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Evakuierung wegen Brandgefahr : Eigentümer des Hochhauses in Wuppertal reagieren

  • Aktualisiert am

Niemand darf in dem Elf-Etagen-Haus bleiben. Bild: EPA

In vielen deutschen Städten nehmen die Behörden Hochhäuser jetzt genau unter die Lupe. In Wuppertal will die zuständige Immobilienfirma die Fassade des geräumten Hochhauses entfernen.

          Nach der Räumung eines Wuppertaler Hochhauses wegen Brandschutzmängeln wollen dessen Eigentümer jetzt aktiv werden. „Das Bauamt hat einen Wiederbezug zugesagt, sobald die Fassade entfernt ist und alle sicherheitstechnischen Mängel behoben sind“, betonte die in Berlin ansässige Immobilienfirma Intown und versicherte: „Wir sind bereits dabei, dies in die Wege zu leiten und durchzuführen.“ Bislang hatte die Firma nach Darstellung der Stadtverwaltung nicht auf Hinweise zum mangelnden Brandschutz an dem elfstöckigen Gebäude mit 86 Wohnungen reagiert. Intown hat das 60 Jahre alte Haus nach eigenen Angaben 2013 erworben.

          In vielen Städten nehmen die Behörden Hochhäuser jetzt genau unter die Lupe. Eine Liste infrage kommender Gebäude erstellt derzeit unter anderem die Bauaufsicht der Stadt Recklinghausen, wie eine Sprecherin mitteilte. In Bielefeld prüft die Bauaufsicht, an welchen Hochhäusern in den vergangenen Jahren an den Fassaden gearbeitet wurde und welche Stoffe dabei verarbeitet wurden. Entscheidend für die Räumung in Wuppertal war die Brennbarkeit der Fassade in Verbindung mit unzureichenden Fluchtwegen.

          Angesichts brennbarer Bestandteile der Fassade ist das Hochhaus in Wuppertal geräumt worden.

          Auch das Bauordnungsamt der Stadt Münster will Hochhäuser überprüfen. Eine Sprecherin der Bonner Stadtverwaltung sagte: „Die Abteilung Brandschutz der Feuerwehr ist an dem Thema dran und überprüft die Aktenlage. Nach derzeitigem Stand ist der Eindruck, dass wir keine Fälle wie in Wuppertal haben.“ Auch in Bottrop sieht weder die Feuerwehr noch die Bauaufsicht Handlungsbedarf, wie eine Stadtsprecherin mitteilte. In Köln hieß es: „Bauaufsicht, Stadtplanung und Feuerwehr sind zu dem Thema in Beratungen.“

          In Wuppertal selbst wurden die Eigentümer von 70 Hochhäusern schriftlich um den Nachweis gebeten, dass die Fassaden ihrer Gebäude vor Flammen sicher seien. Außerdem guckt sich die Stadt die Fluchtwege genauer an.

          Etwa die Hälfte der rund 70 Bewohner des Wuppertaler Hauses wurden nach Angaben von Stadtsprecherin Marita Eckermann in städtischen Wohnungen untergebracht, die anderen fanden selbst ein Dach über dem Kopf. Auch die Firma Intown bot nach eigenen Angaben Ersatzwohnungen an. Am Mittwoch konnten viele Betroffene wenigstens die wichtigsten Gegenstände aus ihren Wohnungen holen. Städtische Mitarbeiter achteten darauf, dass niemand in dem Gebäude bleibt.

          70 Bewohnern leben in dem zum Teil leerstehende Gebäude mit 86 Wohnungen

          Der Brand des Grenfells Towers in London mit mindestens 79 Toten habe zu einer Neubewertung der bereits bekannten Mängel an dem Haus in Wuppertal geführt, erläuterte der zuständige Ressortchef der Stadt, Jochen Braun. Die Feuerwehr habe eine Probe der Hochhaus-Fassade untersucht und festgestellt, wie schnell entflammbar die sei. Als die Verantwortlichen zu der Entscheidung gekommen waren, dass diese Situation zu gefährlich ist, hätten sie sofort handeln und das Haus räumen lassen müssen, sagte Braun. Längeres Abwarten wäre rechtlich nicht zulässig gewesen, betonte er angesichts der Kritik von Bewohnern, sie seien nicht frühzeitig informiert worden.

          Städtisches Siegel an der Eingangstür in Wuppertal

          Die Fassade des geräumten Hauses besteht nach diesen Angaben aus einer Kunststoffverkleidung, die von einem Holzgerüst getragen wird, wobei die Leerräume mit einem holzfaserähnlichen Material verkleidet sind - das alles ist brennbar. Das Treppenhaus als einziger Fluchtweg kann nur über kleine Balkone erreicht werden, die wiederum bei einem Fassadenbrand selbst den Flammen ausgesetzt wären. Die Feuerwehr kann ihre Drehleitern nur bis zur achten Etage einsetzen – bis gut 20 Meter Höhe. In größeren Höhen muss es daher auch einen anderen, vor Flammen und Rauch sicheren Weg ins Freie geben.

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