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Zerstörung nach Erdbeben : Schon wieder Italien

Die Kirche steht noch: Castelsantangelo sul Nera nach den Erdbeben. Bild: AP

Zwei starke Erdstöße in Italien haben vor allem Schäden an Gebäuden angerichtet – und den Bewohnern im Zentrum des Landes die Angst zurückgebracht. Zum Glück gibt es nur einen Toten.

          3 Min.

          Neue Erdstöße im italienischen Apennin haben in Mittelitalien zu weiteren großen Zerstörungen geführt. Die neue Serie von Erdbeben begann am Mittwochabend mit zwei Beben, deren Stärke nach Angaben der italienischen Fachleute des Nationalen Instituts für Geophysik (INGV) zunächst 5,4und zwei Stunden später 5,9 betrugen. Ende August hatte ein Beben ähnlicher Stärke rund um das Bergdorf Amatrice mit einer Stärke von 6,0 fast 300 Todesopfer gefordert. Dieses Mal gab es nur einen Toten: Ein Mann erlag einem Herzinfarkt, ausgelöst durch das Beben. Die Bewohner der zentralitalienischen Bergregion waren dieses Mal durch ein schwächeres Beben vorgewarnt worden und hatten zum Großteil ihre Häuser verlassen. In Amatrice hatte dagegen das Erdbeben die Opfer im Schlaf überrascht.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Mit dem Beben vom Mittwoch, dem bis zum Donnerstag rund 200 Nachbeben folgten, hat sich das Erdbebengebiet von Amatrice weiter nach Norden ausgedehnt. Fachleute sagten, das Beben in Amatrice und die folgenden Nachbeben hätten einen darunterliegenden Spalt im Erdmantel dermaßen in Bewegung versetzt, dass damit nun ein benachbarter Spalt in Bewegung geraten sei. Eine andere Darstellung besagt, dass die Beben vom August den Erdspalt unterhalb von Amatrice in Richtung Norden verlängert haben könnten. Die meisten Fachleute glauben aber, die neuen Erdstöße müssten als ein eigenständiges Erdbeben behandelt werden, das seinerseits eine lange Serie von Nachbeben auslösen werde.

          Zentrum des neuen Erdbebengebiets ist das Dorf Visso in der Region Marken, das bisher 1100 Einwohner zählte und 75Kilometer nördlich von Amatrice liegt, dem Zentrum des Erdbebens vom 24. August. Die Ausläufer des Erdbebens erschütterten auch das historische Universitätsstädtchen Camerino, das bisher 7000 Einwohner und 8000 Studenten zählte. Dort stürzte ein Kirchturm ein und zerstörte ein daneben gelegenes Haus. Die Gegend, die vom neuen Erdbeben betroffen ist, lag bereits im Umfeld des Erdbebengebietes von Umbrien im Jahr 1997. Damals wurden viele Häuser repariert und besser gegen Erdbeben gesichert, weshalb es nun keine weiträumige Zerstörung gab. Dennoch sind viele Häuser nicht mehr bewohnbar. Die Zahl der Italiener, die nun obdachlos geworden sind, beträgt daher mindestens 3000.

          Die Obdachlosen sollen an der Adriaküste untergebracht werden

          Neben den Wohnhäusern wurden zugleich viele Baudenkmäler wie Kirchen und Klöster schwer beschädigt. Erdrutsche, ausgelöst von den Beben und von schweren Regengüssen am selben Tag, haben zudem wichtige Verbindungsstraßen blockiert. Ministerpräsident Matteo Renzi reiste am Donnerstag nach Camerino und sagte, Italien lasse sich davon nicht aufhalten. Alles müsse wieder aufgebaut und die Universität von Camerino in die Lage versetzt werden, so schnell wie möglich den Lehrbetrieb wieder aufzunehmen. Zeltstädte wie nach dem Beben von Amatrice will die italienische Regierung dieses Mal gar nicht erst einrichten.

          Die Obdachlosen sollen wie viele bisherige Bewohner von Amatrice in Hotels an der Adriaküste untergebracht werden. Bis Ostern, so wurde den Bürgern von Amatrice versprochen, würden sie nahe an den bisherigen Siedlungen Fertighäuser aus Holz bekommen, von denen aus der Wiederaufbau der Dörfer begleitet werden soll. Die Regierung, der Katastrophenschutz und die lokalen Bürgermeister stemmen sich nach Kräften gegen eine Abwanderung aus den Erdbebengebieten, die schon dünn besiedelt waren. Wenn die Dorfgemeinschaften nicht erhalten bleiben, wird befürchtet, könnte das gesamte Wirtschaftsleben absterben.

          Renzi sieht sich mit dem neuen Erdbeben bestärkt in seiner Polemik gegenüber der Europäischen Kommission, die der Regierung keinen außerordentlichen Haushaltsspielraum für langjährige Programme zur Erdbebensicherung geben will. „Die Europäer haben nicht verstanden, dass man mit diesen Dingen keinen Spaß macht“, sagte Renzi. Er hatte angekündigt, dass er mit seinem Programm „Casa Italia“ jährlich mindestens vier Milliarden Euro für die Erdbebensicherung ausgeben und den Betrag als zusätzliche Schulden aufnehmen will. Die Europäische Kommission verweist auf die Regeln, die nur Ausgaben nach Katastrophen und den Wiederaufbau von zerstörten Orten von den allgemeinen Haushaltsregeln ausnehmen will. Alle anderen Investitionen müssen nach Ansicht der Brüsseler Experten innerhalb des normalen Haushaltsrahmens finanziert werden. Sprecher des Verbands der italienischen Bauingenieure finden es wiederum blamabel, dass Italien in den vergangenen Jahrzehnten nichts unternommen habe, um die Bauten sicherer zu machen. Erdbeben bis zu einer Stärke von 6,5 sollten die Häuser sicher überstehen.

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