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Eingestürzte Brücke : Plötzlich weggesackt

Der französische Präsident Emmanuel Macron bot der italienischen Regierung Hilfe an: „Frankreich ist an der Seite Italiens und hält sich bereit, jede notwendige Hilfe zu leisten.“ Seine Gedanken seien bei den Opfern, den Angehörigen und dem ganzen italienischen Volk, hieß es in seiner auch ins Italienische übersetzten Botschaft aus dem Elysée-Palast. Der Pfarrer des Stadtteils Sampierdarena rief zum Gebet auf. Am späten Nachmittag hielt Priester Massimiliano Moretti in der Kirche Santa Zita unweit des eingestürzten Brückenabschnitts eine Gedenkgottesdienst. Auch der Genueser Weihbischof Nicolò Anselmi rief zum Gebet für die Opfer und ihre Angehörigen auf.

Meisterwerk der Ingenieurskunst

Die Morandi-Brücke war von 1962 bis 1967 gebaut worden und galt wegen ihrer Schrägseilkonstruktion und der besonderen Form der Pylonen als Meisterwerk der Ingenieurskunst und des Brückenbaus. Zuletzt wurde im Jahr 2016 eine Gesamtüberholung abgeschlossen. Der Autobahn-Betreiber Autostrade teilte mit, es seien weiter Arbeiten im Gange gewesen, um das Fundament der Fahrbahn auf dem Viadukt zu verstärken. „Die Arbeiten und der Gesamtzustand der Brücke wurden ständig überwacht“, teilte das Unternehmen Atlantia mit, das Mehrheitseigentümer der italienischen Maut-Autobahnen ist.

„Die Einsturzursache wird gründlich untersucht, sobald es möglich ist, die Unglücksstelle zu betreten.“ Atlantia wird von der Familie Benetton kontrolliert. Der Konzern ist international tätig und hatte sich jüngst mit dem deutschen Bauunternehmen Hochtief verbündet, um den spanischen Betreiber von Maut-Autobahnen Abertis zu übernehmen. Die Aktien von Autostrade brachen nach der Katastrophe um 8,8 Prozent ein, der Handel mit den Aktien an der Mailänder Börse wurde ausgesetzt.

Das schwerste Brückenunglück seit Jahrzehnten dürfte die ohnedies hitzige politische Debatte über den Zustand der Infrastruktur des Landes zusätzlich anheizen. Viele Straßen und Brücken sind nach Jahren der Wirtschaftskrise stark überholungsbedürftig. Im März vorigen Jahres kam ein Paar ums Leben, als bei Ancona an der Adriaküste eine über eine Autobahn führende Brücke auf ihr Auto stürzte. Im Oktober 2016 wurde ein Rentner in seinem Auto auf einer Schnellstraße zwischen Mailand und Lecco von Brückenteilen tödlich getroffen. Gewöhnlich sind die vom privaten Autobahnbetreiber Autostrade unterhaltenen Straßen und Brücken in einem besseren Zustand als jene, für die die öffentliche Hand zuständig ist.

Die Linkspopulisten von den Fünf Sternen, die bei den Parlamentswahlen vom März die meisten Stimmen bekommen hatten und seit Juni mit der Lega die Koalitionsregierung führen, sind im Allgemeinen gegen große Infrastrukturprojekte. Neben dem Verkehrsministerium unter der Führung von Minister Toninelli besetzen die Fünf Sterne im Kabinett weitere Schlüsselposten, die für Verkehrsprojekte und die Infrastruktur zuständig sind.

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