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Ein Jahr nach dem Seebeben : „Wir beten für die Seelen unserer Lieben“

  • Aktualisiert am

Ein Frau aus Sri Lanka gedenkt der Toten Bild: REUTERS

Vor einem Jahr prallte der Tsunami in Thailand, Indonesien und vielen anderen Ländern Asiens auf die Küste. Überall an den tropischen Stränden hielten nun die Menschen inne und gedachten derjenigen, die damals in den Fluten umkamen.

          In Sri Lankas Hauptstadt war am Jahrestag des Tsunami vom angekündigten Gedenken nur wenig zu spüren. Zwar hatte die Regierung alle Bürger aufgerufen, am zweiten Weihnachtstag um genau 9.24 Uhr, also genau ein Jahr nachdem die erste von drei bis zu zehn Meter hohen Flutwellen die Küste getroffen hatte, zwei Schweigeminuten für die getöteten Srilanker zu halten. Doch kaum jemand in Colombo folgte dem Aufruf der Regierung. Nicht einmal sie selbst: Denn während die britische Botschaft ihre Nationalfahne zum Gedenken auf Halbmast gesenkt hatte, flatterte Sri Lankas Flagge auf dem Sitz des Staatspräsidenten an der Spitze des Mastes.

          Anders dagegen das Bild in den vom Tsunami betroffenen Küstenregionen Sri Lankas: In dem etwa 800 Kilometer langen Streifen, der in südlichen Vororten Colombos beginnt und sich über Galle, Batticaloa bis nach Jaffna im Norden zieht, hatten die Flutwellen etwa 35.000 Tote gefordert. Mehr als eine halbe Million Menschen verloren ihr Hab und Gut. 100.000 Häuser wurden ganz oder teilweise zerstört. Die zentrale Gedenkfeier fand in Pereliya im Süden des Inselstaates statt. Unser linkes Bild zeigt das Gedenkmonument und einen trauernden Soldaten. In dem Ort hatten die Flutwellen einen vollbesetzten Schnellzug aus den Gleisen geworfen, bei dem schweren Zugunglück waren mehr als 1200 Menschen getötet worden.

          In der Trauer auf sich allein gestellt

          In Sri Lanka gab es - zwölf Monate nach der verheerendsten Naturkatastrophe des Landes - eine unüberschaubare Vielzahl von Gedenkfeiern (siehe auch: Video: Gedenken an Tsunami-Opfer): In christlichen Kirchen finden Gedenkgottesdienste statt, in buddhistischen Tempeln Gebetszeremonien, Kinder lassen am Strand Luftballons der Hoffnung steigen, Politiker danken für die internationale Hilfe. Die vielen Hilfsorganisationen nutzen die Aufmerksamkeit der Medien, um Betroffenen neue Häuser zu übergeben, Schulen zu eröffnen oder Grundsteine für Krankenhäuser zu legen.

          Ein Frau aus Sri Lanka gedenkt der Toten Bilderstrecke

          Und die Überlebenden selbst? Viele sind im Gedenken und in ihrer Trauer weitgehend auf sich allein gestellt. Einige zehntausend leben auch ein Jahr nach der größten Naturkatastrophe in der Geschichte noch immer in Notunterkünften. Nur etwa 5000 neue Häuser sind in diesem Jahr für die Opfer aufgebaut worden. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von der langsamen Planung über die Inkompetenz von Hilfsorganisationen und Regierungsbehörden gleichermaßen bis hin zur Korruption, einem Grundübel in vielen asiatischen Ländern. Dabei ist Notunterkunft nicht gleich Notunterkunft. So sind die Hütten im Lager Thiraimadu bei Batticaloa an Sri Lankas Ostküste beispielsweise aus Wellblech. Es gibt sogar eine Gemeinschaftshütte mit Fernsehen. Wenige Kilometer entfernt aber liegt das nächste Camp: In Sigaram sind die Wände der Hütten zwar auch aus Wellblech, ihre Dächer aber nur aus Palmstroh und daher undicht. In einem dritten Camp der Gestrandeten, in Payagala im Süden der Insel, leben Glückliche und Vergessene dicht nebeneinander. Die Glücklichen haben durch die Unterstützung des Hilfswerkes Caritas neue Häuser. Die Vergessenen nebenan leben in armseligsten Verschlägen, die sie sich selbst nach dem Tsunami aus den Trümmern ihrer zerstörten Häuser gezimmert haben - auch ein Jahr nach der bislang wohl größten Hilfsaktion der Geschichte.

          Sri Lanka steht wieder am Rand eines Bürgerkriegs

          Die Menschen im Landesinneren Sri Lankas schauen mit zunehmendem Neid auf die Küstenregionen, wo internationale Hilfsorganisationen zerstörte Krankenhäuser, Schulen, Sportanlagen und Wohnhäuser, geleitet vom Prinzip einer nachhaltigen Entwicklungshilfe, wieder aufbauen und auf den modernsten Stand bringen. Ein Standard, von dem viele Orte, die nicht von der Flut zerstört wurden, nur träumen können.

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