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Erdbeben in Italien : Risse im Adlerland

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Der Chiesa della Concezione in Paganica droht der Einsturz Bild: AP

Das schwere Erdbeben in den italienischen Abruzzen hat nicht nur mehr als 200 Menschen das Leben gekostet, sondern auch wertvolle Kulturgüter wie Kirchen, Klöster und Palazzi schwer beschädigt oder sogar zerstört.

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          Zu Tod und Verderben in L'Aquila, dem vom Erdbeben zerstörten Hauptort der gleichnamigen größten Provinz der Bergregion Abruzzen, kommt das Erschrecken über die Schäden an den Kunstwerken und Baudenkmälern. Die Region Abruzzen mit der nach dem deutschen Kaiser-Adler benannten Stadt L'Aquila - Friedrich II. von Hohenstaufen und auch Karl V. von Habsburg spielen in der Lokalgeschichte eine bedeutende Rolle - ist nicht die schönste und kunstreichste unter den italienischen Kunstlandschaften.

          Dennoch hat das Erdbeben an Kunstwerke von hohem Rang gerührt, Kirchen ihrer Kuppeln beraubt, Glockentürme zum Einsturz gebracht und Paläste schwer beschädigt. Nicht einmal vor der Präfektur, die jeder Italiener fürchtet, hatte das Erdbeben Respekt. Der Palazzo del Governo, der Palast des Präfekten, des Vertreters „der Regierung“ für Recht und Ordnung in den Provinzen, wurde wie von einer Riesenfaust gepackt und gibt mit seinen Fassadenbrüchen das Symbol für die gedemütigte Regierung Italiens ab.

          Ein Schrecken durchzuckt das europäische Kulturbewusstsein

          Allein in L'Aquila umfasst die Liste der beschädigten Kirchen: Basilica di Santa Maria di Collemaggio, Sant'Agostino, Dom und San Bernardino; hinzu kommt die traditionsreiche Festung „Fortezza Spagnola“. Besonders bei der vor den Toren der Stadt gelegenen Basilika und dem Kloster von Collemaggio durchzuckt ein Schrecken das europäische Kulturbewusstsein.

          Mit dem Beben stand die Zeit still: Um 3.32 erschütterten schwere Erdstöße die Abbruzzen
          Mit dem Beben stand die Zeit still: Um 3.32 erschütterten schwere Erdstöße die Abbruzzen : Bild: dpa

          War es doch der berühmte Einsiedler Pietro di Morrone, auf den Gründung und Bau von Kirche und Kloster zurückgehen. So hohes Ansehen genoss der Ordensreformator, dass die in Perugia versammelten Kardinäle im Juli 1294 ihn noch im Alter von 84 Jahren zum Papst wählten. Am 29.August wurde er als Coelestin V. in dieser Kirche gekrönt. Doch schon am 13. Dezember desselben Jahres trat er zurück - der einzige Papst der Kirchengeschichte, der dies aus freien Stücken tat, wohl aus der Einsicht, der Kirchenpolitik jener Zeit nicht gewachsen zu sein.

          Jetzt ist ein Teil der Altarnische der Basilika eingestürzt. Erst vor wenigen Jahren hatte man Santa Maria di Collemaggio restauriert. Doch erdbebensicher, gestärkt mit Beton und Stahl, kann man die Mauern nicht machen.

          Mehrere zerstörte Kirchen und Palazzi

          Eingestürzt sind in L'Aquila auch die Kuppel der Chiesa delle Anime Sante (Kirche der Armen Seelen) und der Turm der Kirche San Bernardino. Fast alle Orte, die rund um L'Aquila in der Nähe des Epizentrums liegen, meldeten zerstörte Palazzi und beschädigte Kirchen in ihren historischen Zentren. Auch in der weiteren Umgebung bis an die Adria bei der großen Hafenstadt Pescara sind Schäden durch das Erdbeben zu beklagen. In dem Ort Santo Stefano di Sessanio, der als besonders schön angesehen wird, brach am Montag der mittelalterliche Turm Medicea zusammen.

          In Celano fiel der Hauptaltar der Kirche Sant'Angelo ein, ebenso ein alter Palazzo. In der Nähe von Pescara wurde in Bussi ein Teil des historischen Zentrums wie von einer Bombe verwüstet. In Loreto Aprutino traf es den Campanile der Kirche San Francesco. In der kulturreichen Bischofsstadt Chieti ist San Francesco alle Scale gesperrt, in Atri bei Teramo der Dom. In anderen Orten und Städten der Region fürchtet man noch versteckte Schäden und trifft Vorsorge.

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