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Ein Jahr nach dem Seebeben : „Wir beten für die Seelen unserer Lieben“

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Vor allem aber ist Sri Lanka ethnisch gespalten in den tamilischen Norden und den singhalesischen Süden. Anders als im indonesischen Aceh, wo in den Monaten nach der Katastrophe ein Friedensabkommen zwischen der islamischen Unabhängigkeitsbewegung und der indonesischen Regierung unterzeichnet werden konnte, wurde in Sri Lanka die Tsunami-Katastrophe nicht als Chance begriffen, den Konflikt politisch zu lösen. Zwölf Monate nach dem Tsunami, 36 Monate nach einem brüchigen Waffenstillstand steht Sri Lanka wieder am Rand eines Bürgerkriegs. Es vergeht kaum ein Tag ohne blutige Anschläge der tamilischen Befreiungsorganisation auf Regierungstruppen oder tamilischer Attentate. Während der Christmette wurde im Osten des Landes ein Parlamentarier erschossen.

„Wir beten für die Seelen unserer Lieben“

In der indonesischen Provinz Aceh hielten Trauernde am zweiten Weihnachtstag um 8.16 Uhr Ortszeit inne, als eine Sirene zu genau dem Zeitpunkt heulte, an dem die Flut vor einem Jahr das Land erreichte. Der Tag des Gedenkens hatte mit einer Trauerfeier in der Ulee-Lheu-Moschee am Stadtrand von Banda Aceh begonnen, dem einzigen Gebäude der Gegend, das das Beben und die Flutwelle fast unbeschadet überstand.

Die etwa 500 Gäste, darunter Vertreter aus rund 90 Ländern, legten eine Schweigeminute für die Toten ein. „Wir beten für die Seelen unserer Lieben, ob sie gefunden wurden oder immer noch vermißt werden“, sagte der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono. Er hob bei der Gedenkzeremonie die Entschlossenheit der Überlebenden zum Neuanfang hervor. „Sie erinnern uns daran, daß das Leben schön und es den Kampf wert ist.“ Anschließend besuchte Yudhoyono ein Massengrab, in dem rund 47.000 Tote beerdigt wurden. Auf unserem Bild (rechts oben), das in der Nähe von Banda Aceh entstand, schauen eine Frau und ihre Tochter auf den Indischen Ozean - die Häuser sind noch nicht wieder aufgebaut.

„So brutal, so schnell, so umfassend“

Am schwersten wurde bei der Jahrhundertkatastrophe vom 26. Dezember 2004 der Norden der indonesischen Insel Sumatra getroffen, wo schätzungsweise 170.000 Menschen starben. UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in einer Videobotschaft, die während der Zeremonie in Banda Aceh gezeigt wurde, die Katastrophe sei „so brutal, so schnell und so umfassend gewesen, daß es uns immer noch schwerfällt, sie ganz zu begreifen“. Der UN-Sonderbeauftragte zur Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe, der ehemalige amerikanische Präsident Clinton, sagte per Videobotschaft, daß beim Wiederaufbau zwar schon einiges geschehen sei, daß aber „noch viel mehr“ getan werden müsse.

Zu den Feierlichkeiten in Thailand waren besonders viele Angehörige von ausländischen Touristen - darunter auch viele Deutsche - angereist, die von den Flutwellen getötet worden waren. Auf unserem Bild (rechts unten) setzt eine Angehörige am Strand von Khao Lak eine Kerze aus. Etwa die Hälfte der nach offiziellen Angaben etwa 5400 Todesopfer in Thailand waren westliche Urlauber. Der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra dankte allen in- und ausländischen Helfern, die sich „leidenschaftlich und in Selbstaufopferung“ um die Betroffenen gekümmert hätten.

Gedenken an den Tsunami-Stränden

Bei Feierlichkeiten an der Südküste Indiens sowie auf der indischen Inselkette der Andamanen und Nikobaren kamen Überlebende ebenfalls zu Gebeten zusammen und weihten Gedenkstätten für die mehr als 12.000 Toten ein. Im Bundesstaat Tamil Nadu versammelten sich über 1000 Schulkinder an einem Strand, an dem mehr als 300 von der Flut getötete Kinder begraben sind. In Tamil Nadus Hauptstadt Chennai blieben die Fischerboote im Hafen. Als Zeichen der Trauer standen die Fischer am Meer, jeder mit einer schwarzen Flagge in der Hand.

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