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Erdbeben in Bam : Rettung nach 13 Tagen

  • Aktualisiert am

Nach 13 Tagen unter den Trümmern gerettet Bild: AP

13 Tage nach dem Erdbeben im Iran ist ein 57jähriger Mann aus dem Trümmern eines Hauses lebend geborgen worden. Der Mann hat, geschützt durch ein Möbelstück, unter den Trümmern in einer Luftblase überlebt.

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          13 Tage nach dem Erdbeben im Iran ist ein 57jähriger Mann aus dem Trümmern eines Hauses lebend geborgen worden. Der Mann, dessen Name mit Dschalil angegeben wurde, liege seit seiner Rettung am Mittwoch abend in einem ukrainischen Feldlazarett im Koma, teilte ein iranischer Arzt am Donnerstag mit.

          Der Mann sei, geschützt durch ein Möbelstück, von iranischen Rettungskräften in den Ruinen von Bam gefunden worden. Retter hätten ihn am Vorabend geborgen. Sein Gesundheitszustand sei schlecht. Er wurde nach der Bergung am Mittwochabend in ein Feldlazarett in der vom Erdbeben verwüsteten Stadt Bam gebracht. Generell wird eine Rettung von Verschütteten nach drei Tagen als unwahrscheinlich angesehen.

          „Medizinisches Wunder nach dem göttlichen“

          „Wir versuchen unser Bestes, um dem göttlichen Wunder ein medizinisches folgen zu lassen“, sagte ein Arzt des ukrainischen Feldkrankenhauses, in dem der 57-Jährige behandelt wurde. Ein Sprecher des Roten Kreuzes ergänzte, der in kritischem Zustand befindliche Mann werde intensivmedizinisch betreut. Dschalil war den Angaben zufolge nur zwei Tage vor dem Beben aus der Region Belutschistan zu einem Besuch bei seinem Schwiegersohn, einem Soldaten, in das Dorf nahe Bam gekommen.

          Laut dem behandelnden Arzt Dr. Schad Nusch sei bei dem Mann weder etwas gebrochen noch verstaucht. Sein Körper sei aber völlig ausgetrocknet und er wird zurzeit von Ärzten auf der Intensivstation betreut. Wenn er die Nacht übersteht, habe er gute Chancen sich zu erholen, hieß es. Bei seiner Rettung habe der Mann kaum mehr als seinem Namen sagen können und sei sofort danach bewußtlos geworden. Nach den Angaben des Arztes war der Überlebender auch vorher krank gewesen.

          Das schwere Beben hatte die Region um Bam am 26. Dezember erschüttert und dort fast alle Häuser zerstört. Rund 30.000 Menschen wurden dabei getötet. Viele von ihnen wurden unter ihren aus Lehm gebauten Häusern begraben. Das Beben hatte eine Stärke von mindestens 6,3 auf der Richter-Skala. Zuletzt hatten Helfer am vergangenen Samstag noch eine über 90jährige Frau aus den Ruinen in Bam befreien können.

          Weitere Spenden nötig

          Die Internationale Föderation der Rotkreuz und Rothalbmond- Gesellschaften (IFRCS) in Genf rief unterdessen zu weiteren Spenden auf. Zur Hilfe für die Erdbebenopfer in der Region Bam werde mehr Geld benötigt. Die Organisationen nannten die Summe von 33 Millionen Euro. „Die Notfallphase wird ohne Zweifel noch mehrere Monate andauern“, sagte der Präsident der Föderation, Juan Manuel Suarez del Toro. Das Geld könne die Unterstützung von bis zu 210.000 Hilfsbedürftigen für die Dauer von acht Monaten gewährleisten.

          Der Südwesten des Landes wurde am Donnerstag von zwei weiteren Erdstößen erschüttert. Betroffen war nach Angaben des Geophysikalischen Instituts der Universität Teheran die an Erdöl und Erdgas reiche Region Massched Soleiman. Binnen zwei Tagen wurden insgesamt 30 Beben gemessen. Wegen der Erdbebengefahr hatte Präsident Mohammed Chatami am Mittwoch für den Südwesten des Landes die höchste Alarmstufe ausgerufen.

          „Medizinische Wunder“

          Medizinisch seien Fälle wie der des 57jährigen kaum zu erklären, sagte der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes am Potsdamer Sankt Josefs Krankenhaus, Matthias Klebe. In der Regel können Menschen nur drei Tage ohne Wasser überleben, dann wird das Gehirn mit Giftstoffen überschwemmt und schaltet ab. Immer wieder gibt es aber Fälle von Langzeitüberlebenden wie jenen des 57 Jahre alten Iraners Dschalil, sie gehören dem Katastrophenexperten Klebe zufolge in die Kategorie „medizinische Wunder“.

          Die größte Gefahr, die einem Verschütteten droht, ist das Verdursten. Ein Erwachsener sollte täglich etwa 1,5 bis zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, damit alle Körperfunktionen normal ablaufen können. Steht diese Menge nicht zur Verfügung, kommt es zu Austrocknungserscheinungen. Bei einem Verlust von fünf bis zwölf Prozent der Körperflüssigkeit entsteht bereits ein quälendes Durstgefühl und die Schleimhäute trocknen aus. Bei einem weiterem Verlust von etwa 20 Prozent tritt der Tod durch Verdursten ein. Zuvor wird der Betroffene allerdings bewußtlos: Weil die Nieren giftige Stoffwechselprodukte nicht mehr ausscheiden können, überschwemmen diese Gifte das Gehirn, das deshalb dann seine Arbeit einstellt.

          Verdursten als Hauptgefahr

          Der Flüssigkeitsverlust und damit die Überlebenschance ist abhängig von der Umgebungstemperatur. In der Wüste verdurstet ein Mensch schneller als in einer kalten Umgebung, wie nun etwa in Bam. Eine Rettung wie die des 57jährigen Mannes nach 13 Tagen ist in der Medizingeschichte allerdings einzigartig. Als Rekord galt bislang der Fall eines 19jährigen, der nach einem Beben im März 1977 in Bukarest nach elf Tagen unter den Trümmern eines Hochhauses lebend geborgen wurde.

          Jugend und Alter scheinen beim Langzeit-Überleben unter Trümmern aber keine Rolle zu spielen. Im September 1986 wurde eine 75jährige Frau zehn Tage nach dem Erdbeben im südgriechischen Kalamata gerettet, nachdem ihre Hilferufe von einem Paßanten gehört worden waren. Und bei dem Erdbeben im September 1985 in Mexiko-Stadt wurden noch sieben Tage nach der Katastrophe 41 neugeborene Säuglinge lebend gefunden. Diese so genannten Wunderbabys hatten nur überlebt, weil ihr Stoffwechsel mit minimaler Leistung gearbeitet hatte und sie keiner all zu starken Auskühlung ausgesetzt waren.

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