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Vermisste EgyptAir-Maschine : Wrackteile stammen nicht von vermisstem Flugzeug

Der ägyptische Luftfahrtminister reagierte bei einer eilig einberaumten Pressekonferenz ausweichend auf Fragen und wollte nicht von einem Absturz sprechen. Bild: AFP

Ein ägyptisches Passagierflugzeug verschwindet auf dem Flug von Paris nach Kairo. Eine Suchaktion nach Wrackteilen hat bisher noch keinen Erfolg gebracht. War es ein Anschlag?

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          Die Maschine der ägyptischen Fluggesellschaft Egypt Air bleibt weiterhin vermisst. An Bord befanden sich 66 Menschen.  Die ägyptische Fluggesellschaft Egyptair hat ihre eigenen Angaben korrigiert, wonach Wrackteile des abgestürzten Airbus A320 im Mittelmeer gefunden worden seien. Das teilte der amerikanische Fernsehsender CNN am Donnerstag unter Berufung auf den Vizepräsidenten von Egyptair, Ahmed Adel, mit.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auch die griechischen Behörden haben am Donnerstagabend dementiert, dass Wrackteile des Flugzeuges gefunden wurden. Die bisherigen Informationen über Wrackteile stammten ausschließlich von der ägyptischen Seite, gaben das griechische Außen- und Verteidigungsministerium bekannt. Demnach haben griechische Helfer die Suche auf Wunsch der Ägypter abgebrochen.

          Schilderungen des griechischen Verteidigungsministers Panos Kammenos deuteten darauf hin, dass das Flugzeug unter ungewöhnlichen Umständen verschwand. Nach seinen Worten habe der Airbus 320, ein als zuverlässig geltendes, von vielen Gesellschaften genutztes Flugzeug, Kurven beschreibend schnell an Höhe verloren. Das Flugzeug habe kurz nach dem Eintritt in den ägyptischen Luftraum erst eine 90-Grad-Kurve nach links und dann eine 360-Grad-Drehung nach rechts vollzogen, sagte Kammenos.

          Der ägyptische Luftfahrtminister Sherif Fathy sagte am Nachmittag, bei einer genauen Analyse des Vorfalls sei die Wahrscheinlichkeit eines „Terrorangriffs“ höher als die eines technischen Versagens. Zuvor hatte er sich lange nicht darauf festlegen wollen, dass das Flugzeug der staatlichen ägyptischen Fluggesellschaft überhaupt abgestürzt sei. Während sich westliche Politiker schon am Mittag festgelegt hatten, dass es sich um einen Absturz gehandelt habe, wollte Fathy anfangs angesichts der gebotenen „Professionalität“ nur von einem „vermissten Flugzeug“ sprechen und nicht „Theorien“ verbreiten. Man könne weder einen technischen Defekt noch einen Terroranschlag ausschließen.

          Unbehagen in der ägyptischen Führung

          Der Auftritt des Luftfahrtministers deutete auf großes Unbehagen in der ägyptischen Führung hin. Das Flugzeugunglück ist ein neuerlicher Rückschlag für Ägypten, das unter einer wirtschaftlichen Krise und dem Zusammenbruch des Tourismus leidet, einer wichtigen Lebensader der Wirtschaft. Außerdem ist das Regime des Präsidenten Abd al Fattah al Sisi mit andauernden Terroranschlägen und zunehmender Unzufriedenheit der Bevölkerung konfrontiert. Die Fluggesellschaft Egypt Air ist ebenfalls von der Krise betroffen. Sie hatte im Dezember 2014 mitgeteilt, sie habe in den Jahren nach dem Aufstand gegen Husni Mubarak Anfang 2011 umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Erst am Wochenende hatten die Piloten aus Protest gegen seit Jahren ausbleibende Gehaltserhöhungen Verspätungen bei den Abflügen provoziert.

          Im März war ein Flugzeug der Egypt Air auf einem Inlandsflug von Alexandria nach Kairo von einem Mann mit einer Sprengstoffgürtelattrappe entführt und zur Landung auf dem Flughafen von Larnaka auf Zypern gezwungen worden. Auch wenn das Geiseldrama ohne Blutvergießen beendet wurde, beschädigte es den ohnehin ramponierten Ruf der Fluggesellschaft und der Sicherheitsvorkehrungen an ägyptischen Flughäfen weiter. Dieser hatte vor allem unter dem Terroranschlag im Oktober 2015 gelitten, als ein russisches Passagierflugzeug nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel abstürzte und alle 224 Insassen getötet wurden. Die ägyptischen Behörden behaupteten noch monatelang, die Absturzursache sei unklar, als die russische wie auch andere Regierungen schon von einem Bombenanschlag islamistischer Terroristen sprachen. Bis heute sind die Ergebnisse der offiziellen ägyptischen Untersuchung nicht veröffentlicht.

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