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Love Parade-Prozess : Letzte Hoffnung Tatsachenfeststellung

Ort des Unglücks: Die Loveparade-Gedenkstätte in Duisburg erinnert an die 21 Toten. Bild: dpa

Ein Jahr nach Beginn des Prozesses um die Love Parade zeichnet sich ab, was viele befürchten: Es wird wohl kein Urteil geben. Eine letzte Hoffnung für die Betroffenen könnte die Tatsachenfeststellung sein.

          Genau ein Jahr ist es her, dass im großen Sitzungssaal des Kongresszentrums der Messe Düsseldorf der Strafprozess zur Love-Parade-Katastrophe begann. An bisher 88 Prozesstagen verhandelte die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg dort, weil es in ihrem Dienstgebäude rund 25 Kilometer rheinabwärts keinen ausreichend großen Raum für das Mammutverfahren gibt. Zwar hat das Gericht bis ins Frühjahr 2019 Termine festgelegt. Doch es zeichnet sich ab, dass das Verfahren bald ohne Urteil enden könnte – und das, obwohl der vom Gericht bestellte Gutachter Jürgen Gerlach im nun vorgelegten letzten Teil seiner Expertise zu eindeutigen Ergebnissen kommt. Demnach war schon in der Planungsphase klar, dass das Veranstaltungsgelände für das Massenspektakel nicht geeignet war. Zudem hätte die Katastrophe durch einen „frühzeitigen koordinierten Abbruch“ auch am Veranstaltungstag noch verhindert werden können.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Bei dem Techno-Spektakel Love Parade wurden am 24. Juli 2010 auf dem viel zu schmalen Zugangsweg zum ehemaligen Duisburger Güterbahnhof 21 junge Menschen im Gedränge zu Tode gequetscht, mehr als 600 Personen wurden verletzt. Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung müssen sich sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Angestellte von Lopavent, der privaten Veranstalterfirma, verantworten. Lopavent gehörte dem Fitness-Studio-Betreiber Rainer Schaller. Er selbst zählte nie zu den Beschuldigten – ebenso wenig wie der damalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU).

          Für die Opfer und die Angehörigen, die als Nebenkläger an der Hauptverhandlung teilnehmen, verlief der Prozess von Anfang an quälend. Schwer enttäuscht waren sie darüber, wie sich Schaller und vor allem Sauerland im Mai als Zeugen im Verfahren präsentierten. Der frühere Oberbürgermeister wies im Mai jede Verantwortung von sich und ließ die Chance ungenutzt verstreichen, sich endlich mit einer persönlichen Erklärung an die Opfer und Hinterbliebenen zu wenden. Das tat Schaller dann zwar, ansonsten war der Fitness-Unternehmer aber peinlichst darauf bedacht, sich nicht selbst zu belasten.

          Die Anwälte der Nebenkläger sind alarmiert

          Die Beweisführung in dem spektakulären Verfahren ist schwierig. Wer ist konkret für welchen Planungsfehler verantwortlich? Was genau ist die individuelle Schuld jedes Angeklagten? Als das Gericht im September ankündigte, außerhalb der Hauptverhandlung ein Rechtsgespräch mit allen Verfahrensbeteiligten führen zu wollen, schlugen einige der Nebenkläger-Anwälte Alarm. Allem Anschein nach sei auch die Anklagebehörde bereit, „den vom Gericht aufgezeigten Weg zu einer Verfahrenseinstellung mitzugehen“, mutmaßten neun der 65 Rechtsbeistände in einem Brandbrief an den nordrhein-westfälischen Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Der Minister müsse der Anklagebehörde durch eine Weisung untersagen, der Einstellung des Prozesses zuzustimmen. Biesenbach wies die Bitte freundlich, aber bestimmt zurück. Er respektiere die „inhaltliche Unabhängigkeit“ der Staatsanwaltschaft, weshalb er von seinem Weisungsrecht grundsätzlich nicht Gebrauch mache.

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