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Wallfahrt nach Mekka : Seit 1400 Jahren auf Pilgerschaft

Im islamischen Hadsch hat der Pilger die Kaaba, das würfelförmige, zentrale Heiligtum des Islam, sieben Mal links zu umrunden. Bild: dpa

Für viele Muslime gilt die Pilgerfahrt nach Mekka als religiöser Höhepunkt des Jahres. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 632 zurück. Damals machten sich aber nur wenige Tausend Gläubige auf den Weg.

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          Keine andere rituelle Handlung steht so sehr für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Muslime wie die jährliche Pilgerfahrt nach Mekka, der Hadsch. Denn am zehnten Tag des Pilgermonats Dhu al Hadsch – er fiel in diesem Jahr auf den Donnerstag – schlachten die Muslime in der ganzen muslimischen Welt zur gleichen Zeit Opfertiere und fühlen sich den Pilgern in Mekka verbunden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die rituelle Abfolge geht auf die „Abschiedswallfahrt“ im Frühjahr 632 zurück. Bei ihr legte Muhammad, der Prophet der Muslime, alle bis heute befolgten Einzelheiten fest. Er ging mit einigen tausend Muslimen die Wege ab, die 1400 Jahre nach ihm drei Millionen Pilger beschreiten. Vielen Muslimen gilt die „Abschiedswallfahrt“ als der Höhepunkt in Muhammads Wirken und als sein Vermächtnis. Er starb wenige Monate darauf.

          Muhammad übernahm in die islamische Pilgerfahrt vorislamische Riten. Denn er konnte nicht damit rechnen, dass die Mekkaner lange praktizierte Bräuche aufgeben würden. Teilweise versah er sie aber mit einer neuen islamischen Bedeutung. Vor Muhammad war Mekka ein bedeutendes kommerzielles und religiöses Zentrum. Stämme aus dem weiten Umland pilgerten jedes Jahr zur Kaaba mit dem schwarzen Meteoritengestein und zahlreichen Gottheiten. Dieser Hadsch, der schon damals groß war, erfolgte in einer dreimonatigen Friedenszeit und war von bedeutenden Märkten begleitet. Bereits zur jener Zeit waren Arafa und Muzdalifa, zwei Stationen des islamischen Hadsch, Heiligtümer. Das symbolische Steinewerfen in Mina geht ebenfalls auf einen alten heidnischen Brauch in der Region zurück.

          Im islamischen Hadsch hat der Pilger nach dem Eintreffen in Mekka die Kaaba sieben Mal links zu umrunden. Ebenfalls sieben Mal muss er den Weg zwischen zwei Erhebungen in Mekka, Safa und Marwa, zurücklegen. Am siebten Tag des Pilgermonats Dhu al Hadsch hören die Pilger in Mekka eine Predigt, am achten machen sie sich auf den Weg zum Berg von Arafa, der 25 Kilometer von Mekka entfernt liegt. Sie übernachten in Mina, bevor sie den neunten Tag schweigend an den Hängen des Arafa verweilen – der spirituelle Höhepunkt der Pilgerfahrt.

          Der Ritus sieht vor, dass die ganz in Weiß gekleideten Pilger im Andenken an den Propheten Mohammed auf den Berg Arafat wandern und bis zum Abend auf der kargen Arafat-Ebene bleiben und dort um Vergebung beten. Mohammed soll vor seinem Tod 632 auf dem Arafat nach islamischer Überlieferung seine Abschiedspredigt gehalten haben.
          Der Ritus sieht vor, dass die ganz in Weiß gekleideten Pilger im Andenken an den Propheten Mohammed auf den Berg Arafat wandern und bis zum Abend auf der kargen Arafat-Ebene bleiben und dort um Vergebung beten. Mohammed soll vor seinem Tod 632 auf dem Arafat nach islamischer Überlieferung seine Abschiedspredigt gehalten haben. : Bild: dpa

          Nach Sonnenuntergang gehen sie zurück nach Mina, wo sie am zehnten Tag sieben Steinchen auf einen Felsen werfen, der den Teufel symbolisiert. Danach schlachten die Pilger in Mina ein Opfertier. Die Opferung markiert den Höhepunkt und das Ende der Pilgerfahrt. Die tage vom 11. des 13. des Pilgermonats sollen sie in festlicher Stimmung in Mina und Mekka verbringen. Zum Abschluss umrunden sie abermals die Kaaba sieben Mal.

          Die vorislamischen Bedeutungen der einzelnen Riten sind verlorengegangen. Muhammad fixierte im Islam die Kaaba auf Abraham und schloss so die Heiden von seiner neuen Pilgerfahrt aus. Die Opferung, die er in den Mittelpunkt stellte, soll sich in Erinnerung an Abraham vollziehen, der nach der Überlieferung des Islams nicht seinen Sohn Isaak Gott zu opfern bereit war, wie es im Alten Testament heißt, sondern seinen Sohn Ismail, den er mit seiner Magd Hagar gezeugt hatte. Gott aber ließ demnach an die Stelle des Knaben ein Schaf treten – und soll damit gezeigt haben, dass für die Beziehung des Menschen zu Gott Menschenopfer nicht länger nötig seien.

          Eine weitere Station ist die Zeltstadt in Mina, wo die Pilger sieben Kiesel auf Steinsäulen werfen und damit symbolisch den Teufel steinigen.
          Eine weitere Station ist die Zeltstadt in Mina, wo die Pilger sieben Kiesel auf Steinsäulen werfen und damit symbolisch den Teufel steinigen. : Bild: dpa

          Der Islam verehrt Ismael als den Ahnherrn der Araber. Geboren habe ihn Hagar, so die islamische Tradition, in dem felsigen und unfruchtbaren Tal von Mekka. Abraham hatte sie zur Niederkunft dorthin gebracht und ihr einen Beutel Wasser und Datteln zurückgelassen. Als der Proviant aufgebraucht war, sei Hagar sieben Mal zwischen dem Hügel von Safa und Marwa hin und her geirrt, um nach Wasser zu suchen. Hagar fand tatsächlich die Zamzam-Quelle, heute Teil des heiligen Bezirks um die Kaaba, aus der die Pilger zum Ende der Pilgerfahrt zu trinken haben.

          Die Muslime vermuten in Mina, wo jetzt das Unglück geschehen ist, den Ort, an dem Abraham sein Opfer dargebracht hat. Die islamische Überlieferung berichtet ferner, dass Abraham und der erwachsene Ismael die Kaaba um einen schwarzen Stein errichtet hätten. Traditionelle Muslime erleben die Pilgerfahrt in dem Glauben, dass sie die Geburt ihrer Religion durch Abraham, Hagar und Ismail wiederholen.

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