgetreten sei. Nach Angaben der japanischen Regierung hatten sich elf Atomkraftwerke nach dem Beben automatisch abgeschaltet. Ein Brand wurde auch aus einer Ölraffinerie im Großraum Tokio gemeldet. In einer Erdölfabrik in der Nähe von Sendai ereignete sich nach Medienberichten eine Explosion.

          Um 14.45 Uhr Ortszeit bebte die Erde

          Das Beben begann am Nachmittag um 14.45 Uhr Ortszeit. Sein Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai, knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. Die folgende gewaltige Flutwelle, die an manchen Orten bis zu zehn Meter hoch war, überspülte die Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu. Boote wurden gegen die Küsten geschleudert, Häuser zerstört und von den Wassermassen mitgerissen. Allein in Sendai seien 200 bis 300 Leichname an einem Strand gefunden worden, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji. Bis zu 70.000 Bewohner der Stadt wurden in Sicherheit gebracht.

          Laut Polizei gab es mehr als 350 bestätigte Todesopfer, knapp 550 Menschen wurden vermisst und 800 weitere verletzt. Es ist mit einem Steigen der Zahl der Betroffenen zu rechnen: Der Fernsehsender NHK berichtete, eine Flutwelle habe ein Schiff mit etwa 100 Menschen an Bord mitgerissen; die Küstenwache suchte nach dem Schiff. In Miyagi im Nordosten verschwand zudem laut der Nachrichtenagentur Kyodo ein Zug mit einer unbekannten Zahl an Passagieren, der von der Flutwelle erfasst wurde.

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