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Einsatz in neun Städten : Sieben Festnahmen bei Drogenrazzien in NRW

Ermittler tragen bei einer Razzia in Gelsenkirchen Cannabispflanzen aus einem Gebäude. Bild: dpa

Auf der Suche nach Indoor-Marihuana-Plantagen haben Ermittler in Nordrhein-Westfalen elf Objekte in neun Städten durchsucht. Sieben Verdächtige wurden vorläufig festgenommen. Der Verdacht auf einen Clan-Bezug liegt nahe.

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          In Nordrhein-Westfalen ist Polizei und Staatsanwaltschaft nach wochenlangen Ermittlungen und Auswertungen von sogenannten EncroChats ein Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität gelungen. Bei der Durchsuchung von elf Objekten stießen Einsatzkräfte am Donnerstagmorgen auf zwei große Hightechanlagen zur Marihuanazucht. In Gelsenkirchen hatten die Täter gleich vier Plantagen mit jeweils 600 Pflanzen in einem ehemaligen Möbelhaus angelegt.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Anlagen seien mit „bester Technik“ im Wert von vielen Tausend Euro ausgestattet gewesen und von Gärtnern intensiv betreut worden, berichtete Einsatz­leiter Klaus Müller vom Polizeipräsidium Hagen. Sieben Personen wurden vorläufig festgenommen, unter ihnen auch der mutmaßliche Drahtzieher.

          Der 41 Jahre alte, in Libanon geborene Mann ist aktuell schon wegen Rauschgiftdelikten aus den Jahren 2013 und 2014 angeklagt und war nur gegen Kaution auf freiem Fuß. Ein Gericht hatte die Haftverschonung unter anderem damit begründet, dass der Mann einen festen Arbeitsplatz bei einer Immobilienfirma hatte, für die er als Objektbetreuer zumeist leerstehender großer Immobilien tätig war. Aus früheren Nachrichten bei EncroChat schlossen die Ermittler, „dass gerade in diesen Immobilien in großem Umfang Betäubungsmittel angebaut werden“, sagte Staatsanwalt Gerhard Pauli.

          Gemeinsam mit niederlän­dischen Ermittlern war französischen Behörden Anfang 2020 die Entschlüsselung der konspirativen EncroChat-Kommunikation gelungen, die fast ausschließlich von Rauschgifthändlern und anderen Schwerkriminellen auf speziell präparierten Mobiltelefonen genutzt wurde. Zwar hat EncroChat seitdem als Whatsapp der Unterwelt ausgedient – im Juni 2020 versandte EncroChat eine letzte Alarm-SMS an seine Kunden. Trotzdem können Ermittler auch heute noch aus den ausgelesenen alten Daten wertvolle Rück- und Analogieschlüsse auf die kriminelle Gegenwart ziehen – so wie im aktuellen Fall. „Die Chats lassen Verhaltensweisen und wiederkehrende Momente erkennen“, sagte Müller.

          Ende Juni hatte die Polizei bei einem Großeinsatz mit Schwerpunkt Dortmund mehrere Mitglieder der ­kriminellen Führungsebene des Miri-Clans festgenommen. Ob der 41 Jahre alte Hauptbeschuldigte im aktuellen Fall Mitglied eines kriminellen Clans ist, konnten die Ermittler noch nicht abschließend klären. „Der Verdacht liegt aber nahe“, sagte Müller.

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