https://www.faz.net/-gum-xw6q

Erdbeben in Chile : Die Zahl der Opfer steigt immer noch

  • Aktualisiert am

Viele Menschen verbringen aus Angst vor weiteren Nachbeben die Nächte im Freien Bild: AP

Nach dem schweren Erdbeben in Chile hat die Regierung die Zahl der registrierten Todesopfer inzwischen mit 711 angegeben. Der Ausnahmezustand wurde verhängt. In Concepción und anderen Städten kam es zu schweren Plünderungen.

          4 Min.

          Nach dem schweren Erdbeben in Chile hat die Regierung die Zahl der registrierten Todesopfer inzwischen mit 711 angegeben. Es werde weiter nach einer unbekannten Zahl von Vermissten gesucht, sagte Carmen Fernández vom Zentrum für Katastrophenschutz. Präsidentin Michelle Bachelet verhängte den Ausnahmezustand über die Regionen Biobío und Maule mit der Großstadt Concepción und ordnete die Verteilung von Medikamenten, Lebensmitteln und Decken an. Wir stehen vor einer Katastrophe von so großem Ausmaß, dass es einer gigantischen Anstrengung aller Teile der Gesellschaft bedarf, sie zu überwinden“, sagte die Staatschefin.

          In Concepción und anderen Städten kam es zu schweren Plünderungen. Daher wurde eine nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens verhängt. Der Ausnahmezustand gelte zunächst für 30 Tage, kündigte Bachelet an. Die Zahl der Vermissten nehme ständig zu und die Totenzahl werde weiter steigen. Von dem Erdbeben seien etwa zwei Millionen Menschen betroffen, so Bachelet.

          Die chilenische Luftwaffe habe 10.000 Mann entsandt, sagte Verteidigungsminister Francisco Vidal. Er räumte ein, dass es ein Fehler gewesen sei, nach dem Beben nicht die Gefahr eines Tsunamis in Betracht gezogen zu haben. Aus Orten entlang der Pazifikküste wurden große Schäden gemeldet. Das lokale Fernsehen zeigte Bilder von zerstörten Häusern und an Land gespülten Booten. Eine Flutwelle brachte viele Schiffe zum Kentern. Ein Schiff und unzählige Container wurden in die Hafenstadt Talcahuano geschleudert.

          In Talcahuano Port wurde dieses Fischerboot vom Tsunami an den Strand geschleudert

          Nach dem Hauptbeben am Samstagmorgen kam es immer wieder zu starken Nachbeben. In Concepción vermuten die Behörden noch viele Verschüttete unter den Trümmern eingestürzter Häuser, darunter 60 Menschen in einem 14-stöckigen Hochhaus. Viele Menschen verbringen aus Angst vor weiteren Nachbeben die Nächte im Freien.

          Die von der Katastrophe betroffenen Regionen waren stundenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Strom- und Wasserversorgung sind vielerorts noch immer unterbrochen. Auf zahlreichen Landstraßen ist die Asphaltdecke aufgerissen, zahlreiche Brücken sind unpassierbar oder eingestürzt.

          Erstmals bat Bachelet auch das Ausland um Hilfe. Chile benötige Unterstützung für Krankenhäuser, Behelfsbrücken, Kommunikationseinrichtungen, Rettungsexperten, Statiker und Wasserentsalzungsanlagen. „Die UN, insbesondere der Nothilfekoordinator, stehen bereit“, sagte Generalsekretär Ban Ki-moon in New York. Der gewählte Präsident Sebastián Piñera, der sein Amt am 11. März übernimmt, kündigte einen nationalen Plan „Wiederaufbau Chile“ an.

          Auf dem erheblich beschädigten internationalen Flughafen von Santiago landete am Sonntag erstmals wieder eine Passagiermaschine. Die EU-Kommission gibt drei Millionen Euro als Soforthilfe. Erste Hilfsmannschaften aus Deutschland machten sich auf den Weg ins Katastrophengebiet. Über deutsche Opfer lagen dem Auswärtigen Amt in Berlin keine Informationen vor.

          Die befürchteten Riesenwellen blieben aus

          Für nahezu die gesamte Pazifik-Region war nach dem mächtigen Beben Tsunami-Alarm gegeben worden, die Wassermassen trafen jedoch vor allem die chilenische Küste und richteten zusätzliche große Zerstörungen an. In Hawaii, Japan und Russland blieben die befürchteten Riesenwellen aus.

          Ein Erdbeben der Stärke 8,8 gilt als Großbeben. Damit war das Beben nach Einschätzung von Experten bis zu hundertmal heftiger als die Erdstöße der Stärke 7,0, die am 12. Januar Haiti erschüttert hatten. Das heftigste je auf der Erde gemessene Beben hatte eine Stärke von 9,5 und ereignete sich 1960 ebenfalls in Chile. Damals starben 1655 Menschen.

          Topmeldungen

          Der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, ruft dazu auf, Johnsons Abkommen abzulehnen.

          Nigel Farage : „Das ist einfach kein Brexit“

          +++ Jean-Claude Juncker empfiehlt Deal zur Annahme +++ Chef der Brexit-Partei und DUP lehnen Deal ab +++ EU-Gipfel beginnt um 15 Uhr +++ Alle Infos zum Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.