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Erdbeben in Nepal : Nichts wie weg

Überbleibsel eines zerstörten Tempels nach dem Erdbeben in Nepal Bild: dpa

Vom Erdbeben in Nepal sind viele Deutsche betroffen, etwa 150 werden noch vermisst. Viele harren nun auf dem Gelände der Botschaft aus – und warten auf eine Möglichkeit, das Land zu verlassen.

          7 Min.

          Wie viele Touristen aus Deutschland waren Andreas Kittelmann und Catherine Gallagher zum Wandern und Bergsteigen nach Nepal gefahren. Von der Reise sei er positiv überrascht gewesen, sagt Kittelmann nun, die fremde asiatische Kultur, die Naturschönheit, die der Hobbyfotograf auf der rund zweiwöchigen Reise mit seiner Kamera festgehalten hat. „Für mich war das schon ein Traumurlaub“, sagt der Informatiker aus Dresden. Die Reisegruppe war gerade in Namche Bazaar, teilweise halsbrecherisch am Berghang gelegen, der Lebensmittelpunkt vieler nepalischer Sherpas. Da bebte die Erde mit der Stärke 7,9.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die engen Gassen von Namche Bazaar wirkten plötzlich nicht mehr malerisch, sondern tödlich. „Ich bin um mein Leben gerannt. So ein Gefühl habe ich noch nie gehabt“, sagt die Amerikanerin Catherine Gallagher, die in München lebt. „Steine flogen, die Häuser wackelten, die Leute haben geschrien, dann kam noch eine Sirene des Militärs“, sagt Andreas Kittelmann. Zusammen mit der Österreicherin Christine Smolle waren sie gerade in einem Geschäft gewesen. „Der Ladenbesitzer hat geschrien wie ein Verrückter: Run, run, run!“, berichtet die Österreicherin. Doch erst nach einer Schrecksekunde habe sie gemerkt, dass die Erde gebebt hatte.

          Der Schock scheint immer noch nachzuwirken, als die drei Touristen am Montag in einem Hotel in der Hauptstadt Katmandu ihre Geschichte erzählen. Und sie war mit dem Erdbeben, das am Samstagmittag fast das ganze Land erschüttert hatte, noch nicht zu Ende. Denn bis zu ihrer nächsten Station lag noch ein zweitägiger Marsch vor der Reisegruppe, den sie nun, in der ständigen Angst vor weiteren Beben, Erdrutschen und Steinlawinen, hinter sich bringen mussten: von 3400 Metern Höhe zurück in den Ort Lukla, von wo ein Flugzeug sie in die Hauptstadt bringen sollte.

          150 Deutsche vermisst

          Nach dem Erbeben seien sie „hypersensibilisiert“ für Geräusche und Bewegungen gewesen, berichten sie. Kittelmann erinnert sich an Hubschrauberlärm, kreischende Frauen, dröhnende Felsstürze. Anfänglich gab es fast alle zwei Stunden Nachbeben, die zusätzlich an den Nerven zerrten. Als besonderen Schock habe sie das schwere Nachbeben der Stärke 6,7 am Sonntag empfunden. Die Etappe danach sei besonders anstrengend gewesen. Teilweise liefen sie im strömenden Regen über rutschige Abhänge. Doch das Adrenalin habe sie angetrieben.

          Auf ihrem zweitägigen Marsch hat ihre Reisegruppe viel von den Zerstörungen gesehen. Häuserwände waren eingefallen, manche Häuser ganz zerstört, Steinbrocken von den Bergen gerollt. Einige der Dörfer, durch die sie liefen, seien wie ausgestorben gewesen, die Fensterläden verrammelt, „wie Geisterstädte“, sagt Catherine Gallagher. Die Menschen seien wohl in andere Ortschaften geflohen, in denen die Versorgung besser gewesen sei. Auch das Haus ihres Touristenführers in Katmandu, der sich die ganze Zeit sehr gut um sie gekümmert habe, sei kaputt, sagen die drei.

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