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Eine Mutter in Tokio : „Wir werden hierbleiben und normal leben“

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Nur an Familien mit Kindern wurden vergangene Woche Wasserflaschen ausgegeben Bild: dpa

Keiko Fukunaga, eine Mutter in Tokio, berichtet über den Alltag in der Hauptstadt nach dem Atomunfall. Badewanne und Kochtöpfe hat sie mit Wasser gefüllt, und bevor sie die Waschmaschine anstellt, informiert sie sich über geplante Stromkürzungen. Weggehen will sie aber nicht.

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          Ich war früher Sachbearbeiterin und bin jetzt Hausfrau und mit meinem Sohn Kentaro, der eineinhalb Jahre alt ist, zuhause. Ich wohne in Zama, das auch zum Großraum Tokio gehört. Wir sind hier in der Nachbarschaft eines amerikanischen Militärstützpunktes. Die amerikanische Regierung hat den Familienangehörigen, die auf dem Stützpunkt leben, schon gleich nach dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima gesagte, sie sollten nicht vor die Tür gehen. Und in der vergangenen Woche wurden die Familien der amerikanischen Soldaten aus Japan ausgeflogen. Das beunruhigt mich schon, aber ich denke, wenn ich an der Stelle dieser Familien wäre, würde ich auch nach Hause fliegen.

          Als ich davon hörte, dass in Tokio das Trinkwasser radioaktiv belastet und für kleine Kinder nicht mehr sicher ist, dachte ich nur, wir haben doch schon so genügend Sorgen. In unserem Supermarkt gab es am Tag nach der Warnung kein Flaschenwasser mehr. Nur an Familien mit kleinen Kindern wurde Wasser ausgegeben. Ich habe auch sicherheitshalber eine Flasche gekauft. Jetzt soll zwar das Wasser wieder gut sein, aber ich bin trotzdem vorsichtig. Ich habe Wasser in die Badewanne und in Töpfe gefüllt. Alle Familien mit kleinen Kindern machen sich die größten Sorgen um die Sicherheit des Wassers.

          Gemüse aus Regionen, fern von Fukushima

          In den Vierteln rund ums Zentrum gibt es Stromausfälle, wir waren noch nicht betroffen, vielleicht, weil wir zu demselben Stromkreis gehören, der den amerikanischen Stützpunkt versorgt. Trotzdem baue ich vor. Ich koche Reis jetzt nicht mehr mit dem Elektrokocher, sondern auf dem Gasherd. Und ich informiere mich über geplante Stromkürzungen, bevor ich die Waschmaschine einschalte. Ich schaue täglich Fernsehen, auch um die Warnungen vor neuen Erdbeben zu verfolgen.

          Beim Einkaufen passe ich genau auf. Ich wähle sorgfältig Gemüse aus Regionen aus, die möglichst weit vom Kernkraftwerk Fukushima entfernt sind. Dass das Meerwasser kontaminiert wurde, war zu erwarten. Wir essen noch Fisch, achten aber darauf, woher er kommt. Ich fühle mich nicht ausreichend informiert. In der Presse werden uns immer nur Zahlen genannt, es fehlt uns eine Darstellung, wie genau diese Strahlen auf uns wirken und wie gefährlich sie sind. Es wäre besser wenn sie im Fernsehen mehr erklären würden.

          Ich selbst habe noch nicht daran gedacht, aus Tokio wegzugehen. Auch wenn es noch länger dauert, werden wir hier bleiben und normal leben. Alle Freundinnen und Mütter, die ich kenne, sorgen sich. Sie sagen, „wie fürchterlich“ und „ wie nervenaufreibend“, aber wir reden fast nie von konkreten Maßnahmen. Alle machen sich Sorgen, aber sie wissen nicht, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollten. Nach dem Erdbeben sind wir eine Zeitlang nicht vor die Tür gegangen, aus Angst vor Nachbeben. Aber jetzt gehen wir wieder ganz normal nach draußen. Man kann ein kleines Kind nicht den ganzen Tag in der Wohnung lassen.

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