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Dürre : Ostafrika vor einer Hungersnot

Die Tiere verdursten zuerst Bild: dpa

In Ostafrika leiden elf Millionen Menschen unter den Folgen einer Trockenheit, wie es sie in einigen der Länder seit mehr als vierzig Jahren nicht mehr gegeben hat. Die Hälfte dieser Menschen ist auf sofortige Hilfe angewiesen.

          3 Min.

          Die Wettervorhersagen lassen Schlimmes erwarten. Die Vereinten Nationen befürchten, daß in einem Großteil der Dürregebiete in Ostafrika die dringend benötigten Niederschläge bis April auf sich warten lassen könnten. Schon heute leiden in Kenia, Somalia, Äthiopien, Eritrea, Tansania und Burundi etwa elf Millionen Menschen unter den Folgen einer Trockenheit, wie es sie in einigen der Länder seit mehr als vierzig Jahren nicht mehr gegeben hat. Die Hälfte dieser Menschen ist nach Einschätzung des Welternährungsprogramms (WFP) auf sofortige Hilfe angewiesen. Obwohl Hilfsorganisationen schon seit dem vorletzten Sommer auf die sich verschlechternde Lage hinwiesen, kommt die Unterstützung nur zögernd.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          „Es müßte schon Unwetter wie El Nino geben, um die Wasservorräte wieder aufzufüllen“, sagt Iris Krebber, die regionale Koordinatorin der Deutschen Welthungerhilfe in Nairobi. Für die zur Zeit wachsende Ernte seien schon achtzig Prozent der nötigen Niederschläge ausgeblieben. Sie hält deshalb die zuletzt von den UN genannte Zahl von 3,5 Millionen Hilfsbedürftigen in Kenia für zu niedrig angesetzt. So fehle bis zu fünf Millionen Menschen Wasser.

          Vor allem die Massai in Kenia trifft die Trockenheit hart. In den abgelegenen Gebieten, in denen die meisten von ihnen zu Hause sind, ist kaum Ackerbau möglich, und sie sind von ihren Herden abhängig. Doch ihr Vieh ist schon zu Tausenden verendet. Zum Teil treiben die Hirten mittlerweile ihre abgemagerten Tiere schon in die Hauptstadt Nairobi und tränken sie an offenen Kloaken. „Viele, egal ob sie von ihren Herden oder von Landwirtschaft abhängig sind, haben ihre Lebensgrundlage verloren“, sagt Tesema Negash, der für Kenia zuständige WFP-Direktor. Um ihren Familien das Überleben zu sichern, prostituierten sich immer mehr Frauen, heißt es aus Nairobi.

          Kämpfe um das Wasser

          Zu gewaltsamen Kämpfen um das knappe Wasser ist es schon in Somalia gekommen. Zwölf Personen sollen nach Agenturberichten dabei bislang ums Leben gekommen sein. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die britische Hilfsorganisation Oxfam sind besonders über die Lage im Süden Somalias und in Südäthiopien besorgt. Aus Somalia, das sich nur langsam von 15 Jahren Bürgerkrieg erholt, gebe es Berichte, nach denen durstige Tiere an Brunnen schon Kinder angegriffen hätten, die dort Wasser holten, teilt das IKRK mit.

          Nach Informationen von Oxfam trinken manche Kinder schon ihren Urin. Schwierig macht die Hilfe aber auch die weiterhin angespannte Sicherheitslage. Die Vereinten Nationen appellierten deshalb an lokale Führer und Milizen, sicherzustellen, daß die Hilfslieferungen auch die Bedürftigen erreichen. Auf 1,7 Millionen schätzt das WFP die Zahl der Hilfsbedürftigen in Somalia. Jenseits der Grenze in Südäthiopien brauchen eine Million Menschen Soforthilfe, damit eine Hungersnot abgewendet wird, wie die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) ermittelt hat.

          „Je länger man wartet, desto teurer wird es“, sagt Iris Krebber von der Welthungerhilfe. So seien die Lebensmittelpreise in Kenia mittlerweile um mehrere hundert Prozent gestiegen. Schon 2004 sei vor der drohenden Gefahr gewarnt worden. Für die akut hungernden Menschen etwa im Norden Kenias ist solche Nothilfe wohl unumgänglich - nicht aber für alle anderen in der Region. In Äthiopien sei es sinnvoller, das dortige Arbeitsbeschaffungsprogramm auszuweiten, empfiehlt Joachim von Braun, der Direktor des Forschungsinstituts für Ernährungspolitik (IFPR) in Washington.

          Schlechte Regierungsführung

          Sie werden dort zum Beispiel bei Infrastrukturprojekten wie im Straßenbau eingesetzt: Mit ihrem Lohn können sie sich selbst versorgen und sind nicht mehr auf Hilfe von außen angewiesen. Wichtig sei auch, die Nahrungsmittel in der Region zu kaufen, verlangt Braun. Das sei zum Beispiel in Uganda möglich, wo bei Ernten Überschüsse erzielt wurden. Länder wie Kenia und Äthiopien sind für ihn zugleich Beispiele für schlechte Regierungsführung; trotz anderslautender Versprechen wird Kenia der weitverbreiteten Korruption kaum Herr. „Die Regierungen haben es vernachlässigt, in Straßenbau, produktive Landwirtschaft und Bildung zu investieren. Die Armut hat sich weiter ausgebreitet“, kritisiert Braun.

          Die Vereinten Nationen verweisen auf weitere Gründe, die zu solchen Entwicklungen beitragen: Neben andauernden Konflikten in der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur mit 300.000 Flüchtlingen gehören dazu die Ausbreitung von HIV/Aids, das hauptsächlich die arbeitenden Einwohner trifft, und das Bevölkerungswachstum. Nahrungsmittelhilfe brauchen nach Ansicht des Welternährungsprogramms aber nicht nur die Menschen in Ostafrika. Die Organisation spricht von zehn Millionen im Westen des Kontinents und zwölf Millionen im Süden. Dort zeigt das Beispiel Zimbabwes, daß nicht nur die Dürre, sondern vor allem die Landpolitik mit der Enteignung weißer Farmer zu der Not geführt haben: Einst galt das Land als „Brotkorb Afrikas“ und war ein wichtiger Exporteur. Jetzt könnten bis April vier Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfe benötigen.

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