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Nach dem Erdbeben : Das Wunder von Lombok

Suche in den Trümmern: In manchen Fällen kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Bild: dpa

Auch zwei Tage nach den Erdbeben auf Lombok finden Helfer noch Überlebende unter den Trümmern. Die Bewohner der Insel leben dennoch in ständiger Angst: Eine weitere Katastrophe ist nicht auszuschließen.

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          Die Menge der Schaulustigen wird plötzlich unruhig, als die Rettungskräfte unter den Trümmern auf einen Körper stoßen. Schnell ist klar, dass die Frau unter den Überresten eines Minimart, eines indonesischen Kleinsupermarkts, am Leben ist. Die Menschenmenge erklärt die Rettung kurzerhand zu einem Wunder. „Allahu Akbar!“, rufen einige von ihnen im Chor, „Gott ist groß“.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Währenddessen wird die Frau auf einer Trage in einen Transporter geschafft. Anwohner erkennen sie. Es soll sich um eine rund 20 Jahre alte Frau mit Namen Nadia handeln. Sie hatte in dem Supermarkt gerade ihre Einkäufe erledigt, als am Sonntagabend das Erdbeben die Insel Lombok erschütterte. Im Gesicht wirkt sie bleich, die schwarzen Haare sind mit Betonstaub verklebt. Aber sie lebt. Sie kann sogar reden. Die Retter fragen sie, ob weitere Personen in den Trümmern lägen. Das verneint die Frau. Dann wird sie unter Sirenengeheul davongefahren.

          Über mehrere Stunden hatten die Rettungskräfte versucht, die Frau aus dem Schutt zu holen. Nachbarn hatten zuvor Hilferufe gehört. Mit bloßen Händen, Werkzeugen und Maschinen wurde sie schließlich befreit. Zuvor hatte sie zwei Nächte unter dem Berg aus Steinen, Geröll und Holzbalken gelegen. Nächte, die nur von Nachbeben und leichten Regenfällen unterbrochen waren. Selbst für Menschen, die nicht unter Trümmern begraben waren, waren es Stunden der Qual. Hunderte Touristen hatten sie auf großen Matten liegend im Flughafen der Insel verbracht. Viele Einheimische schliefen unter Zeltplanen, von der ständigen Angst vor einem neuen Beben und einem möglichen Tsunami begleitet.

          Ohne Kran ist es unmöglich

          Immerhin ist die Insel binnen einer Woche zweimal von starken Erschütterungen heimgesucht worden. Fachleute vermuten, dass das Beben der Stärke 6,9 am Sonntag und das der Stärke 6,4 eine Woche zuvor miteinander zusammenhängen. Niemand wagt es auszuschließen, dass nicht noch eine dritte Katastrophe folgen könnte. Dabei ist die Insel mit zwei Beben in so kurzer Zeit geschlagen genug. Die Zahl der Toten ist auf 105 gestiegen. Die Behörden rechnen damit, dass es mehr werden könnten. Sie haben Schwierigkeiten, einige abgelegene Dörfer im Norden der Insel zu erreichen, die besonders schwer vom Beben getroffen sind. Selbst in den leichter zugänglichen Gebieten sind längst nicht alle Opfer und mutmaßlichen Überlebenden geborgen.

          Gerettet: Zwei Tage lag diese Frau unter Trümmern begraben.

          In dem Ort Pemenang ist eine Moschee völlig in sich zusammengefallen. Das Dach mit dem Zwiebelturm sitzt auf einem Berg aus Geröll. Vor dem Treppeneingang liegen die staubigen Sandalen der Muslime, die bei dem Beben panisch aus dem Gebäude gerannt waren oder die noch unter den Trümmern liegen. Daneben steht ein junger Mann, der verstört wirkt. Er stellt sich mit seinem Vornamen Edi vor und sagt, dass seine Schwiegermutter unter dem Geröll liege. Andere Anwohner schätzen, dass noch drei bis vier Personen unter dem Schuttberg sein könnten – oder auch mehr. Am Abend des Bebens hätten sie Stimmen vernommen. Mittlerweile seien sie verstummt. Die Rettungskräfte stehen auf dem kollabierten Dach der Moschee, und suchen nach einem Weg, die schweren Betonteile zur Seite schaffen zu könne. Einer der Helfer sagt, ohne Kran wäre es unmöglich. Der sei schon bestellt, aber man wisse nicht, wann er eintreffen werde.

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