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Erdbeben in Pakistan : Regierung erbittet internationale Hilfe

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In der Provinz Baluchistan sind durch das Erdbeben 15.000 Menschen obdachlos geworden Bild: dpa

Nach dem schweren Erdbeben im Südwesten Pakistans erbittet die Regierung des Landes internationale Hilfe. In der Provinz Baluchistan starben nach offiziellen Angaben mindestens 150 Menschen, 15.000 sind obdachlos. Unter den Trümmern werden weitere Opfer vermutet.

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          Nach dem schweren Erdbeben im Südwesten Pakistans ist die Zahl der Toten auf mehr als 150 gestiegen. Hunderte wurden verletzt, etwa 15.000 Bewohner der Provinz Baluchistan wurden obdachlos. Da noch zahlreiche Bewohner unter Trümmern vermutet werden, befürchten die Behörden weitere Opfer. Pakistan bat um internationale Hilfe. Die EU stellte schnelle Unterstützung in Aussicht. Die deutschen Johanniter, die seit den Überschwemmungen 2007 in Baluchistan mit einer mobilen Ambulanz im Einsatz sind, verlegten diese in die Krisenregion.

          Die Erdstöße erreichten nach Berichten des amerikanischen Erdbebenzentrums die Stärke 6,4, die pakistanischen Behörden gaben die Stärke mit 6,5 an. Besonders betroffen war die Provinz Baluchistan. Das Zentrum des Bebens lag etwa 60 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Quetta. Die Erde bebte kurz vor Sonnenuntergang in 15 Kilometer Tiefe.

          Schlafanzug als einzig verbliebener Besitz

          Das Beben überraschte die Bewohner der verarmten Region im Grenzgebiet zu Afghanistan im Morgengrauen. Am schwersten betroffen war die Ortschaft Ziarat. Dort stürzten mehrere hundert Lehm- und Ziegelhäuser ein. Einige Häuser wurden von einer Schlammlawine verschüttet, die von dem Beben ausgelöst wurde. „Die Zerstörung ist groß“, sagte der Bürgermeister von Ziarat, Dilawar Kakar. „Kein einziges Haus ist intakt geblieben.“ Hunderte von Bewohnern seien verletzt worden.

          Bild: F.A.Z.

          „Wir brauchen Nahrungsmittel, wir brauchen Medikamente“, sagte der Bürgermeister. „Die Leute brauchen warme Kleidung und Decken, weil es kalt hier ist.“ Im Dorf Sohi sah ein Reporter des Fernsehnachrichtendienstes APTN allein in einem eingestürzten Haus die Leichen von 17 Menschen. Nachbarn gruben ein Massengrab, um sie zu beerdigen. In den Trümmern von weiteren Häusern werde noch nach verschütteten Bewohnern gesucht, sagte der Dorfälteste Shamsullah Khan. Überlebende sammelten sich auf den Straßen, im Schlafanzug als einzig verbliebenem Besitz.

          Region fast nur mit Hubschraubern zugänglich

          In die Kliniken der nahegelegenen Stadt Kawas und der Provinzhauptstadt Quetta wurden immer mehr Tote und Verwundete gebracht. Ein Patient, Raz Mohammed, sagte, er sei von schreienden Kindern geweckt worden, ehe er den Erdstoß gespürt habe. „Ich eilte zu ihnen, aber das Dach ist eingestürzt und ein Eisenträger hat mich getroffen“, sagte er im Krankenhaus von Quetta. „Das Ding hat mir den Rücken gebrochen, und ich habe große Schmerzen. Aber Gott sei Dank sind meine Kinder und Verwandten in Sicherheit.“ Armeehubschrauber brachten Zelte, Decken und Lebensmittelpakete in die betroffenen Dörfer. Viele Straßen der Region sind blockiert. In Quetta wurde ein Feldhospital errichtet.

          Baluchistan ist die größte, aber am dünnsten besiedelte Provinz Pakistans und gilt als besonders arm. Im Oktober 2005 waren bei dem schwersten Beben in der Region, das die Stärke 7,6 erreichte, in den Bergen Nordpakistans mindestens 73.000 Menschen ums Leben gekommen. 3,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Provinzhauptstadt Quetta wurde 1935 bei einem Erdbeben zu weiten Teilen zerstört. Damals starben rund 30.000 Menschen.


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