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Ein Jahr nach dem Tsunami : Wieder ein Haus, eine Frau und Kinder

  • -Aktualisiert am

Banda Aceh - ein Jahr ist vergangen Bild: AP

Die internationale Hilfe für die Tsunami-Opfer ist beispiellos, doch der Wiederaufbau dauert länger als erwartet. Erst einmal müssen die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Eine besondere Herausforderung in Orten, in denen die meisten Bewohner nicht überlebt haben.

          Zusammengekauert, die kräftigen Arme über den Knien verschränkt, sitzt Muntaran im Schatten eines einfachen Holzhauses. Es ist nicht sein eigenes, sondern nur eine Art Modell, aber in spätestens sechs Monaten, hofft er, eines wie dieses zu besitzen.

          Gewißheit hat er nicht. Viel ist den Menschen in Lampuuk schon versprochen worden. Doch der Wiederaufbau dauert länger als erwartet, viel länger.

          Die Arbeit ließ ihn überleben

          Wieder ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben würde ihn „ruhiger“ machen, sagt Muntaran. Es gäbe ihm ein Gefühl größerer Sicherheit, wenn er abends nach der Arbeit an einen Ort zurückkehren könnte, an dem er sich zu Hause fühlt. Er klagt nicht, und er will auch der Regierung nicht vorwerfen, daß alles nur schleppend langsam vorangeht. Gelassen - oder vielleicht noch immer verstört - hat er sich, wie es scheint, ganz seinem Schicksal ergeben: Ein Mann von 42 Jahren, der alles verloren hat und versuchen muß, so gut er kann von vorn zu beginnen.

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          Muntaran hat nicht miterlebt, wie am Morgen des 26. Dezember die verheerende Flutwelle Tod und Zerstörung über sein Dorf brachte. Weil er damals auf einer Großbaustelle im Süden der Provinz Aceh arbeitete, ist er am Leben geblieben. Seine Frau, seine zwei Kinder hat er nie wiedergesehen. Sein Haus gibt es nicht mehr. Nur ein Bruder ist von der Familie übriggeblieben.

          Die Welle trug sie fort

          Fast 7000 Männer, Frauen und Kinder wohnten vor dem Tsunami in Lampuuk. Überlebt hätten nur 1000, heißt es. Und nur etwa 200 Frauen. In einem bestürzend einfachen Massengrab nahe am Strand, das nur durch ein unauffälliges Schild und eine niedrige, das gepflegte Rasenstück einhegende Mauer aus vorgefertigten Betonteilen gekennzeichnet ist, hat man die Toten begraben. Jedenfalls die, die gefunden wurden. Es waren aber nur ganz wenige Kinder darunter. Die Kinder, sagen sie in Lampuuk, habe das Meer bestattet.

          Unvorstellbar, was sich vor einem Jahr hier abgespielt haben muß. Auch Onisah, die sagt, sie erinnere sich an jede Einzelheit, kann es nicht richtig schildern, obwohl die Übersetzerin sich große Mühe gibt: Zuerst war da ein ohrenbetäubender Lärm, dann riefen einige, das Wasser komme, Onisah lief einfach nur weg, um die flachen Hügel am anderen Ende des Dorfes zu erreichen, irgendwann wurde sie von der Welle erfaßt und fortgetragen, konnte sich aber an einem Gestrüpp festhalten und war gerettet. Ihr Mann hat auch überlebt. Von Kindern spricht sie nicht.

          Ein gähnend leeres, flaches Stück Land

          Zehn oder fünfzehn Meter hoch sollen die Wellen des Tsunami gewesen sein. Französische Fachleute haben sogar Höhen von bis zu zwanzig oder dreißig Metern ermittelt und sprechen von drei oder mehr aufeinanderfolgenden Wellen aus leicht unterschiedlichen Richtungen. Wie eine gewaltige Faust haben sie alles, was Lampuuk einmal war, erbarmungslos zerschmettert. Nur die Rahamatulla-Moschee mit ihren merkwürdigen, an Zwiebeltürme erinnernden Kuppeln hat auf wundersame Weise der Vernichtung widerstanden, obwohl sie in nur 700 Meter Entfernung vom Strand gebaut wurde.

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