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Eingeschlossenes Forschungsschiff : Rohes Neues Jahr

  • -Aktualisiert am

Gefangen im ewigen Eis: die „MV Akademik Shokalskiy“ am Sonntag. Bild: REUTERS

Die Passagiere der „Akademik Shokalskiy“, die mit ihrem Schiff seit vier Tagen im antarktischen Packeis feststecken, müssen weiter ausharren. Schlechtes Wetter machte die Rettung bislang unmöglich.

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          Die 74 Forscher und Touristen an Bord des im Eis feststeckenden Forschungsschiffes „Akademik Shokalskiy“ werden das neue Jahr festgefroren im ewigen Eis begrüßen. Am Sonntag schmolz die letzte Hoffnung auf schnelle Rettung dahin, als auch der australische Eisbrecher „Aurora Australis“ den Versuch aufgeben musste, die eingeschlossene Schiff zu erreichen. 18 Kilometer vor dem Ziel drehte Kapitän Murray Doyle ab, die Mission war für sein eigenes Schiff zu gefährlich. „Das Eis war zu dick, es gab keinen Weg vorwärts mehr“, sagte Doyle der Reporterin einer australischen Zeitung an Bord seines Schiffes. Eiskalter Wind im antarktischen Hochsommer, Schneetreiben und dichter Nebel machten es unmöglich, weiter vorzudringen, ohne zu riskieren, selbst eingeschlossen zu werden. An diesem Dienstag will die „Aurora“ einen neuen Vorstoß wagen.

          Das Forschungsschiff „Akademik Shokalskiy“ war auf dem Rückweg nach Neuseeland 2800 Kilometer südlich von Hobart, der Hauptstadt des australischen Inselstaates Tasmanien, am ersten Weihnachtstag im Eis eingeschlossen worden. Ein chinesischer Eisbrecher musste am Samstag aufgeben, ein französisches Schiff verzichtete danach auf einen eigenen Versuch.

          Die Forscher und zahlenden Passagiere auf der unter russischer Flagge fahrenden „Akademik Shokalskiy“ befanden sich auf den Spuren des berühmtesten australischen Antarktisforschers, Sir Douglas Mawson, dessen Abbild zwölf Jahre lang den australischen 100-Dollar-Schein zierte. Mawson führte von 1911 bis 1914 die erste australische Antarktis-Expedition an. So schwierig wie für ihn wird es für die heutigen Abenteurer wohl nicht werden: Mawson musste über Hunderte von Meilen einsam zum Basislager zurückmarschieren, nachdem seine zwei Begleiter Xavier Mertz und Belgrave Ninnis bei einer Erkundung umgekommen waren. Weil Ninnis mit fast allen Vorräten in eine Gletscherspalte gefallen war, verspeiste Mawson die Grönlandhunde.

          Von solchen Notlagen kann auf der „Akademik Shokalskiy“ keine Rede sein. Nach Auskunft des Expeditions-Sprechers Alvin Stone ist noch frisches Essen für zwei Wochen an Bord – auch das Silvestermenü ist also gesichert. Zudem ist Trocken-Proviant für weitere 14 Tage vorhanden. Bis dahin hoffen die Eingeschlossenen auf eine erfolgreiche Rettung. Die „Aurora Australis“ wird in der Nähe bleiben, ihr Kapitän und die Besatzung warten auf bessere Wetterbedingungen.

          Fröhliche Stimmung in eiskalter Umgebung: Die Passagiere des eingeschlossenen Forschungsschiffs lächeln für die Kamera Bilderstrecke

          Einige werden aber auf eine besonders harte Geduldsprobe gestellt. Unter den Passagieren befinden sich nämlich Wissenschaftler, die schon seit Monaten Forschungsstationen im Eis besetzt hatten, einige waren sogar mehr als ein Jahr lang nicht zu Hause. Trotzdem ist die Stimmung gut. Passagier John Black teilt in seiner jüngsten Video-Botschaft von Bord mit: „Schnee fliegt überall rum, es ist verdammt kalt. Allen an Bord geht es gut. Wir erleben ein phantastisches Abenteuer!“

          Sollte es weder der „Aurora“ noch einem anderen Schiff gelingen, die „Akademik Shokalskiy“ zu erreichen, müssten die Passagiere und Besatzungsmitglieder möglicherweise mit einem Hubschrauber gerettet werden, der an Bord des chinesischen Eisbrechers ist; auch dafür war am Montag aber das Wetter zu schlecht. „Man muss die Unsicherheit akzeptieren, wenn man nach Süden reist“, sagte Wissenschaftler Grant Hose von der „Aurora Australis“. „Wir würden natürlich auch darauf hoffen, dass uns jemand rettet, wenn wir in Schwierigkeiten kommen.“

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